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14.07.2011
ZURÜCKGEBLÄTTERT
Wo Schiedsrichter immer eine große Rolle spielten
FUSSBALL: In Bad Oeynhausen und Löhne / Erich Kormannshaus und Heinz Teichert die großen Aushängeschilder
VON HANS MILBERG

Wimpeltausch | FOTO: NW

Bad Oeynhausen/Löhne. In der heutigen Folge von "Zurückgeblättert" soll diesmal von der ehemals "Schwarzen Zunft" die Rede sein, die allerdings schon längst nicht mehr als solche bezeichnet wird. Schwarze Hemden sind zwar noch nicht aus der Mode gekommen, aber farblich gesehen ist es in der Zunft der Fußball-Schiedsrichter seit dem ersten Einsatz eines Referees im Jahre 1873 schon etwas bunter geworden.

Bunt ist auch die Liste der Unparteiischen, die in Bad Oeynhausen, Löhne und in der regionalen Umgebung an der Pfeife waren und von sich reden machten. Ihre Visitenkarte in Bad Oeynhausen und Löhne abgegeben haben Schiedsrichter, die auch international zum Einsatz kamen. Aber nicht nur die haben im Weser- und Werretal Geschichte geschrieben, es waren auch die, die sich in den heimischen Gefilden einen Namen gemacht haben. Auch auf fremden Plätzen waren Fußball-Schiedsrichter im Einsatz, die für die eine oder andere Zeile in den heimischen Zeitungen sorgten. Einer von denen war der Engländer George Courtney, der in den 1980er Jahren zu den weltbesten Referees zählte, bei zwei Weltmeisterschaften in Italien und Mexiko im Einsatz und bei der Europameisterschaft 1984 in Frankreich an der Pfeife war.

Als der FC Bad Oeynhausen mit einer "Reisemannschaft" über Ostern 1986 einen Abstecher auf die britische Insel machte, leitete Courtney das internationale Freundschaftsspiel. In Bishop Auckland, einer Stadt in der Grafschaft Durham im Nordosten Englands, traf der FCO damals auf den Gastgeberverein, zu dem man aufgrund der Partnerschaft zu Bad Oeynhausens ehemaliger Partnerstadt Wear Valley enge Kontakte pflegte. Bad Oeynhausens Referee Ronald Vogt, damals neben Dieter Deppe und Bernd Brockmann Reisemarschall der FCO-Equipe, erlebt eine Anekdote, die er bis heute nicht vergessen hat. Vorsichtshalber trug Vogt damals eine schwarze Kluft unter seinem hellen "Staubmantel". Als Courtney das schwarze Hemd erblickte, gab es für Vogt vom englischen Referee den gelben Karton. Staunen löste bei Courtney später der Einsatz von Ronald Vogt auf dem englischen Rasen aus, als er für Ralf Hafer ins Spiel kam.

Ein englischer Referee war auch lange Zeit in Bad Oeynhausen beheimatet, der hierzulande sowohl beruflich, als auch sportlich zu einem hohen Ansehen kam. Norman Soall kam in den 1960er Jahren berufsbedingt nach Bad Oeynhausen, ehe er sich dem TuS Lohe anschloss und für den Verein aus dem Bad Oeynhausener Süden Spiele bis zur Oberliga leitete. Typisch britisch sein Auftreten des schlanken und umsichtigen Schiedsrichters, der auf dem Platz eine echte Respektsperson war und von allen Seiten positiv kritisiert wurde.
Gratuliere | FOTO: NW

Eine Respektsperson war auch ein anderer Schiedsrichter, der schon Ende der 1940er, Anfang der 1950er in den Kreis Herford kam. Aus Wuppertal-Barmen kommend, "landete" Erich Kormannshaus eines Tages in Löhne und war damals zunächst Mitglied im BV Oeynhausen und später beim FC Gohfeld. Sportliche Höhepunkte gab es in den folgenden Jahren eine ganze Menge. So zählten die traditionellen "Kohlenpott-Derbys" zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund, sowie STV Horst-Emscher zu den Höhepunkten in der Karriere von Erich Kormannshaus. Ausgezeichnete Kritiken bekam der Neu-Gohfelder im September 1948 nach dem Spiel zwischen dem BVB und Schalke, das die Gelb-Schwarzen im Stadion Rote Erde vor 40.000 Fans mit 5:2 gewinnen konnten. Herbert Erdmann (3) und Addi Preißler (2) sorgten für die Dortmunder Tore, während Herbert Burdenski und "Ötte" Tibulski für Schalke trafen.

