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15.12.2010
ZURÜCKGEBLÄTTERT
Wie der Club aus dem christlichen Schatten tritt
Vom CVJM über den HC zum HCE Bad Oeynhausen / Meistertrainer "Ötte" Reimler schlägt einen Lebensvertrag aus
VON HANS MILBERG

Blumen für den Bezirksliga-Meister 1988 | FOTOS: NW

Bad Oeynhausen. Der 7. Mai 1982 war für die Handballer aus dem Bad Oeynhausener Stadtteil Eidinghausen ein historischer Tag, denn an jenem Abend gab es für viele Handballer einen nicht für alle Mitglieder nachvollziehbaren Einschnitt, denn aus dem CVJM Eidinghausen, dessen Wurzeln bereits im Jahr 1881 zu finden sind, wurde im Versammlungsraum der Volksbank an der Eidinghausener Straße der HC Eidinghausen.

Es musste schon eine ganze Menge Vorarbeit geleistet werden, um zu dem Ergebnis zu kommen, das am 7. Mai erzielt wurde, denn – wie immer, wenn es um die Veränderung eines Vereinsnamens geht – können sich nicht alle Vereinsmitglieder einverstanden erklären. So war es auch damals, als sich die Handball-Abteilung komplett aus dem CVJM löste, womit für den CVJM auch ein Stück "Sportgeschichte" endete.

Noch heute erinnert sich Vereinschronist Manfred Brune an den 26. April, also wenige Tage vor der Gründungsversammlung, als es zur Unterzeichnung der "Vereinbarung zur Trennung in beiderseitigem Einvernehmen" kam und besonders an die verschiedenen Standpunkte, wobei es gelegentlich auch schon einmal "laut" wurde.

Mit Sponsoring zum Leistungssport

Eines der Ziele der sportlichen Konzentration war nicht nur das Sinnbild der Eigenständigkeit, sondern auch das Einbinden von Sponsoren, die dem Eidinghausener Handballsport auch den Weg zu einer finanziellen Grundlage zum Leistungssport ebnen sollte. Und noch ein Aspekt wurde ins Feld geführt, denn zahlreiche Handball-Talente hatten Wechselabsichten zu den benachbarten Traditionsklubs geäußert.

Ehre, wem Ehre gebührt

Verständlich auch, dass nicht alle Mitglieder diesen Weg der Trennung mitgehen wollten. Vor allen nicht die, die sich für den Erhalt des CVJM ausgesprochen hatten. Schließlich war der Verein auch unter der "alten Flagge" nicht ganz unerfolgreich, wobei sich der CVJM erst 1970 vom ehemaligen "Eichenkreuz-Sportverband" verabschiedete und sich dem Deutschen Handball-Bund (DHB) anschloss.

Immerhin schafften die CVJM-Handballer in dieser Zeit den Sprung in die Landesliga. Aber schon damals waren der Leistungssport einerseits und der Aspekt der christlichen Werte andererseits zu unterschiedlich, so dass es immer wieder zu Diskussionen und zu unterschiedlichen Auffassungen kam.

Jugend-Mannschaft als Herzstück

Zum "Herzstück" des Eidinghausener Handballs zählte seinerzeit in erster Linie die sehr erfolgreiche Jugend-Mannschaft, die 1968 den Titel der Westbundmeisterschaft im Eichenkreuz-Sport holte. Manfred Brune, der 1965 von Dieter Büssing die Verantwortung der Handball-Abteilung übernahm, hatte damals eine Mannschaft präsentiert, die zum Teil auch heute – mehr als 40 Jahre danach – noch dem Eidinghausener Handballsport verbunden ist.Namen wie Walter Bernsmeier, Gerhard Krone, Karl-Heinz Stühmeier, Rolf Wilkening, Wolfgang Vette, Dieter Pützfeld, Werner Schröder, Kurt Wilberg, Gerhard Riepe, Bernhard Biber, Dieter Schröder und Trainer Lothar Kraft sorgten seinerzeit für den westdeutschen Westbund-Titel.

Die erfolgreiche A-Jugend von 1968

Viele dieser Spieler saßen auch 1982 an den Tischen in der Volksbank, als der HCE gegründet wurde. Insgesamt waren es 57 Handball interessierte, die sich einfanden. Unter den Gästen waren auch Gerhard Künsting, Vorsitzender des CVJM Eidinghausen, der als Zeichen der Verbundenheit beider Vereine dem neuen Vorsitzenden Manfred Brune einen Handball überreichte, sowie Karl-Heinz Büsching als Vertreter des Kreissportbundes Minden-Lübbecke, der die Versammlung leitete. Nach einer intensiven Vorbereitung der Arbeitsgruppe um Walter Bernsmeier, Manfred Brune, Manfred Möhlmann, Kurt Hauptmeier und Volker Schemel war der neue Vereinsname HCE schnell gefunden und eine neue Vereinssatzung verabschiedet.

