Sonnabend, 26.05.2012
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01.02.2010
"Alle wollen zum Final Four"

Blickt nach vorn | FOTOS: STEFAN POLLEX

Lübbecke. Die Europameisterschaft ist zwar gerade erst beendet, aber bereits Vergangenheit. Die Handball-Bundesliga ruft wieder. Für den TuS N-Lübbecke geht es jedoch zuvor am 6. Februar im DHB-Pokalviertelfinalspiel beim Zweitligisten Bergischer HC um Alles oder Nichts. Die Teilnahme am Final Four in Hamburg würde die Saison bereits frühzeitig krönen. In der Meisterschaft steht am 12. Februar mit einem Auswärtsspiel bei TSV Dormagen die erste Aufgabe an. NW-Sportredakteur Wilfried Brase sprach mit Trainer Patrik Liljestrand über die EM und die Situation beim TuS N-Lübbecke vor der Saisonfortsetzung am kommenden Wochenende sowie die Ziele.

Herr Liljestrand, Sie waren drei Tage bei der Europameisterschaft in Österreich und haben dort auch Ihren 44. Geburtstag gefeiert. War es wirklich wie ein kleiner Urlaub?
PATRIK LILJESTRAND: Auf der Tribüne sitzen und ein bisschen kritisieren, viel Handball sehen und viele Leute treffen - ich habe die Tage in Österreich als Abwechslung genossen. Ansonsten schaut man ja immer vom Training zum nächsten Spiel. Mein Geburtstag fällt immer in die Zeit der großen Turniere, letztes Jahr war ich in Kroatien.

Sie haben die EM zusätzlich vor dem Fernseher verfolgt. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
LILJESTRAND: Ich habe vor allem gute Torwartleistungen gesehen, die Spiele entschieden haben - wie von Kroatiens Alilovic oder Frankreichs Omeyer. Seit der schnellen Mitte hat es aber nichts gravierend Neues mehr gegeben, und die wird hauptsächlich in der Bundesliga gespielt und nicht bei solch einem Turnier mit so großer Belastung. Da wird zum Schluss ein ganz anderer Handball gespielt, wobei die Mannschaften einen kleinen Vorteil hatten, die vorher auch viel gewechselt hatten.

Wie haben Sie als Schwede das Ausscheiden Ihrer Landsleute bereits nach der Vorrunde gesehen? Immerhin ist Schweden Gastgeber der WM 2011.
LILJESTRAND: Die Presse ist in Schweden schnell negativ. Man wusste von vornherein, dass es eine schwere Gruppe war. Knackpunkt war gleich das erste Spiel gegen Slowenien, das nach einer Führung mit sechs Toren noch verloren wurde. Den Schweden fehlt ein erfahrener Spieler auf Halblinks. Die Situation ist ähnlich wie bei der deutschen Mannschaft ohne Pascal Hens. Schweden hat jetzt den Vorteil, dass es nicht in die Qualifikation muss und sich gezielt auf die WM im eigenen Lande vorbereiten kann.

Der TuS N-Lübbecke ist vor allem durch seine polnischen Nationalspieler Michal Jurecki, Tomasz Tluczynski und Artur Siodmiak mit der EM verbunden. Wie haben Sie die Leistung ihrer Spieler gesehen?
LILJESTRAND: Es ist schade, dass sich Totti Olafsson verletzt hat. Auch Heidmar Felixson war nah dran an einer EM-Teilnahme mit Island. Ich bin stolz, dass unsere drei Polen so gut gespielt haben. Für Tomek Tluczynski war es wichtig, dass er nach einem starken Spiel gegen die Rhein Neckar-Löwen zur Nationalmannschaft gefahren ist. Er ist aus der 2. Liga gekommen und hat etwas Zeit gebraucht. Michal Jurecki hat gut gespielt, Artur Siodmiak, der allerdings eine Fußverletzung hat, macht immer sein Ding. Es würde weh tun, wenn einer verletzt zurück kommt.

