FUSSBALL: Als die Spielvereinigung Werste noch zu den ganz großen Adressen der Region gehörte / Endstation war stets die Bezirksliga
VON HANS MILBERG
Bad Oeynhausen. Geradezu Welten trennen den heutigen Fußball-Jahrgang der SV Eidinghausen-Werste von dem, der in den 50er und den 60er Jahren für große Schlagzeilen gesorgt hat. Nur die Fußball-Feinschmecker schnalzen heute noch mit der Zunge, wenn es um die einstigen Größen in dem Verein geht, der seinerzeit für die Schlagzeilen in der heimischen Presse sorgte. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass zu jener Zeit längst nicht so ausführlich über die damals als "Fuß-Lümmelei" bezeichnete Sportart berichtet wurde. Nicht wenige Experten behaupten deshalb auch heute noch, dass viele Kicker von einst ein durchaus höheres Niveau besaßen, als die eigene Mannschaft der Spielklasse zugeordnet war. So musste man sich schon gelegentlich mit den großen Teams der Nation in Freundschaftsspielen messen.
So war es auch 1951, als eine mit Spielern des BV Oeynhausen verstärkte Mannschaft der SVEW im Bad Oeynhausener Stadion an der Leiter in einem Freundschaftsspiel gegen Rot-Weiß Essen antrat und vor mehr als 4.000 Zuschauern mit 2:3 unterlag. Walter Poggemeier, der spätere Fußballobmann der SVEW, sowie der legendäre Franz Platte waren die Torschützen. Schon ein Jahr zuvor spielte eine Kombination von SVEW, TSG Rehme, BVO und Arminia Vlotho gegen den 1. FC Kaiserslautern und verlor mit 2:8, wobei abermals Franz Platte ins Schwarze traf. Schiedsrichter war der gebürtige Wuppertaler und spätere Gohfelder Erich Kormannshaus, der ein paar Monate danach in Berlin das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem VfB Stuttgart und den Offenbacher Kickers leitete.
Aber angefangen hatte alles nach dem zweiten Weltkrieg im Januar 1946, als die Stadt noch besetzt war und der für die SV Werste berufene Sportbeauftragte Otto Puls an die Militärregierung mitteilte, dass noch folgende Sportgeräte zur Verfügung stehen: ein Turnreck, ein Barren, eine Matte, eine Fußballpumpe, ein Torwarttrikot mit Hose und sieben blaue Trikots mit Stutzen, ein Koffer, sowie 7,15 Mark Bargeld und ein Sparguthaben von 135, 65 Mark.
Denkwürdiges im Januar 1956
Bei der SV Eidinghausen-Werste, die 1948 nach einer Fusion aus den Vereinen TuS Eidinghausen und SV Werste hervorging, hatte man sich in den folgenden Jahren auch große Ziele gesetzt. Aber höher als die Bezirksliga ging es trotz großer Anstrengungen für die "Vereinigten" nie.
Ein denkwürdiges Spiel gab es im Januar 1956, als man den TuS Ovenstädt mit 16:1 abfertigte. Zum Aufgebot zählten damals Günter Brockmeier, Manfred Dockweiler, Martin Sturhan, Hans Müller, Heiner Güse, Willi Sundermeier, Karl Hellemann, Franz Platte, Adolf Rieswick, Ernst Marks, sowie Günter Hanns.
Unter großem "Hallo" und den "schmissigen Weisen" der Werster Feuerwehrkapelle, sowie der von den mehr als 2.000 Fans mitgebrachten Lärminstrumenten gab es im November das Ortsderby gegen den BV Oeynhausen, das die SVEW mit 4:1 für sich entscheiden konnte. Gerhard Winkelmann, seit nunmehr 64 Jahren Mitglied und langjähriger Jugendleiter und Entdecker vieler Talente, erinnert sich genau: "Ortsderbys waren damals noch wahre Volksfeste."
Konkurrenz kam zur Aufstiegsfeier
Eine neue Generation reifte bei den Blau-Weißen Mitte der 60er Jahre heran. Unter Trainer Günther Ehrler, der später den SC Herford managte und mit dem Verein in die 2. Bundesliga aufstieg, sowie Obmann Walter Poggemeier, schaffte man 1966 nach einigen Auf- und Abstiegen erneut den Sprung in die Bezirksklasse. Eine ganze Fußball-Gemeinde nahm am Geschehen teil und selbst die Bad Oeynhausener Konkurrenz kam zur Aufstiegsfeier. Walter Bednarek und Heinz Luther, sowie zahlreiche Spieler vertraten beispielsweise den BV Oeynhausen. Die Aufstiegsmannschaft mit Lothar Johanning, Rüdiger Freimuth, Rolf Zinngrebe, Willi Reuter, Hartmut Vogt, Wilfried Gerdschwager, Jochen Althoff, Werner Ruschmeyer, Helmut Pahmeier, die Brüder Horst und Harald Nowack, Heinz Brinkmann, Karl Hellemann, Günter Liliensiek, Willi Thielking und Kurt Hellweg mussten viele Hände schütteln. Zu den Gratulanten zählten auch die ehemaligen Trainer Horst Gamon aus Herford und Erich Huse aus Obernbeck. Drei Jahre später musste man die Spielklasse wieder verlassen.