350 Gäste beim Gründungsfest

Der erste Vorstand hatte 1982 unter dem neuen Vorsitzenden Manfred Brune folgendes Aussehen: Dieter Pützfeld (stellvertretender Vorsitzender), Walter Bernsmeier (Werbung), Willi Krone (Spielwart), Hans-Peter Risse (Öffentlichkeitswart), Günter Südmersen (Kassierer), Reinhard Korsmeier (Sozialwart), Wilfried Blöbaum (Geschäftsführer), Ulla Windhagen (Frauensport) und Gerhard Grabbe (Breiten- und Freizeitsport). Bereits vier Wochen nach der Gründung gab es schon die erste Sportwerbewoche auf dem Sportplatz am Wasserschloss Ovelgönne. Sie wurde mit 700 Aktiven bei großer Hitze zu einem Riesenerfolg.

Mit neuem Vorstand 1984 in ein neues Zeitalter

Am 6. Juni wurde im Festzelt am Sportplatz das Gründungsfest gefeiert. Mit 350 Gästen, darunter Bürgermeister-Stellvertreter Günter Backs und die Vertreter der benachbarten Vereine wie Helga Brinkmann (TuS Eidinghausen), Gerhard Bernsmeier (SV Eidinghausen-Werste), Gerhard Wöbkemeier (CVJM Eidinghausen), Karl-Heinz Galle (HV Wöhren) und der Stadtsportverbands-Vorsitzende Günther Berk (MTV Bad Oeynhausen).

Im Dezember 1982 hatte der HCE bereits 209 Mitglieder, davon 89 Jugendliche. Inzwischen hatten sich eine Frauen-Gymnastikgruppe unter Elisabeth Krüger und eine Wandergruppe unter Gerd Grabbe etabliert. Letztere wurde 1987 wieder aufgelöst. Das Vereinsleben pulsiert weiter. Im Verein ließ man kaum eine Feier aus, Sportfeste wurden stets "GROSS" geschrieben. Jugendwart Hans-Peter Risse berichtet in der Jahresbilanz 1984: "In der Jugend-Abteilung hatten wir noch nie so eine breite Spitze wie im Augenblick."

Neues Handballzeitalter dank "Ötte" Reimler

Einen sportlichen Tiefpunkt gab es im April/Mai 1985 mit dem Abstieg der "Ersten" aus der Bezirksliga in die 1. Kreisliga. Ex-Bundesliga-Frauentrainer Heinz Brockmeier (TV Stemmer und TuS Nettelstedt) wurde danach verpflichtet und bereits ein Jahr danach kehrte der HCE zurück in die Landesliga. Ein Großereignis gab es im Februar 1987 mit dem Freundschaftsspiel zwischen den beiden Bundesligisten TuS Nettelstedt (2. Liga) und VfL Hameln (1. Liga). Im Trikot des TuS Nettelstedt war auch Eidinghausens Nachwuchstalent Stefan Windhagen.Gefeiert werden durfte schon in der Saison 1985/86. Unter dem neuen Trainer Willi Kleine (er kam vom TSV Rothenuffeln) stieg die "Erste" erneut in die Landesliga auf. Für Torhüter Michael Meynert nur eine Art "Durchgangsstation", denn nicht nur sein Ziel sollte die Verbandsliga sein. Nach dem erneuten Abstieg in die Bezirksliga übernahm Wilfried Blöbaum den Vereinsvorsitz und mit Beginn der Saison 1992/93 kam der Hiller Otfried "Ötte" Reimler zum HCE, mit dem es als Spielertrainer wieder aufwärts ging. Und wie: Am Ende der Saison stand der Wiederaufstieg und schon ein Jahr danach der Sprung in die Verbandsliga.

Ein Traum wurde wahr und Reimler war der erste Trainer, der es schaffte, mit dem HCE zweimal aufzusteigen, womit in Eidinghausen ein neues Handball-Zeitalter eingeläutet wurde. Obwohl Urgestein Wilfried Blöbaum dem Meister-Trainer einen Vertrag auf Lebenszeit anbot, ging Reimler wieder zurück zu seinem Stammverein TV Hille. Neben Reimler waren diese Spieler am bis dahin größten Vereinserfolg beteiligt: Die Torhüter Thomas Witte und Axel Binkmann, sowie die Feldspieler Markus Klamor, Gerald Kummer, Tjabo Reuter, Torsten und Stephan Butenuth, Stefan Windhagen, Dirk Fliege, Matthias Zelle und Jens Hörentrup.

"Mit neuem Namen zu neuen Ufern"

Ex-Vorsitzender Manfred Brune erhielt 1996 erneut das Vertrauen bei der Wahl des "Präsidenten" und abermals wurde der Vereinsname geändert: Aus dem HC Eidinghausen wurde nun der HCE Bad Oeynhausen. Kommentar in der Neuen Westfälischen: "Alter" Manfred Brune führt "Neuen" HCE Bad Oeynhausen und der Wettbewerber schrieb: "Mit neuem Namen zu neuen Ufern." Aber dies wird ein Thema in einer der nächsten Ausgaben sein.


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