Lübbecke-Nettelstedt. Sebastian Winkler steht vor einer Doppelaufgabe. Zuerst ist der Linkshänder am heutigen Samstag ab 15 Uhr als Spieler des Spitzenreiters der 1. Handball-Kreisliga, TuS Nettelstedt II, in der Partie gegen Oberlübbe III gefordert. Nach einer kurzen Pause folgt für den 30-Jährigen der nächste Einsatz als Trainer des Frauenhandball-Verbandsligisten TuS Nettelstedt II (Anwurf 16.45 Uhr). Der Gegner heißt erneut Eintracht Oberlübbe. NW-Sportredakteur Wilfried Brase sprach mit Sebastian Winkler, der im neunten Jahr die zweite Frauenmannschaft trainiert und vor Saisonbeginn als Aktiver zu seinem Stammverein zurück kehrte, über die Situation vor den beiden Heimspielen in Nettelstedt.
Herr Winkler, welche Ihrer beiden Aufgaben bevorzugen Sie im Moment?SEBASTIAN WINKLER: Ich bevorzuge keine, beide Aufgaben machen mir gleich viel Spaß.
Im ersten Spiel stehen Sie am heutigen Samstag selbst beim TuS Nettelstedt II auf dem Parkett. Fällt es schwer, nach 14 Siegen den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten?WINKLER: Momentan fällt das nicht schwer. Wir haben einen großen Kader mit vielen jungen Spielern, da ist jeder heiß darauf zu spielen. Außerdem will uns als ungeschlagenen Spitzenreiter jeder Gegner besiegen. Das wissen wir und gehen die Aufgaben entsprechend konzentriert an.
Der TuS Nettelstedt II gehörte bereits vor Saisonbeginn mit zu den Favoriten. Hatten Sie damit gerechnet, dass die Mannschaft solch eine Serie hinlegt?WINKLER: Vor der Saison hatte ich noch zwei oder drei andere Mannschaften, die auch Spieler mit höherklassigen Erfahrungen in ihren Reihen haben, auf der Rechnung - wie TSV Hahlen II, HSG Hüllhorst II, HSG Stemmer/Friedewalde II oder auch Tuspo Meißen, das zuvor eine gute Serie gespielt hatte, aber personelle Probleme hat. Grundlage unserer Serie war, dass wir gleich das erste Spiel gegen Hille III, in dem wir uns lange sehr schwer getan haben, und auch das zweite Heimspiel gegen Hahlen II gewonnen haben. Dadurch sind wir in einen guten Lauf gekommen. Hahlen II schätze ich aber auch nach wie vor als ernsthaften Konkurrenten ein.
Gegner ist mit Eintracht Oberlübbe III der Tabellenvorletzte der 1. Kreisliga. Eine Pflichtaufgabe für den Spitzenreiter, bevor es dann zu besagtem TSV Hahlen II geht . . . WINKLER: Die Favoritenrolle können wir schwer wegdrücken. In Oberlübbe haben wir zur Halbzeit 15:6 geführt, dann aber sechs Gegentreffer zum 15:12 kassiert. Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen, zumal Oberlübbe II gegen Meißen gerade seinen ersten Saisonsieg gelandet hat. Wir möchten unsere Zu-Null-Serie natürlich möglichst lange halten. Jetzt kommt aber erst einmal das Spiel gegen Oberlübbe. Wir tun gut daran, uns immer auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren und keine Planspielchen zu veranstalten. In der vergangenen Saison haben wir beim TuS Möllbergen die Verbandsliga-Hinrunde zu Null gespielt und dann einen Rückrundenstart mit 1:5 Punkten hingelegt. Da hat man gesehen, dass es ganz schnell wieder eng werden kann.
Auch in der Frauen-Verbandsliga geht’s gegen Eintracht Oberlübbe. Hat dieses als Derby einen anderen Stellenwert?WINKLER: Das ist vor allem ein Spiel mit umgekehrten Vorzeichen. Wir sind klarer Außenseiter und haben außerdem das Pech, dass uns Carolin von der Ahe fehlt, die zuletzt beim Sieg in Burgsteinfurt ein gutes Spiel gemacht hat. Oberlübbe hat Spielerinnen mit Regional- und Oberligaerfahrung im Aufgebot und muss auch den Anspruch haben oben mitzuspielen.
Wie schätzen Sie die Chancen des TuS Nettelstedt II in dieser Partie ein?WINKLER: Nach dem Sieg in Burgsteinfurt können wir befreit aufspielen. In der Hinrundenbegegnung haben wir den Start verpatzt, sind dann aber noch einmal bis auf zwei Tore heran gekommen. Wir werden das Spiel gegen Oberlübbe auf keinen Fall von vornherein verloren geben. Eine Außenseiterchance hat man immer.
Der bisherige Saisonverlauf war für den TuS Nettelstedt II in der Frauen-Verbandsliga mit 8:4 Punkten zum Auftakt und vier Niederlagen, die folgten, ein Auf und Ab. Zuletzt gab es einen 25:23-Sieg in Burgsteinfurt. Wie ist dies zu erklären?WINKLER: Wir hatten das Pech, dass mit Anna Arning, die sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat, und Friederike Stahnke, die wegen Rückenproblemen ausfällt, zwei fest eingeplante Spielerinnen die gesamte Saison fehlen. Mit neun Feldspielerinnen haben wir nur einen schmalen Kader. Außerdem spielen wir in einer ausgeglichenen Liga, in der jeder jeden schlagen kann. Die Mannschaft zeigt aber eine gute Einstellung und hat sich mit dem Sieg in Burgsteinfurt auch dafür belohnt. Unser Ziel kann nur ein Mittelfeldplatz sein.