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08.02.2011
ZURÜCKGEBLÄTTERT
Mit preußischer Disziplin zum Aufstieg
Wie die TSG Rehme vor 36 Jahren in Gohfeld vor 3.000 Zuschauern die Bezirksligameisterschaft holte
VON HANS MILBERG

Die Aufstiegsmannschaft der TSG Rehme | FOTO: NW

Bad Oeynhausen/Rehme. 7. Juni 1975. Ein Samstag. Es ist exakt 18.51 Uhr. Diesen Tag wird man bei der TSG Rehme wohl nie vergessen. Die Fußballer der Turn- und Sport-Gemeinschaft hat gerade den Aufstieg aus der Bezirksliga in die Landesliga geschafft. Damals hinter der 1. und 2. Bundesliga, sowie der Regional- und der Verbandsliga die fünfthöchste deutsche Spielklasse. Wahnsinn!

Aufstieg in die Landesliga, Höhepunkt und zugleich auch Endstation einer langen und am Ende auch erfolgreichen Fußballsaison. Die TSG jubelt, ganz Rehme ist aus dem Häuschen. Wer es noch nicht wusste, der konnte es tags darauf auf dem Bürgersteig vor dem Vereinslokal "Eschentor" in roter Schrift nachlesen: Die TSG ist neuer Landesligist!

Punktgleich gingen beide Mannschaften ins Bezirksklassen-Ziel: der VfL Holsen und die TSG Rehme. Und weil man gleichauf war, musste ein Entscheidungsspiel den Aufsteiger in die Landesliga ermitteln. Schon vor dem Anpfiff gab es reichlich Stress um den Austragungsort. Der VfL Holsen wollte in Herford oder auf dem ehemaligen Löhner Sportplatz an der Brunnenstraße spielen, die Rehmer favorisierten die Löhner Plätze am Drosselhain oder Mittelbach. Schließlich traf Staffelleiter Oskar Rossa die Entscheidung: es wird am Mittelbach gespielt, zumal am Drosselhain zeitgleich ein Altherren-Sportfest stattfand. Mehr als 3.000 Zuschauer fanden sich bei bestem Fußballwetter in Gohfeld ein, die ihr Kommen, insofern die aus Rehme kamen, nicht bereuen mussten.

Mit 4:2 (2:2) setzten sich die "Insulaner" gegen die Mannschaft aus dem Bünder Vorort durch, der als leichter Favorit in dieses Spiel ging, zumal bei der TSG Torsteher Wilfried Schrader (Urlaub) und der "Abräumer" Detlef Johannpeter (Krank) fehlten.

Aber auch ohne die beiden Stammspieler rollte der TSG-Express. Uwe Thies besorgte nach 19 Minuten unter dem großen Jubel des Rehmer Anhangs das 1:0, ehe die beiden Engländer im Holser Trikot den Spieß zum 1:2 umdrehen konnten. Hamilton und O’Rourke waren für Holsen erfolgreich. Sekunden vor dem Wechsel erzielte Ewald Kaupmann das 2:2.

Nach dem Wechsel verflachte die Partie, aber die TSG Rehme blieb hellwach. Mario Sydow markierte in der 68. Minute das 3:2 und für den 4:2-Endstand sorgte erneut Ewald Kaupmann mit seinem zweiten Treffer, womit Sieg und Aufstieg perfekt waren.

Großer Jubel

Unbeschreiblich war der Jubel am Mittelbach. Die "Roten" feierten den Titelgewinn bis in die Nacht hinein. Rehme war außer Rand und Band. Mit Karl-Heinz Paulsiek stand ein Teufelskerl zwischen den Pfosten, mit Uwe Thies ein treffsicherer Stürmer. Aber es war schließlich die gesamte Mannschaft, die Anteil am Riesenerfolg hatte. Daneben waren noch die Brüder Klaus und Peter Baumann, Fritz Müller, Lothar Schulze, Dieter "Mecki" Bartsch, Ralf Baumann, Hermann Blase, Ewald Kaupmann und der pfeilschnelle Mario Sydow beteiligt. Auch die Ersatzkräfte Werner Brandt, Lothar Lück und Klaus Sandmann, sowie die im Finale verhinderten Wilfried Schrader und Detlef Johannpeter trugen zum Erfolg bei.Und natürlich feierte man einen kleinen Mann ganz groß. Der Rehmer Trainer Christian Felka hatte natürlich erheblichen Anteil am Titelgewinn, denn der Oberleutnant und Kommandeur des Mindener Pionier-Batallions pflegte eine ganz besondere Trainingsleitung. Mit preußischer Disziplin bereitete er seine Mannschaft von Woche zu Woche auf die Spiele vor. Und sie dankte es ihrem Trainer mit guten Leistungen und dem Aufstieg.

