Quakenbrück. "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" – diese Gedichtzeile aus Hermann Hesses "Stufen" hat Dirk Happe in seiner Schulzeit am Paderborner Reismann-Gymnasiums mit einiger Sicherheit gehört und gelesen. Am Samstagabend aber erlebte der 44 Jahre alte Diplom-Sportwissenschaftler als neuer Trainer des Erstligisten Paderborn Baskets beim Spiel in Quakenbrück eine andere Art eines Neubeginns. Die Partie ging mit 57:96 (27:49) verloren. "Es gibt nichts schönzureden", sagte der Coach nach der Schluss-Sirene.
Anschließend machte der ehemalige Bundesligaakteur, der erst 24 Stunden vor der Partie Olaf Stolz abgelöst und genau eine Trainingseinheit verantwortlich geleitet hatte, eine lange Mängelliste auf. "Wir haben nur ganze zehn Minuten gekämpft. Das ist viel zu wenig", war der neue Trainer lediglich mit dem dritten Viertel einverstanden. "Da haben wir mit guter Defensivarbeit in die Partie gefunden", erinnerte Happe an eine Phase, in der sein Team nach dem 29:57 (23.) bis auf 46:64 (29.) herangekommen war. Anschließend aber schlichen sich wieder die Fehler und Verhaltensmuster ein, die bei Happe schon in den 20 Minuten vor der Pause für einiges Erschrecken gesorgt hatten.
"Unsere Offensive geht gar nicht. Der Ball läuft nicht und wir haben keinen Zug zum Korb", bemängelte der frühere Aufbauspieler und hatte in der Abwehrarbeit einige "desaströse" Momente beobachtet. Happe zeigte sich vom konditionellen Zustand des Teams nicht eben angetan. "Die Ausdauerarbeit ist in der Vergangenheit offenbar zu kurz gekommen", gab der Trainer zu Protokoll und hätte angesichts dieser Probleme "gerne zwölf Leute auf der Bank gehabt."
Zu diesem Dutzend darf sich Lawrence Borha nicht unbedingt zählen. Der vor Saisonbeginn mit vielerlei Vorschusslorbeeren verpflichtete US-Boy nutzte auch unter dem neuen Coach seine Chance nicht, blieb in knapp sieben Minuten Einsatzzeit ohne jede Wirkung und hat so keinen Anspruch auf einen Platz in der Rotation.
Die hatte im ersten Spiel der Ära Happe ein anderes Aussehen als unter Olaf Stolz. Die vier deutschen Akteure erhielten zusammen 70 Minuten Spielzeit. Und dass die Baskets ihre besten Phasen hatten, als mit Huelsewede, Lieneke, Oehle und Simon vier einheimische Akteure auf dem Parkett standen, blieb auch ihren US-amerikanischen Mitspielern nicht verborgen. So wurde doch ein guter Anfang gemacht. Denn in der Pro-A-Liga, in die die Baskets mit einiger Wahrscheinlichkeit absteigen werde, müssen immer zwei Deutsche auf dem Feld stehen. Um es in Richtung 1. Liga mit Hermann Hesse zu sagen: "Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde."