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12.06.2010
ZURÜCKGEBLÄTTERT
Keine Lobby für die "Holzwürmer"
Wie sich beim TuS Bad Oeynhausen Baseball entwickelt und nach nur fünf Jahren wieder in der Versenkung verschwindet
VON HANS MILBERG

Volles Haus | FOTO: NW

Bad Oeynhausen. Fußball, Turnen und Tischtennis. Diese Abteilungen standen beim TuS Bad Oeynhausen über Jahrzehnte im Mittelpunkt. Dies sollte sich aber Anfang der 90er Jahre ändern, denn drei "Vereins-Exoten" kamen auf die Idee, einmal etwas Neues auszuprobieren. Torsten Roman Jacke, Schiedsrichter und Fußballer aus der dritten Mannschaft, Oliver Koch und Andreas Christalla wollten am Westerfeld eine Baseballabteilung ins Leben rufen.

"Baseball – Was ist das und wie geht das", fragten sich damals die Verantwortlichen beim TuS Bad Oeynhausen um den damaligen Vorsitzenden  Walter Krüger, der dem "Neuen" nicht unbedingt aufgeschlossen schien. Die Gründung einer Baseballabteilung stieß lange Zeit auf taube Ohren, viele Vorbehalte mussten ausgeräumt werden. Im November 1991 informierte Jacke in einer Pressemeldung die Öffentlichkeit über das Vorhaben. Jacke, Koch und Christalla standen zu diesem Zeitpunkt längst nicht allein, denn rund 40 Interessenten hatte man um sich gescharrt und  mit dieser geballten Ladung  sollte Anfang 1992 die Idee umgesetzt werden. Jacke hatte inzwischen Kontakt zu dem Bremer Vorortclub Red Falcons vom TV Falkenberg aufgenommen, dessen Vorsitzende, die später in Bad Oeynhausen Einblicke in das eigene Vereinsleben vermittelte, hatte Jacke zuvor kennen gelernt,.

Im Vereinslokal "Kühler Born" herrschte im Februar große Euphorie, als trotz aller Vorbehalte und vieler nicht beantworteter Fragen die Gründungsversammlung auf dem Programm stand. Inzwischen hatte man auch beim TuS Oeynhausen – dank der umsichtigen Ulla Taubenheim – umgedacht und die Idee unterstützt. Fragen der Finanzierung und die Frage nach dem Spielort stellten sich auch noch. "Wir sind bei Null angefangen, hatten weder Trikots, und Fanghandschuhe, noch Helme und Schläger", berichtet Jacke heute, fast 20 Jahre danach. Aber all das haben die Spieler aus der eigenen Tasche bezahlt. Auch einen Namen hatte man sich inzwischen zugelegt. Da mit einem hölzernen Schlagstock gespielt wurde, war es keine Frage mehr, die "Woodworms" (Die "Holzwürmer") waren geboren. Und schließlich gab es mit dem Sportplatz an der Westerfeldstraße auch noch eine ideale Spielfläche.

Aber noch immer gab es hier und da gewisse Vorbehalte und ein geteiltes Echo aus dem eigenen Verein und aus politischen Kreisen, aber die Jacke, Koch und Co. hatten sich vorgenommen in einem weiteren Gespräch die "Schädlingsbekämpfer" aus dem eigenen Verein und aus politischen Kreisen mit Gesprächen zu überzeugen. Aufhalten konnte die "Holzwürmer" danach keiner mehr.
Das Kreisliga-Team der Woodworms 1993

Am 6. September 1992 kam es dann nicht nur zu einem sportlichen und politischen Ereignis, sondern alles was Rang und Namen hatte, kam zum ersten Auftritt der Woodworms. Mehr als 300 Fans auf dem Platz, rund 50 standen draußen hinter der grünen Hecke, um vielleicht nicht erkannt zu werden, weil sie diese Sportart im Vorfeld nicht gerade positiv begleitet hatten. Den TV Falkenberg hatte man sich als Gegner ausgesucht und es war allen klar, dass man im ersten Spiel noch Leergeld bezahlen muss.

