HANDBALL: Getrübte Stimmung beim TuS N-Lübbecke trotz des 29:24-Siegs über den TBV Lemgo
Lübbecke. Während Heidmar Felixson beim Jubeln bereits mit Gehhilfen wieder auf dem Parkett stand, befand sich Alexis Alvanos auf dem Weg ins Lübbecker Krankenhaus. Der griechische Linkshänder fällt mit einer schweren Gelenkluxation in der Wurfschulter bis zum Saisonende aus. Die Verantwortlichen des TuS N-Lübbecke beschäftigten sich nach dem 29:24 gegen Lemgo (die NW berichtete bereits) gleich damit, die Lücke auch nach Ablauf der Wechselfrist noch zu schließen.
Das allerdings dürfte sich zu einem unheimlich schwierigen Unterfangen entwickeln. Derjenige Spieler, den der TuS N-Lübbecke jetzt noch holen kann, darf in der aktuellen Saison nirgendwo unter Vertrag gestanden haben. "Das erschwert die Aufgabe natürlich um einiges", so Teammanager Zlatko Feric, der sich in den kommenden Tagen in Zusammenarbeit mit Uwe Kölling weitere Gedanken darüber machen wird, wen man überhaupt verpflichten könnte. "Wenn wir jemanden holen, sollte er uns auch wirklich helfen können. Er sollte schon in einem guten körperlichen Zustand sein", meinte Uwe Kölling.
Zlatko Feric konnte sich gestern nicht so viele Gedanken um eine mögliche Verpflichtung machen, denn der Lübbecker Teammanager war in erster Linie damit beschäftigt, sich um Alexandros Alvanos zu kümmern. Nachdem der Grieche am Dienstagabend die erste Untersuchung im Lübbecker Krankenhaus überstanden hatte, konnte er die Nacht zu Hause verbringen. Glücklicherweise war Alvanos Berater ebenfalls da und konnte ihm helfen.
Zlatko Feric kümmerte sich dann gestern um den Griechen und fuhr ihn zur zweiten Untersuchung nach Bielefeld: Dort wurde nach dem Sichten der ersten Bilder von Mannschaftsarzt Dr. Dickob Folgendes diagnostiziert. Am Schultereckgelenk ist eine Kapsel kaputt und die Bänder sind gerissen. Nun soll Alvanos so schnell wie möglich bei einem Spezialisten in Hamburg weiter behandelt werden. Sollte das nicht gehen, steht als Alternative noch ein Spezialist in Heidelberg zur Verfügung. "Alexis soll so schnell es geht operiert werden, da es sich um die Schulter seines Wurfarms handelt. Doch das wird sich erst am Donnerstag entscheiden, wenn die Ärzte miteinander alle Einzelheiten besprochen haben", erzählte Zlatko Feric gestern Nachmittag nach dem Arztbesuch.
Alexis Alvanos verletzte sich in der 44. Minute nach einem Zweikampf mit Holger Glandorf. Den daraus resultierenden Siebenmeter verwandelte Tomek Tluczynski zum 21:15. Der Grieche prallte nach dem Zweikampf mit voller Wucht auf seine linke Schulter. Für ihn war damit nicht nur die Partie gegen Lemgo, sondern auch die gesamte Saison vorzeitig beendet.
"Das ist eine echte Katastrophe", wertete Geschäftsführer Uwe Kölling den langfristigen Ausfall des Linkshänders. Der hatte sich noch im vor dem Derby ausgestrahlten Handball-Magazin im DSF hoffnungsvoll über die sportliche Zukunft des TuS N-Lübbecke geäußert. In dem Gespräch brachte er vor allem seine Vorfreude auf das Final Four in Hamburg zum Ausdruck. Nun wird Alexis Alvanos als Zuschauer in der Color-Line-Arena sitzen müssen. "Ich kann mich gar nicht so richtig über den Sieg freuen", meinte Armin Gauselmann, der spaßeshalber bei Lemgos sportlichem Leiter Volker Zerbe nachfragte, ob er sich nicht ein Kurzzeit-Engagement im Lübbecker Trikot vorstellen könne.
Wie bei Arne Niemeyer, der nach seiner Ohroperation wieder unter den Zuschauern war, besteht bei Heidmar Felixson die leise Hoffnung, dass er beim Final Four am 10./11. April in Hamburg dabei sein kann. Der Isländer war nach einem Antritt in der 10. Minute der Begegnung mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden gegangen. Der Verdacht eines großen Muskelfaserrisses in der rechten Wade erhärtete sich schnell. Zudem wurde die Verletzung gestern Nachmittag ebenfalls von Dr. Dickob in Bielefeld bestätigt, der sich Heidmar Felixsons Wade noch einmal genauer ansah. Dr. Dickob sprach von einer bevorstehenden Zwangspause von vier bis fünf Wochen. "Das ist die gleiche Verletzung wie bei Totti Olafsson. Er darf auf keinen Fall zu früh anfangen", meinte Trainer Patrik Liljestrand. Vor dem Final Four stehen für den TuS N-Lübbecke noch die Bundesligaspiele gegen FA Göppingen (20. März), beim SC Magdeburg (28. März) und bei den Füchsen Berlin (5. April) auf dem Programm.
Mit Tomek Tluczynski humpelte Anfang der zweiten Halbzeit noch ein weiterer TuS-Spieler verletzt vom Parkett, er kam nur noch zurück, um drei Siebenmeter sicher zu verwandeln. "Ein Pferdekuss - das ist halb so schlimm. Zwei oder drei Tage Pause werde ich wohl einlegen müssen, dann ist das wieder vorbei", gab der Linksaußen aber gleich Entwarnung.