Löhne-Mennighüffen. Diesen Wurf wird Björn Ebert so schnell nicht vergessen: Der Oberliga-Handballer des VfL Mennighüffen ist drei Sekunden vor dem Abpfiff der Partie gegen den ASV Hamm II in doppelter Überzahl von Rechtsaußen komfortabel frei – und setzt den Ball auf die Latte. So bleibt es beim 27:28 (11:12) und dabei, dass der VfL Mennighüffen offenbar zu Hause schlecht gewinnen kann.
Mit dieser erneuten Pleite vor eigenem Publikum sieht die Heimbilanz bescheiden aus: Viermal gewonnen, sechsmal verloren. Dieses Manko könnte dem VfL am Ende der Saison den Kopf kosten. Das sieht auch VfL-Trainer André Torge so. "Wir könnten es so ruhig haben, stehen uns aber selber im Weg. Wenn du zuhause deine Aufgaben nicht erfüllst, hast du in der Oberliga nichts zu suchen", sagt der 37-Jährige und ergänzt: "Ich weiß nur nicht, ob das jeder begriffen hat". Torge hat offensichtlich die Nase voll vom Gerede seiner Spieler, er will Taten sehen und nimmt selbst kein Blatt mehr vor den Mund. "Unsere Leistungsträger haben heute nicht das gebracht, was ich von ihnen erwarte. Da kannst du spielen, wie du willst", wettert der VfL-Coach.
Dass Björn Ebert am Ende die Rolle des Deppen bekommt, hätte aus Sicht der Gäste gar nicht sein müssen. Die Zweitliga-Reserve des ASV Hamm bestimmt, bis auf die Anfangsphase, das Spiel. Kurz vor der Pause führt Hamm schon mit 12:9 und lässt erkennen, dass sie die Fahrt über die Autobahn 2 nicht gemacht haben, um in Mennighüffen Larifari zu spielen. Die körperlich starke und voll funktionsfähige 6:0-Abwehr stellt die Mennighüffener vor arge Probleme. Die VfL’er haben an diesem Tag nicht die fähigen Leute, um dieses Bollwerk zu überlisten. Falco Wieland nicht, Marco Büschenfeld nicht, Björn Ebert nicht, Julian Peitzmeier nicht und auch Guido Klöpper nicht. Der gesamte Rückraum versagt. Timo Kenschner als Alternative fehlt, weil der sich tags zuvor beim Einsatz in der 2.Mannschaft verletzt.
So bleibt nur die Chance, über ein schnell vorgetragenes Spiel zum Erfolg zu kommen. Doch dazu muss man den Ball erst einmal haben. Die Abwehr des VfL, egal in welcher Formation sie auch spielt, hat zu viele Schwachstellen, und im Tor haben Christian Neumann sowie Sebastian Brüggemeyer nicht ihren besten Tag.
Wackelige Torwarte verursachen eine wackelige Abwehr – und umgekehrt. So sieht es beim 20:24 (50.) nach einer deutlichen Schlappe aus. Auch beim 25:28 (59.) deutet nichts auf ein dramatisches Ende hin. Guido Klöpper trifft zum 26:28, Hamm vertendelt den Ball. Nils Gimpel-Henning verwandelt den Tempo-Gegenstoß zum 27:28, und zwanzig Sekunden vor dem Abpfiff kassiert Hamm ein Zeitspiel. Und dann sind noch sechs Sekunden in doppelter Überzahl zu spielen. Die Freiwurfabgabe auf halbrechts leitet Guido Klöpper nach Rechtsaußen weiter. Von dort, ziemlich luxuriös mit Platz versorgt, wirft dann Björn Ebert – und diesen Wurf wird er so schnell nicht vergessen.










