Rahden-Varl. Im vergangen Mai waren die T-Shirts von Union Varl noch geprägt mit zahlreichen inoffiziellen Titelgewinnen und einem klaren Statement. "Aufstieg – Nein danke" stand es in weißer Schrift auf rotem Untergrund. Seit gestern Nachmittag ist es nun perfekt. Auch wenn man in den letzten Wochen wirklich den Eindruck gewinnen konnte, die Varler Mannschaft will wirklich nicht in die Bezirksliga aufsteigen, haben die Mannen um Sebastian Numrich Vereinshistorisches geschafft. Erstmals in der Vereinsgeschichte wird eine erste Fußballmannschaft von Union Varl in der Bezirksliga spielen.
Dabei stand die Mannschaft in fast identischer Besetzung vor zwei Jahren am Abgrund zur Fußball-Kreisliga B. Erst der Trainerwechsel von Thorsten Habermehl zu Stefan Hartmann kurz vor Serienende brachte die Wende. "United" rettete einen Vorsprung vor dem SSV Pr. Ströhen ins Ziel und blieb damit im Kreisoberhaus.
Danach wurde das Konzept im Verein neu ausgerichtet. Und dabei ging Varl auch ein gewisses Risiko ein, denn mit Sebastian Numrich wurde ein Spielertrainer verpflichtet, der zwar als Spieler große Erfolge in höheren Klassen feiern konnte, als Trainer aber völliges Neuland betrat. Und die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Von Beginn an war die neue Handschrift des Trainers zu sehen. Der muntere Offensivfußball, l für den Union Varl lange Jahre bekannt, sollte im "United-Park" wieder Einzug halten. Passend dazu kehrte auch Andre Lange vom Landesligisten RW Maaslingen zu seinen Wurzeln zurück. Zudem erhielt die nicht immer sattelfeste Varler Hintermannschaft durch Sebastian Numrich mehr Sicherheit und von Beginn an setzte Numrich dabei auf die Viererkette. Von Beginn an mischte Union Varl schon letzte Saison in der Spitzengruppe mit und belegte am Ende einen hervorragenden dritten Platz.
"Ein Aufstieg wäre gleich im ersten Jahr vielleicht noch etwas zu früh gekommen", blickt auch Sebastian Numrich noch einmal zurück. So galt das Hauptaugenmerk vor der Serie, die Leistungen zu bestätigen und die Mannschaft punktuell weiter zu bringen. Und so war die Ausrichtung vor der Serie auch typisch für Sebastian Numrich, auch privat eher ein ruhiger Vertreter. "Wir wollen den Zuschauern hier weiter erfrischenden Offensivfußball zeigen. Alles weitere wird sich dann zeigen". Und gleich am ersten Spieltag setzten Numrich & Co das erste Ausrufezeichen durch einen 6:0-Auswärtssieg beim ebenfalls vor der Saison hochgehandelten SuS Holzhausen. Am 18. September 2011, dem sechsten Spieltag, übernahm Union Varl endgültig die Tabellenführung und gab sie bis zum Saisonende nicht mehr ab.
Den Grundstein zum Titel legten die Varler im Herbst vergangenen Jahres. Nach der Niederlage gegen Aufsteiger Türk Gücü Espelkamp zeigte die Mannschaft, dass es nicht immer der Hurrafußball sein muss. Gleich vier Spiele wurden in der Folgezeit mit einem Tor Differenz gewonnen. "Ganz wichtig war dabei der knappe und sehr glückliche 3:2-Sieg gegen den TuS Gehlenbeck nach einem 0:2-Rückstand", sagt Andre Lange. Manchmal etwas glücklich und schmutzig, aber Union Varl gewann, während die Konkurrenz sich gegenseitig die Punkte abnahm. Zehn Siege in Folge feierten die Rot-Weißen und erst TuRa Espelkamp gelang es, den Siegeszug zu stoppen. Dennoch blieb der Vorsprung fast immer im zweistelligen Bereich. Maximal hatte "United" 13 Zähler Vorsprung auf die einzig verbliebene Konkurrenz aus Alt-Espelkamp und Dielingen. Es war also nur eine Frage der Zeit, wie viele Spieltage vor Serienende die Meisterschaft eingefahren wird.
Doch die Winterpause brachte auch Sand ins Varler Getriebe. "Wir sind nur schwer in Tritt gekommen. Alle Siege waren schwer erkämpft. Zudem hatten sich auch die Gegner besser auf unser Spiel eingestellt", stellt Sven Kassen klar. Auch in der Offensive fehlte den Varlern das nötige Zielwasser. Die Leichtigkeit des Seins schien abgekommen zu sein. Zudem war der TuS Dielingen kaum noch zu stoppen. Das beste Team der Rückrunde verringerte den Abstand bis auf sechs Punkte.
Am Ende war der Vorsprung aber zu groß, um wirklich noch einmal in Schlagdistanz zu kommen. Und so bleibt für die fast ausnahmslos mit Spielern aus dem Dorf gespickte Mannschaft nun der historische Aufstieg, der getreu dem Motto der Meistershirts einfach nur "unbezahlbar" ist. Dabei verzichten die Varler auch auf die ansonsten obligatorische Mannschafts- und Meisterschaftsfahrt nach Mallorca. Der Titelgewinn wird am letzten Juniwochenende in Hamburg gebührend gefeiert.