Viele Hände musste auch Lothar Johanning schütteln, der, gewandt wie eine Katze und eine "Rakete" auf der Torlinie, zu den besten Torstehern in Ostwestfalen gehörte und als Jugendlicher in die Westfalenauswahl berufen wurde, bestritt mit der Auswahl mehrere Spiele im Fußball-Mutterland England. Der damals knapp 25-Jährige erwarb 1969 in der niedersächsischen Sportschule Barsinghausen als bis dahin jüngster Trainer der Bundesrepublik mit einer Sondergenehmigung die Trainer-A-Lizenz und wird später noch Fußball-Lehrer und tritt eine Trainerstelle beim FC Gohfeld an.
Lothar Johanning war zu jener Zeit nur einer der zahlreichen "Helden" bei der SVEW, die sich auch überregional einen Namen machten. Spieler wie Franz Platte, Karl Hellemann, heiner Güse Werner Ruschmeyer oder Harald "Harry" Wehmeier waren auch andernorts begehrte Kicker. Für den nötigen Nachschub aus der Jugend in den Seniorenbereich sorgten nicht zuletzt Gerhard Winkelmann im Team mit Karl-Heinz Koch, Heiner Güse oder später Reiner Böker, die in den vielen Jahren viele Talente "an Land" ziehen konnten.
Altliga wird Staffelsieger
1973 feierte man bei der SVEW "Silbernes Jubiläum", aber die großen Erfolge blieben zum 25. Geburtstag aus. Ein Novum gab es drei Jahre später, als die komplette Altliga in der 3. Kreisklasse als dritte Mannschaft an den Start geht und unangefochten mit 46:2 Punkten und einem Torverhältnis von 151:11 Staffelsieger wurde. Gleichzeitig schrillten im Verein die Alarmglocken, denn von den erforderlichen fünf Schiedsrichtern konnte man nur einen anbieten. Dafür konnte in Werste ein zweiter Rasenplatz seiner Bestimmung übergeben werden.Nach der Eintragung in das Bad Oeynhausener Vereinsregister gelang unter dem Hausberger Trainer Musilak der "Ersten" 1981 in der Besetzung Helmut Pahmeyer, Stefan Stoikovic, Volker Petersmeyer, Burkhard Heitkamp, Ingo Heinrichsmeyer, Günter Gärtner, Gerhard Bögner, Carsten Schöning, Jeschny, Volker Kreth und Benner die Meisterschaft in der B-Liga und den Sprung in die A-Liga.
Es folgen Jahre, die man nicht immer in einem Verein erleben möchte. Vorsitzende kamen und gingen. Auf Uwe Vahle folgte sein Namensvetter Dieter, ehe die Ära "Erwin Sowa" begann, der in der Folge noch dreimal gewählt wurde. Mit ihm als Präsident und Hartmut Vogt als Trainer, stieg man 1995 wieder in die Bezirksliga auf, ehe Sowa den Stab an Christoph Rodinger übergab. Nach weiteren zwei Jahren übernahm Martin Schlüter die Vereinsführung, ehe Manfred Busekrus und Tony Rainforth folgten. Letzterer steht auch heute noch dem Verein vor, der mittlerweile etwa 400 Mitglieder zählt.
Landesliga eine Nummer zu groß
Ähnlich war es auf der Trainerposition: Auf Albert Musilak folgten Werner Schwemling und Wilfried Horst, ehe Hartmut Vogt und Thomas Kummer mit wechselnden Erfolgen aufwarten konnten. Seit Jahren hatte man auf einen ganz großen Sprung gehofft, aber die Landesliga war einfach eine Nummer zu groß. Stets war in der Bezirksklasse Endstation.
Heute spielt die SVEW eine durchaus geordnete Rolle in der Kreisliga Minden A, aber an einen erneuten Wiederaufstieg ist auch vorläufig nicht zu denken, auch wenn sich die Mannschaft 2009/2010 unter der Trainingsleitung des umsichtigen Stefan Radert die allergrößte Mühe gibt. Die Zeiten sind eben ganz anders geworden. Die Mannschaft mit den großen Namen kennen viele der heutigen Spieler lediglich noch, wenn sie einen Blick in die Vereins-Chronik werfen, dann werden Namen wie Platte, Hellemann, Ruschmeyer, Güse oder Wehmeier wieder gegenwärtig. Aber an diese ganz großen Zeiten können sich nur noch die Fußball-Fachleute erinnern.
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