Ganz sicher war für Kormannshaus das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem VfB Stuttgart und den Offenbacher Kickers am 25. Juni 1950 der Höhepunkt der langen Laufbahn. 95 000 Zuschauern waren im Berliner Olympiastadion im Finale nicht nur von den beiden Teams angetan, sondern auch von der guten Leistung von Kormannshaus. Obwohl Kormannshaus in Gohfeld beheimatet war, stellte ihn damals der Stadionsprecher als "Referee aus Bad Oeynhausen" vor.

"Profifußball-Luft" schnuppern durfte auch ein anderer Schiedsrichter aus Löhne. Heinz Teichert, vor einem Jahr 70 Jahre jung geworden, war in seiner Zeit ein souveräner und stets korrekter Spielleiter. Insgesamt 50 Spiele leitete Teichert von 1974 bis 1982 in der 2. Liga, die damals noch in Nord und Süd zweigeteilt war. Heinz Teichert, der ausnahmslos für den SV Löhne-Obernbeck im Einsatz war, musste in seiner Laufbahn nur zweimal "Rot" zeigen und insgesamt 111 gelbe Karten verteilen. Natürlich sind die Spiele im Fußball-Unterhaus unvergessen, aber auch die zahlreichen Einsätze als Linienrichter im Gespann mit dem Paderborner Rainer Waltert oder dem Hattinger Günter Risse in der 1. Liga sind für Heinz Teichert echte Highlights. Unvergessen sind auch die Einsätze als Linienrichter bei den Länderspielen in Frankreich, Ägypten und Georgien. Spiele, die von Walter Eschweiler, dem "Konsul" aus dem Auswärtigen Amt in Bonn und einem der schillerndsten deutschen Referees, geleitet wurden. Bei seinem letzten Einsatz durfte auch der Autor dieser Zeilen mitwirken, als Teichert vor drei Jahren bei den Herforder Hallen-Kreismeisterschaften das Einlagespiel wie eh und je souverän über die Bühne brachte. Insgesamt 15 Jahre trug Teichert das Abzeichen für den DFB auf der Brust.

Stramme Jungs | FOTO: NW

Natürlich gab es auch noch einige andere Schiedsrichter, die hierzulande auf sich aufmerksam machten. Zwei davon waren Wolfgang Nickol aus Eidinghausen, der so manche Schlacht in der Verbandsliga brachte und dabei viel Lob kassierte. Ein anderer war Heinz-Jürgen Jungmann vom TuS Lohe, der ebenfalls auf höherer Ebene unterwegs war.

Auf Löhner Gebiet empfahlen sich auch noch einige andere Referees für höhere Aufgaben. Zu den zählten auch der verstorbene Fritz Fischer und Wolfgang Wählen (beide TuRa), sowie Peter Krutemeyer, der zwar in Löhne wohnte, aber für einen Vlothoer Verein

Und schließlich zählt mit Paul Schmidtke auch ein Referee dazu, der lange unterwegs und oft vom Wechselfieber gepackt war und als "Schiedsrichter für alle Fälle" bezeichnet wurde. War er mal nicht offiziell unterwegs, dann reiste er als Beobachter durch die Kreisgebiete, aber ohne Schiedsrichterkluft, Pfeife, Notizblock und ohne den gelben oder roten Karton soll er nie angereist sein. Oft musste er sogar als "Notnagel" einspringen. Besonders beliebt war Schmidtke beim Altherren-Fußball, einer Sportart mit meistens "drei Halbzeiten".

Natürlich gab es auch rund um Löhne und Bad Oeynhausen weitere gute Schiedsrichter, die auf den westfälischen Schauplätzen im Einsatz waren. Zwei davon standen auch oft im Mittelpunkt des westfälischen Fußballgeschehens: gemeint sind Hans Beinke aus Bünde und der Haddenhausener Versicherungskaufmann Horst Berger, der in den 1960er Jahren in einem Spiel zwischen Alemannia Aachen und Rot-Weiß Essen gleich drei rote Karten verteilen musste. Höhepunkt in dieser Partie war der Platzverweis gegen das Aachener Idol Jupp Martinelli, wodurch Berger seinen Bekanntheitsgrad im Fußballwesten noch erheblich steigern konnte.


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