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Für die Voraussetzung auf eine erfolgreiche Saison in der Bezirksliga sorgte auch das Rehmer Umfeld. Erwin Stickdorn, neben Hans Reimann, dem Geschäftsführer einer heimischen Schuhfabrik, war sicherlich der "Macher" in Rehme. Er hatte vor der Saison für neue Spieler gesorgt. Schrader, Kaupmann und Ralf Baumann kamen aus Dützen, Blase und Schulze aus Porta-Neesen, Müller und Johannpeter von Minden 05. Aber zunächst lief es nicht wunschgemäß. Besonders der viel gepriesene "20-Tausend-Mark-Sturm" der Rehmer mit Sydow, Blase, Thies, Baumann und Kaupmann enttäuschte. Immerhin gewann die TSG gegen die heimischen Konkurrenten TuRa Löhne (1:0), SVLO (2:0) und BV Oeynhausen (3:1). Und nach dem 6:1-Sieg gegen die Reserve von Minden 05 setzte die TSG zu einer Siegesserie an, die in der laufenden Saison nicht mehr gebremst werden konnte. Kopf-an-Kopf marschierten fortan Holsen und Rehme in Richtung Meisterschaft und auch am letzten Spieltag gaben sich die Konkurrenten keine Blöße. Der VfL Holsen behielt im letzten Spiel mit 4:3 beim SC Oberbecksen die Oberhand.

Die TSG Rehme gewann nach einem 0:2-Rückstand am Ende noch mit 3:2 beim SV Oetinghausen. "Kemmo" Thies und zweimal Ewald Kaupmann sorgten für den Sieg der "Insulaner", die in der abgelaufenen Saison als einziges Team ohne Platzverweis blieb.Und dann folgte am Gohfelder Mittelbach das "große Finale". Wer schafft nach der DJK Gütersloh (Am.), dem TSV Oerlinghausen und der Reserve des 1. FC Paderborn noch den Aufstieg in die Landesliga?

Der Rest ist bekannt. Die Rehmer sorgten für einen glanzvollen Abschied aus der Bezirksliga. Wie sagte doch Oskar Rossa, damals Bezirksklassen-Staffelleiter in Richtung TSG Rehme: "Ich will euch hier nicht mehr sehen, viel Glück in der Landesliga." Es folgten eine tolle erste Landesligasaison und eine zweite, die als "verhaltend" angesehen wurde. Man spielte gegen so renommierte Mannschaften wie VfB Bielefeld, VfL Schlangen, FC Stukenbrock, Schloß Neuhaus, Bad Lippspringe, VfL Mennighüffen oder den SV Löhne-Obernbeck, damals noch mit Kurt Quernheim, "Nelly" Pieper, Peter Scholle oder "Manni" Bredenkötter. Inzwischen hatte man sich durch Uwe Verl und Andreas Metzner verstärkt. Aber der Trend ging in Richtung "abwärts". Selbst ein Trainerwechsel (der Bad Salzufler Edgar Fischer kam für Christian Felka) nutzte nichts mehr.

Wichtiger Treffer

Zwei Jahre hielt es die TSG Rehme in der zweithöchsten deutschen Amateur-Spielklasse aus, dann ging es wieder zurück in die Bezirksklasse. Finanziell war die Spielklasse nicht mehr zu stemmen. "Eine Saison kostet uns etwa 30.000 Mark", berichtete Erwin Stickdorn, der sich nun für einen Großverein aussprach, nachdem er zuvor noch dagegen war. Mehrere Spieler verließen nach der Saison 1976/77 die Rehmer "Insel", um bei anderen Klubs anzuheuern. Klaus Baumann ging nach Oberbecksen, Mario Sydow zog es nach Gohfeld, andere gingen zurück zu ihren Stammklubs. Und nach dem 2:7 gegen den BV Bad Lippspringe sprachen sich dann 52 von insgesamt 78 anwesende Mitglieder bei 21 Gegenstimmen für eine Fusion mit dem BV Bad Oeynhausen aus. Der Alltag war in Rehme wieder eingekehrt, von der einstigen Euphorie keine Spur mehr.

Das Kapitel "TSG Rehme und Landesliga" war endgültig vorbei. Zuvor wurde aber dann doch die Fusion vollzogen. Aus den beiden Klubs TSG Rehme und BV Oeynhausen wurde am 26. Februar 1977 der 1. SC Bad Oeynhausen.


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