Polen hat bei der EM acht Spiele bestritten. Die Spieler werden völlig geschafft zurückkehren. Wann erwarten Sie die drei wieder in Lübbecke?
LILJESTRAND: Die polnische Mannschaft reist erst zurück nach Polen, so dass sie frühestens am Dienstag wieder in Lübbecke sein können. Aber die Spieler brauchen auch ein paar Tage ohne Handball und müssen sich regenerieren. Das muss man ein bisschen steuern, was wir aber auch in der Vergangenheit geschafft haben. Die vielen Verletzungen machen mir fast mehr Sorgen. Totti Olafsson wird noch ausfallen. Tim Remer wollte schon in Bohmte spielen. Er hat aber genau wie Heidmar Felixson noch einen Arzttermin. Erst wenn dort das ok kommt, kann er am Dienstag in Nordhemmern gegen Burgdorf dabei sein.

Wie formulieren Sie die Ziele des TuS N-Lübbecke im zweiten Saisonteil?
LILJESTRAND: Zuerst kommt das Pokalspiel beim Bergischen HC. Alle wollen gern zum Final Four - ich auch. Aber die Spieler sollen bloß nicht zu hören, wenn andere erzählen, dass sie bereits für Hamburg gebucht haben. Natürlich ist es unser Ziel zu gewinnen, aber wir müssen auch erst einmal gewinnen.

Nach dem DHB-Pokal geht es in der Bundesliga mit einem Auswärtsspiel in Dormagen weiter. Welche Ziele verfolgt der TuS N-Lübbecke in der Liga?
LILJESTRAND: Der Verein will eine stabile Mannschaft, die nicht im Abstiegskampf steckt. Wir sind Aufsteiger und stehen auf dem elften Tabellenplatz. Das war unser Ziel und ist es auch weiterhin. Egal wie groß der Abstand zum Relegationsplatz zwischenzeitlich auch war - wir haben uns leistungsmäßig besser gesehen und haben in der Hinrunde ein gewisses spielerisches Level gefunden. Dies spiegelt sich auch im guten Torverhältnis wider. Sicherlich hätten wir drei, vier Punkte mehr haben können. Wir haben im zweiten Saisonteil viele Wochentagsspiele. Wenn wir allerdings wegen einer DSF-Übertragung Dienstags spielen, haben wir etwas zu bieten - und dies spricht auch nur für uns.Der TuS N-Lübbecke hat 15:21 Punkte. Welche Punktzahl stellen Sie sich zum Saisonende vor?
LILJESTRAND: Für mich ist es wichtig, dass wir uns leistungsmäßig steigern. Da war der Dezember ein richtig guter Monat - und das nach den vier freien Tagen, die ich der Mannschaft gegeben habe und für die ich viel Kritik einstecken musste. Danach haben wir unseren besten Handball gespielt. Ich bin im Nachhinein froh über die Entscheidung, die ich wegen den im Dezember anstehenden 6 Spielen in 18 Tagen getroffen hatte.

Wie haben Sie die Kritik verarbeitet, die sie vor dem guten Dezember im schwachen November einstecken mussten?
LILJESTRAND: Wichtig ist, dass wir im Verein wissen, welche Dinge beispielsweise in der Zeitung stehen können und welche besser intern bleiben sollten. Dass mich nicht alle lieben, ist klar. Siege sind positiv, Niederlagen negativ und als Verantwortlicher muss ich sie auf meine Kappe nehmen. Für mich war es wichtig, dass die Mannschaft immer hinter mir gestanden hat. Meine Arbeit ist erfolgsabhängig, aber es dauert auch ein bisschen, bis ein Konzept umgesetzt ist.

Die Personalplanungen für die Saison 2010/11 sind bereits in vollem Gange. Was ist vom TuS N-Lübbecke in der neuen Spielzeit zu erwarten?
LILJESTRAND: Nächstes Jahr sollten wir für eine richtig gute Saison vorbereitet sein. 80 Prozent der Mannschaft bleiben. Vielleicht kommen zwei, maximal drei neue Spieler hinzu. Dabei müssen wir unseren Etat clever ausnutzen, um gute Typen zu finden, die in die Mannschaft passen. Die neuen Spieler müssen auf jeden Fall auch in der Abwehr spielen können.


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