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10.09.2010
Sie erfüllt sich einen Traum
TRIATHLON: Karin Kütemeier bestreitet ihren ersten Iron Man / Demnächst andere Schwerpunkte

Es ist nicht mehr weit zum Ziel: | FOTO: NW

Köln/Löhne (nw). Es wird demnächst wieder alles etwas ruhiger im Hause Kütemeier in Löhne-Ort, denn die Frau im Haus hat sich am vergangenen Sonntag einen großen Traum erfüllt, der in den zurückliegenden Wochen ihr und ihrer Familie ziemlich viel abverlangt hat. Triathletin Karin Kütemeier bestritt ihren ersten Triathlon über die Langdistanz von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen beim Cologne Triathlon Weekend.

Gleich beim ersten Versuch schaffte sie die Königsdistanz im Triathlon in einer Klassezeit von 11:35:01 Stunden. Und auch zwei Tage später spürt man bei der 44-Jährigen beim Erzählen einen Rest von Adrenalin. Schon kurz vor dem Start um 7 Uhr in der früh erreichte der Adrenalin-Pegel die Höchstmarke, denn unmittelbar bevor sich 700 Athleten auf der Regatta-Strecke des Fühlinger Sees in die Fluten stürzten und mit einem Feuerwerk das Spektakel eröffnet wurde, gab es erst einmal standesgemäß eine live gesungene Nationalhymne. "Ich war so ergriffen, dass ich fast den Start verpasst hätte", sagt Karin Kütemeier.

Auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke kam es dann glücklicherweise nicht zu dem befürchteten Hauen und Stechen. Mit der Spitzengruppe konnte Kütemeier zwar nicht ganz mithalten, aber mit ihrer Schwimmzeit von 1:15 Stunden durfte sie zufrieden sein. Zeitgleich erledigte Ehemann Frank logistische Aufgaben, was gerade bei der Strecke in Köln mit verschiedenen Wechselzonen und vielen gesperrten Straßen gar nicht so einfach war. Trotzdem gelang es ihm immer wieder an verschiedenen Stellen der Strecke Kontakt aufzunehmen und seine Frau vor allem moralisch zu unterstützen. Auch für Zuschauer kann so ein Wettkampf ganz schön anstrengend sein. Ganz schön anstrengend war auch die Radstrecke durch die Kölner Innenstadt. "Sie war zwar nicht besonders schwierig, aber 180 Kilometer sind bei mir vor allem ein Problem im Kopf. Die letzten 30 Kilometer waren besonders schlimm und wollten gar kein Ende nehmen."

Karin Kütemeier erreichte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 30 Km/h nach 6:13 Stunden Fahrzeit die Wechselzone zum Laufen. "Da wusste ich, dass ich es packe." Doch gleich nach dem Start in ihrer stärksten Disziplin musste sie 56 Treppenstufen auf die Deutzer Brücke hoch, die nach der Radstrecke zur Tortour wurden. Die Brücke über den Rhein musste insgesamt acht Mal überwunden werden. "Und sie ist nicht gerade mit einer Werrebrücke zu vergleichen. Das ist schon jedes Mal eine kleine Bergwertung." Trotzdem kam sie in der erstklassigen Zeit von 3:56 Stunden ohne Gehpause über die Marathon-Strecke.
Im Ziel brachen dann alle Dämme. Großer Trubel und grenzenlose Freude über die Gesamtzeit von 11:35:01 Stunden. Das sie bei Gesamtplatz 15 nur um zwei Minuten an einem Podestplatz in ihrer Altersklasse W45 vorbei schrammte, war ihr zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst. Vergessen waren all die Qualen und Entbehrungen in den vergangenen Monaten. Stundenlanges Training und eiserne Disziplin bestimmten nicht nur ihren, sondern auch den Zeitplan der Familie. "Ich habe alle drei Disziplinen immer gleichzeitig trainiert, aber blockweise Schwerpunkte gesetzt. Vom Winter zum Frühjahr im Laufen mit dem Hamburg-Marathon als Abschluss, danach im Frühjahr das Radfahren mit bis zu 400 Kilometern in der Woche in Spitzenzeiten. Die Woche Sommerurlaub auf Mallorca wurde zum Schwimm-Trainingslager, in der ich 24 Kilometer schwamm", erklärt Kütemeier ihr Trainingskonzept.Wieder zuhause in Löhne-Ort kamen zeitgleich mit vielen Glückwünschen auch die ersten Schmerzen. "Treppen gehen und aus dem Sitzen aufstehen geht nicht ganz so flüssig, aber was solls. Die Arbeit wartet." Dass Karin Kütemeier aber immer noch Elan hat, zeigt sich schon am nächsten Wochenende, denn dann geht sie schon wieder mit ihren Teamkolleginnen vom Frauen-Team des SC Aquarius Löhne in der Regionalliga auf Punktejagd. Über die Sprintdistanz von 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Rad fahren und 5 Kilometer Laufen kann sie nur schmunzeln.

Aber danach ist endgültig Schluss mit Triathlon für dieses Jahr. Auch für die Zukunft hat sie angekündigt, es doch ein bisschen ruhiger angehen zu lassen. Denn im Gegensatz zu vielen, die nach so einer Zeit beim ersten Langdistanz-Versuch Blut lecken und weitermachen, um schneller zu werden, ist für Karin Kütemeier das Thema Iron Man beendet. "Auch wenn die Zeit wirklich gut ist, aber für mich stand von vornherein fest, dass das eine einmalige Sache ist. Ich habe allen und vor allem mir selbst bewiesen, dass ich es kann.Vieles ist eindeutig zu kurz gekommen bei 8 bis 15 Stunden Training pro Woche in der über einjährigen Vorbereitungszeit."

Sportlich sollen zukünftig andere Schwerpunkte gesetzt werden. Neben Sprint- und Olypischer Distanz im Triathlon stehen dann Lauf-Wettbewerbe im Vordergrund.


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