RRC "Zur Höhe" Lohe wird 1924 gegründet / Viele Jahre erfolgreich Radball gespielt
VON HANS MILBERG
Bad Oeynhausen. Wenn im November in der Stuttgarter Porsche-Arena die Weltmeisterschaften in einer hierzulande fast "ausgestorbenen" Sportart ausgetragen werden, dann wird man auch beim Bad Oeynhausener Rad- und Rollschuhclub (RRC) Lohe einen Blick ins Ländle werfen. Denn in der schwäbischen Metropole werden die Welt-Titelkämpfe im Hallenradsport ausgetragen. Neben dem Kunstradfahren wird auch der Radball seinen neuen Weltmeister suchen, den die Schweiz verteidigt. Die Eidgenossen sind ohnehin schon seit Jahrzehnten neben Österreich, der Tschechischen Republik und natürlich Deutschland die großen Favoriten, obwohl inzwischen auch Asiens Hallen-Radsportler Ansprüche auf den Weltmeistertitel angemeldet haben.
Aber in Europa setzt man wieder auf die traditionellen Sieger-Länder, die bisher die Titel im Radball unter sich ausmachen konnten. Unvergessen sind in Deutschland die WM-Siege der Zwillingsbrüder Pensel (Kulmbach), King (Lauterbach), Pfaffenberger (Sangerhausen), Buchholz (Lauterbach) oder den lippischen Zwillingen Andreas und Thomas Steinmeier aus Lemgo-Lieme. Alle wurden aber noch von den 20-fachen Weltmeistern Jan und Jindrich Pospisil aus der Tschechoslowakei übertroffen.
Radball hatte über viele Jahre in Bad Oeynhausen eine lange Tradition, denn neben Lohe wurde auch in Rehme (mit Walter Klocke und Karl Schürmann) und Dehme das Ballspiel auf dem Spezialrad ohne Bremsen und Freilauf mit dem speziellen Lenker und der waagerechten Sattelstütze, sowie dem Stoffball gefüllt mir Rosshaar betrieben. Man schrieb das Jahr 1924, als auf der Lohe der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bund (ARKB) von Wilhelm Meierjohann, Wilhelm Wehmeier, Ernst Steinmann, Willi Göhner und Wilhelm Sundermeier gegründet wurde. Rund 30 Mitglieder wurden damals beim ARKB gezählt, der schon 1934 aufgelöst wurde, nachdem im Mai 1933 alle Sportgeräte vom NS-Regime beschlagnahmt wurden.
Aber nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Spiel- und Sportbetrieb wieder aufgenommen. Fritz Selberg und Karl Goedeke zählten zu denen, die den Loher Radsport um 1949 wieder salonfähig machen wollten. Zudem bauten unter anderem Erich König, Ilse Kracht und Harald Dräseke die Kunstrad- und die Geschwisterpaare Pönnighaus und Sander die Reigenabteilung auf. Auch wurde das Interesse für das Radballspiel wieder entdeckt. Herbert Lindner, der, wie sich der langjährige Vorsitzende Karl-Heinz Goedeke und Ernst Dieter Schäffer noch heute erinnern, brachte aus Ostdeutschland die erste "Saalmaschine" mit. Herbert Lindner und Heinz Pönnighaus holten dabei die ersten Titel auf die Loher "Höhe", so auch den "Preis der Meisterwerke", der in Bielefeld-Brackwede ausgespielt wurde. Trainiert wurde damals im Vereinslokal "Zur Höhe". Danach wechselte man ins Gemeindehaus und bezog später zwei Klassenräume in der alten Loher Schule.Unbeirrt gingen die Loher Radballer ihre eigenen Wege. Längst war aus dem ARKB der RRC Lohe geworden und der Punktspielbetrieb wieder aufgenommen, der damals noch beim Rad- und Kraftfahrer-Bund Solidarität organisiert war, aber später in den Bund Deutscher Radfahrer aufging. 1957 gab es einen weiteren Erfolg zu verzeichnen. Hans-Jürgen Friedrichsmeier und Karl-Heinz Goedeke qualifizierten sich bei den Bezirksmeisterschaften der Jugendlichen in Löhne für die Deutsche Meisterschaft, die im "Kurfürstlichen Schloss" zu Main ausgetragen wurde. Die Loher kehrten mit einem hervorragenden dritten Platz nach Bad Oeynhausen zurück. Die Reise wurde damals in einem alten Dreirad-Lieferwagen angetreten und man wohnte bei Gastfamilien und nicht etwa in Luxus-Herbergen. "Es waren damals regelrechte Abenteuerfahrten zu den Auswärtsspielen und Turnieren", erinnert sich Karl-Heinz Goedeke.
