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28.11.2012
Zwei Freunde der späten Treffer
HANDBALL: Harry Keller und Peter Pickel erinnern sich an die Erfolge von 1981
VON RAINER PLACKE

So war das am 30. Mai 1981 | FOTO: TYLER LARKIN

Lübbecke. Harry Keller weiß noch ganz genau, von welcher Position er am 25. April 1981 Maß nahm, um das entscheidende 17:14 für den TuS Nettelstedt im Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger gegen Empor Rostock zu erzielen.

"Ich war mir ziemlich sicher zu treffen, damals hatte ich enormes Selbstbewusstsein", sagt der 57-Jährige, als er die Szene in der Lübbecker Kreissporthalle nachstellt. Genau beobachtet von Peter Pickel, seinem damaligen Mitspieler, der wenige Wochen später, am 30. Mai 1981, den entscheidenden Siebenmeter im Endspiel um den DHB-Pokal gegen den VfL Günzburg zum 22:17 verwandelte. "Viel gedacht habe ich nicht. Bewusst war nur die Entscheidung, hoch zu werfen", erinnert sich Pickel.

Sowohl Harry Keller als auch Peter Pickel erinnern sich sehr gut und vor allem gerne an die tollen Zeiten, die sie seinerzeit beim TuS Nettelstedt erlebten. "Diese Geschehnisse sind zwar 31 Jahre her, doch so etwas bleibt für immer im Kopf", sagt Harry Keller, der ein freundschaftliches Verhältnis zu dem sieben Jahre älteren Peter Pickel pflegt.

Nicht von ungefähr ist Peter Pickel Harry Kellers Trauzeuge. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Tatsache, bei demselben Arbeitgeber (Gauselmann AG) beschäftigt zu sein – Keller seit nunmehr 26, Pickel seit elf Jahren. Und sowohl Peter Pickel als auch Harry Keller, die aus Flensburg und Zweibrücken stammen, sind in Lübbecke sesshaft geworden, wobei sie natürlich die aktuelle Entwicklung beim TuS N-Lübbecke genauestens verfolgen.

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Tradition in Bewegung

Tradition in Bewegung lautet das Motto des TuS Nettelstedt, der im Juni dieses Jahres sein 100-jähriges Bestehen feiern konnte. Bei dem Festakt brachte der ehemalige Mäzen Hans Hucke (Foto) den Spielball des Europapokal-Endspiels von 1981 gegen Empor Rostock wieder nach Nettelstedt.

Die Neue Westfälische wird sich in den kommenden Monaten mit den ehemaligen Spielern der Europapokal-Mannschaft treffen, um an die alten Zeiten zu erinnern und den Begriff Tradition in Bewegung mit Geschichten zu erfüllen. In der ersten Folge gab es ein interessantes und lustiges Treffen mit Harry Keller, Peter Pickel und dem alten Spielball.

Harry Keller hat noch genau die entscheidende Situation gegen Rostock abgespeichert. "Es hingen einige an mir dran, doch ich war sehr entschlossen und habe mir auch nicht so viele Gedanken gemacht", sagt Keller, der anschließend das Gefühl beim Abpfiff als "wirres Durcheinander" beschreibt. "Es haben sich unglaubliche Szenen abgespielt, immerhin waren ja 4.200 Zuschauer in der Halle. Es hat unendlich lange gedauert, bis wir so richtig feiern konnten", erinnert sich der Linkshänder. Auch Peter Pickel hat diese Szenen noch immer präsent. "Wir waren damals körperlich in einer phantastischen Verfassung.