In einem dreistündigen Spiel über fünf "Innings" (so wird der jeweilige Spielabschnitt genannt) verloren die "Holzwürmer" um Headcoach Torsten Roman Jacke deutlich mit 4:16. Selbst der damalige Bad Oeynhausener Stadtdirektor Klaus Walter Kröll war danach überzeugt. "Es war ein gutes Spiel", wobei die Woodworms nach und trotz der Niederlage mit viel Applaus bedacht wurden. In Reihen der Gastgeber agierte mit Daniel Blackburn ein ehemaliger Semi-Profi aus Florida und als der dann auch noch einen "Home-run" (wenn ein Batter/Schlagmann den Ball über den Außenzaun hinweg schlägt) gelang, war die Begeisterung groß. Die weiteren Punkte für die Woodworms besorgten Frank Menge und Sven Stallmann und mit dieser Mannschaft wurde die Meisterschafts-Generalprobe bestritten: Markus Lauerwald (Catcher), Axel Petersen (Pitcher), Daniel Blackburn (Ersatzpitcher), Lars Sudenkamp (First Baseman 1b), Sven Wiesiollek (2b), Thorsten Wessel (3b), Sven Stallmann (Left Fielder), Burkhard Zein (Center Fielder), Frank Menge (Right Fielder), Michael Witt (Short Stop). Auswechselspieler waren Oliver Koch, Sascha Büren und Mirko Utke.

Der Anfang war also gemacht und nachdem die Spielgenehmigung durch den Deutschen Baseball und Softball-Verband eingegangen war, konnten die "Holzwürmer"  1993 endlich an den Start um Punkte gehen. Gleich die erste Saison in der Kreisliga brachte unverhoffte Erfolge für die Mannschaft um Headcoach Jacke, denn trotz erheblicher Gegenwehr in der neuen Umgebung stand nach den beiden letzten Siegen gegen die Lemgo Wizzards (14:11) und Nightshift Pitchers aus Bad Salzuflen (9:7). Von insgesamt 14 Spielen gingen nur zwei verloren, womit schon nach der ersten Saison der Aufstieg in die Bezirksliga geschafft war.

Es folgten drei mehr oder weniger durchschnittliche Jahre in der Bezirksliga. 1994  gab es einen weiteren sportlichen Höhepunkt, als man im Herbst im Pokal-Halbfinale von Nordrhein-Westfalen stand. Inzwischen konnte mit vielen Schwierigkeiten eine Frauenmannschaft aufgebaut werden, die in der Softball-Liga an den Start ging.

Längst mussten die Woodworms in den anderen Bad Oeynhausener Stadtteil umziehen. Vom Westerfeld ging es auf den Aschenplatz ins Schulzentrum Nord und zunehmend wurden wieder kritische Stimmen gegen diese "exotische" Sportart laut.

Mehrere Spieler (Bünde Berserker) und auch der erfolgreiche Headcoach Jacke (Bad Salzuflen) hatten sich inzwischen anderweitig orientiert, so langsam schienen die Baseball-Lichter in der Südstadt auszugehen."Unsere sportlichen Möglichkeiten waren damals sehr begrenzt", weiß Axel Pütker-Nickol heute zu berichten, zumal die Baseballer weiterhin als eine Konkurrenz zu der eigenen Fußballabteilung angesehen wurde.

Das langjährige TuS-Mitglied und heutige Vorsitzende Roger Römling versuchte im Herbst 1997 zu retten, was noch zu retten war. Der Rechtsanwalt versuchte es mit Integration, aber alle Bemühungen scheiterten. Das Baseball-Abenteuer war beendet, die Lebensdauer der "Holzwürmer" war nach exakt fünf Jahren beendet, ein Kapitel war abgeschlossen.

Zum Abschied gab es noch einmal ein großes Fest zu feiern. "Fünf Jahre Baseball beim TuS Bad Oeynhausen", aber zu diesem Zeitpunkt hatten sich ohnehin schon viele Spieler dem Verein abgewendet. Einer der letzten Getreuen, die am Westerfeld das Licht löschten, war Axel Pütker-Nickol. "Es war schon ein wenig Wehmut dabei, aber es war damals wie am Spieltisch" – ,Rie ne va plus’ – Nichts geht mehr", meinte Pütker-Nickol, der heute seinen Dienst bei der Stadtverwaltung Bad Oeynhausen verrichtet, während der Ideengeber Torsten Roman Jacke als Webdesigner in Löhne unterwegs ist. Mit Baseball haben sie längst nichts mehr am Hut.
Volles Haus: Der Ansturm war schon gewaltig beim Gründungstreffen der ersten Baseballmannschaft der Region im Vereinslokal "Kühler Born". Mehr als dreißig Sportbegeisterte fanden sich ein und zeigten großes Interesse an der amerikanischen Sportart.


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