Löhne (ebi). Sie stattete ihrer Familie einen Kurzbesuch ab. Kristin Pudenz, jahrelang das Aushängeschild der Leichtathletik beim TV Löhne-Bahnhof und auch in Ostwestfalen (seit August des vergangenen Jahres ist sie auf einem Sportinternat in Potsdam), hatte einen ganz banalen Grund für den kurzfristigen Trip nach Löhne: Sie braucht einen Reisepass – und es ist auch noch ihr erster.
"Den Reisepass brauche ich für Moskau", sagt Kristin Pudenz. Dorthin reist die 17-Jährige zur kontinentalen Ausscheidung der europäischen U18-Leichtathleten, die alle den selben Traum haben. Sie wollen im August zum Olympischen Festival der weltweiten Jugend nach Singapur reisen. Das bisher emotionalste Erlebnis in ihrer Sportler-Karriere gab es für Kristin Pudenz im Juli des vergangenen Jahres beim Olympischen Festival der europäischen Jugend im finnischen Tampere. Von ihrem ersten internationalen Einsatz seinerzeit kehrte sie mit der Bronzemedaille zurück – und seitdem lässt sie der Traum von Singapur nicht mehr los, wo sie im Diskuswerfen starten würde, wenn es denn klappen sollte mit der Qualifikation in Russland.
"Das wäre natürlich eine Riesensache", sagt Kristin Pudenz. "Aber die Quali wird nicht einfach, denn Shanice Craft vom MTG Mannheim hat die Nase in Deutschland in dieser Altersgruppe vorn." Die dunkelhäutige Athletin hat eine Bestmarke von rund 52 Meter, Kristin Pudenz verbesserte ihre in der Winter-Saison bei den Deutschen U20-Meisterschaften in Halle/Saale um eineinhalb auf 48,30 Meter. "Die besten Sechs in Europa qualifizieren sich für Singapur. Und dann ist die Teilnahme immer noch nicht ganz sicher, fällt erst im Juni eine endgültige Entscheidung", sagt Kristin Pudenz.
Für sie bedeutet das im Klartext: Sie muss erst einmal beste Deutsche sein, und dann unter die besten Sechs in Europa kommen.
Ihre ehemaligen Weggefährten beim TV Löhne-Bahnhof werden der 17-Jährigen im Mai garantiert ganz fest beide Daumen drücken, damit Kristin Pudenz ihren Traum vom dreiwöchigen Aufenthalt in Singapur auch leben zu können. In Potsdam gefällt es ihr gut. "Ich bin vollauf zufrieden. Der Trainer ist super, die Trainingsgruppe ist super und das gesamte Umfeld", sagt sie. Und ihr Vater Rüdiger Pudenz ist noch zusätzlich stolz auf seine Tochter: "Sie hat auch ihren Schnitt in der Schule verbessert. Wir sind sehr zufrieden mit Kristin."










