Hüllhorst. Die Vorbereitung bestand für sie hauptsächlich aus Schnee schaufeln rund um ihr Haus in Hüllhorst. "Sogar in Kanada war es wärmer", stellte Christiane Wippersteg nach ihrer Rückkehr von den 4. Senioren-Hallen-Weltmeisterschaften fest. Im Gepäck hatte die 82-jährige Leichtathletin, die für BTW Bünde startet, vier weitere Medaillen für ihre umfangreiche Sammlung.
1.386 Teilnehmer aus 60 Nationen waren in der kanadischen Universitätsstadt Kamloops (British Columbia) dabei. Mit 87 Teilnehmern stellte Deutschland die größte europäische Mannschaft, die 48 Gold-, 32 Silber- und 35 Bronzemedaillen gewann. Damit nahm sie hinter den USA (326) und Gastgeber Kanada (281) mit insgesamt 115 Medaillen Platz drei der Nationenwertung ein.
Eine Gold- und drei Silbermedaillen gewann in der Altersklasse W80 allein Christiane Wippersteg, die als Titelverteidigerin im Diskuswerfen, Kugelstoßen und Hochsprung an den Start ging. "Aber es war für mich von vornherein klar, dass ich auf Platz zwei programmiert sein würde. Die Belgierin Rachel Hanssens ist gerade 80 Jahre alt geworden. Ich bin froh, dass ich im Vergleich zu meinen letzten Wettkämpfen nur unwesentlich schwächer geworden bin", erklärte die Hüllhorsterin.
Es begann mit der sogenannten Winterwurf-WM. Erste Disziplin: Speerwerfen (2. Platz mit 13,88 m). Zweite Disziplin: Diskuswerfen (2. Platz mit 15,51 m). "Danach ging es endlich in die Halle, wo ich gleich meinen Hallen-Weltrekord im Kugelstoßen abgeben musste - was allerdings zu erwarten war", meinte Christiane Wippersteg, die mit 6,32 m bei nur neun Zentimetern Rückstand ihre dritte Silbermedaille gewann. Gold folgte als krönender Abschluss am vierten Tag im Hochsprung mit 0,85 m. "Ich hätte noch etwas höher springen können, doch mangelte es wegen des fehlenden Trainings an der Anlaufgeschwindigkeit", erläuterte sie.
Für Christiane Wippersteg zählten jedoch nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Erlebnisse in Kanada. "Da gab es viele schöne nicht nur bei den Wettkämpfen. Nur die Siegerehrungen mit langen Wegen und Wartezeiten gehörten nicht dazu. Ansonsten war alles bestens organisiert", meinte die Hüllhorsterin trotz aller Reisestrapazen mit weiteren Wartezeiten auf den Flughäfen. Hin ging es über London-Heathrow und Vancouver. Zurück über die für sie beeindruckende Olympiastadt Calgary. "Anstrengender als alle Wettkämpfe war jedoch auf dem Flughafen in Frankfurt der Weg zum Anschlussflug nach Hannover. Danach war ich geschafft", blickte sie zurück.
Im Nachhinein zeigte sich Christiane Wippersteg froh, auch bei der vierten Hallen-WM dabei gewesen zu sein. "Eigentlich wollte ich schon absagen, weil ich seit der Europameisterschaft 2009 in Ancona kaum trainiert hatte und mich nicht gut fühlte. Aber manchmal muss man sich einfach selbst überwinden und sich nicht hängen lassen", betonte die aktive 82-Jährige. Sie ist das beste Beispiel dafür, dass Sport die Lebensqualität im Alter erhöht.