In die Fußstapfen der Lindner, Goedeke und Co. traten dann die Brüder Rolf und Bodo Meinert, die sich im Juni 1971 als Jugendliche für die Deutsche Meisterschaft in Wiesbaden qualifizieren konnten, wo sie einen beachtlichen 7. Platz feierten. Groß gefeiert werden konnte dann 1974, als man zunächst im Mai im Rahmen des Loher Gemeinschaftsfestes und im September bei einem Sportnachmittag den 50. Geburtstag beging. In diesem Jahr setzten die beiden Seniorenteams den Erfolgsstempel auf. Karl-Heinz Goedeke mit seinem Partner Jürgen Frühling, sowie Günter Uhemeier und Günter Kroll landeten bei den NRW-Landesmeisterschaften auf den Plätzen drei und fünf. Insgesamt zehn Mannschaften (acht Senioren, sowie zwei Jugend- und Schülermannschaften) waren seinerzeit im Spielbetrieb.
Nicht viel nach standen in jenen Jahren die Loher Rollschuhläufer ihren Kollegen auf dem Rad. Da feierten auch die Geschwister Ellen und Ralf Schäffer, Gabriele Wagner oder Angela Wököck tolle Erfolge, wobei Ellen und Ralf Schäffer 1975 deutsche Vizemeister und Ralf im Einzel "Gold" holte. Mit weniger Metall musste man sich in den weiteren Jahren im Radball zufrieden geben. Immerhin stellte man für einige Zeit eine Mannschaft in der Oberliga und mehrere Teams agierten in den unteren Spielklassen, wie Verbands- und Landesliga. Es waren stets erbitterte Kämpfe in der ostwestfälischen Spielklasse, denn die Konkurrenzklubs aus Niedermehnen, Bünde-Holsen, Oelde, Steinhagen, Espelkamp, Lemgo-Lieme oder Leeden waren oft spannend und sehenswert. Rolf und Bodo Meinert gaben in diesen Jahren weiterhin beim RRC Lohe den Ton an, aber auch die anderen Teams mit Jürgen Demberg/Christoph Grewe, Peter Campe/Frank Hupe und Stefan Niedernolte/Ralf Stettin wussten zu gefallen, wobei Niedernolte später mit Frank Müller ein hoffnungsvolles Nachwuchsteam bildete.
Alle Bemühungen und Versuche, den Nachwuchs an den Loher Radsport zu binden, scheiterten und gegen Ende der 80er Jahre wurde es dann ruhiger um den Radballsport. Frank Müller, Teampartner von Stefan Niedernolte, wechselte die Sportart und "schlägt" fortan für den 1. SC Bad Oeynhausen an der "Grünen Platte" auf. Und auch sonst waren es in der Folge nur noch einige Wenige, die den Kampf um Titel, Aufstiege und Meisterschaften antreten wollten. Abschreckend waren offensichtlich die weiten Fahrten ins Ruhrgebiet, Münsterland oder Südwestfalen und zudem war es auch harte Trainingsarbeit, die geleistet werden musste, um sich in dieser Sportart einigermaßen zu behaupten. So blieb es nicht aus, dass der Aufstieg in die Verbandsliga der beiden Teams Rolf und Bodo Meinert, sowie Stefan Niedernolte und Frank Müller im April 1988 einer der letzten großen Erfolge der Loher Radballer war. Mit dem Abstieg der beiden Mannschaften in den folgenden Jahren endete das lange Radballkapitel beim RRC Lohe. Ein letzter Aufruf auf der Jahreshauptversammlung im Februar 1998 junge Spieler für die Radballabteilung zu gewinnen, war ergebnislos. Dafür rücken aber weiterhin die Loher Rollkunstläufer in den überregionalen Blickpunkt des Geschehens und sind bis heute regelmäßig in den Siegerlisten zu finden.
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