Die Grundlagen dazu hatte Vitomir Arsenijevic im Training gelegt. Martin Karcher als unser Trainer der Europapokalmannschaft hat darauf aufbauen können und das spielerische Moment verfeinert", erzählt Pickel und wird dabei von Harry Kellers Kopfnicken bestätigt. "Ich hatte damals eine effektive Sprunghöhe aus dem Stand von über einem Meter. Das lag natürlich an dem Training, für das wir so manches Mal Arsenijevic verflucht haben. Aber es hat uns wirklich etwas gebracht", ergänzt Keller.An die Feierlichkeiten nach dem Europapokalsieg erinnern sich die beiden ebenfalls liebend gerne. "Erst gab es in der Stadthalle ein Bankett, ehe wir zum Schützenfest nach Nettelstedt konnten. Martin Karcher wurde per Hubschrauber ins Sportstudio geflogen, wir haben die Nacht zum Tag gemacht", sagt Keller. "Wir haben quasi eine Woche lang gefeiert, das angesetzte Training in den Tagen danach war eher ein Ausschwitzen", ergänzt Pickel.

Die damalige Erfolgsgeschichte des TuS Nettelstedt wurde wenige Wochen später fortgesetzt, und zwar mit dem DHB-Pokalsieg gegen den VfL Günzburg. "Das war an Spannung und Dramatik nicht zu überbieten", sagt Harry Keller, der auch nach 31 Jahren "immer noch den Hut vor Peter Pickel zieht, diesen Siebenmeter zur Entscheidung verwandelt zu haben". "Ich hätte nicht in seiner Haut stecken mögen", ergänzt Keller, an dem der entscheidende Strafwurf verursacht worden war.

"Da Zdravko Miljaks Wechsel nach der Saison zu Günzburg schon feststand, wollte er verständlicherweise nicht werfen. Auch die anderen haben sich relativ schnell weggedreht, so dass ich am Siebenmeterpunkt stand. Ich habe mich gut gefühlt und dann eben getroffen. Der Rest war nur noch Jubel und grenzenlose Freude", erinnert sich Peter Pickel. Auch die anschließenden Feierlichkeiten werden den beiden unvergessen bleiben. "Der Pokalsieg war dann das I-Tüpfelchen einer aufregenden Zeit", meint Harry Keller.

Übereinstimmend sagen sowohl Peter Pickel als auch Harry Keller, dass diese beiden in kurzem Abstand hintereinander gewonnenen Titel die "größten Erfolge der Karriere" darstellten. Und sie liefern auch gleich die Begründung, warum es damals beim TuS Nettelstedt so gut und erfolgreich lief. "Wir waren ein echte Mannschaft, die auch abseits der Halle vieles miteinander unternommen hat. Es war selbstverständlich, nach dem Training noch lange zusammenzusitzen und das eine oder andere Bier zu trinken. Wir haben zusammengehalten, das war ein ganz wichtiger Baustein der Erfolge", erklären die beiden unisono.

Hinzu kam eine enge Verbundenheit mit den Anhängern des TuS Nettelstedt. "Als es darum ging, Visa-Anträge für die Fans, die mit nach Rostock wollten, auszufüllen, haben wir das gemacht. Das haben wir als selbstverständlich empfunden, weil wir so phantastisch unterstützt worden sind", sagt Peter Pickel, der sich genau wie Harry Keller sehr gerne an viele lustige Begebenheiten in der Gartenhütte von Ewald Tirre in Nettelstedt erinnert.

Peter Pickel und Harry Keller blieben dem TuS Nettelstedt auch nach Beendigung ihrer Karrieren noch verbunden, und zwar gemeinsam als Spieler der vierten Mannschaft. "Wir haben ganz unten angefangen und sind zweimal hintereinander ohne Verlustpunkt aufgestiegen. Außerdem haben wir bei Heimspielen in der Lübbecker Kreissporthalle den Thekendienst gemacht, auch das war ein großer Spaß", erzählen Pickel und Keller.

Am Ende des lustigen Abends versprechen die beiden, bei den nächsten Unterhaltungen mit weiteren ehemaligen Spielern dabei sein zu wollen. "Diese Zeit vergisst man wahrscheinlich nie. Deshalb gehört es dazu und bereitet außerdem großen Spaß, sich an die Tradition des TuS Nettelstedt zu erinnern", sagen Harry Keller und Peter Pickel.



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