Paderborn. Andre Schubert ist rhetorisch gewandt und muss sich selbst in seinem Debütjahr als Zweitliga-Trainer nicht sonderlich darauf vorbereiten, wenn er nach dem Spiel zu den 90 Minuten davor Stellung nehmen soll. Mehr als sonst üblich aber war der Paderborner Cheftrainer während des Statements seines Kollegen Michael Krüger von Alemannia Aachen regelrecht in sich gekehrt.
Bitteschön solle man da jetzt nicht etwas hineininterpretieren, nannte er als nicht passenden Vergleich die Szene 1990, als Franz Beckenbauer nach dem Titelgewinn bei der WM in Italien mutterseelenallein auf dem Platz stand und den Moment genoss. Aber, so gab Schubert dann doch zu, sei er am Sonntag nach dem 2:1-Erfolg doch ein wenig stolz gewesen. Schon im Vorfeld der Begegnung mit der Alemannia habe er der Mannschaft gesagt, dass sie gegen Aachen die Gelegenheit habe, aus einer ohnehin schon guten Saison eine herausragende machen zu können. "Das dann so geschafft zu haben, war schön. Und - dann ist man sicher auch mal eine Sekunde nachdenklicher", beschrieb er rückblickend seine Gefühlslage nach einem "insgesamt gelungenen Spiel."
Wichtig sei es auch gewesen, die Spieler, die den Verein verlassen, gebührend zu verabschieden. Gerade Matthias Holst und Kasper Jensen hätten die Gelegenheit genutzt, "um sich noch einmal gut zu präsentieren", hob dies der Trainer als weitere Besonderheit des letzten Heimspiels hervor.
Überhaupt klang in den Ausführungen der Trainers erstaunlich viel Begeisterung mit. Angetrieben "von einem tollen Publikum" habe seine Mannschaft angesichts eines 0:1-Rückstandes "eine richtig gute zweite Halbzeit" gezeigt. Als "sensationell" bezeichnete er die Runde, die sein Team mit einem zeitweise richtigen "Topniveau" gespielt habe. Die Gewissheit, dass "wir über ein gutes Team verfügen", sei vorhanden gewesen, dennoch zeigte sich auch der Trainer im Saisonverlauf immer wieder mal kurz und jetzt ganz besonders über das enorme Maß "an Souveränität" erstaunt. Schubert wörtlich: "Wir haben eine Saison ohne Sorgen gespielt und nie eine schwierige Phase gehabt." Schubert rechnete noch einmal vor: "Selbst als wir drei Spiele in Folge verloren haben, hatten wir noch einen Vorsprung von neun Punkten."
Somit sei das Schlechteste, was dem Verein SC Paderborn am Saisonende passieren könne, "ein neunter Platz." Davor ziehe auch er seinen Hut, "verbunden mit einem großen Kompliment an alle Beteiligten."
Erst dann fiel Schubert bei seinen Worten auf, dass sie sich wie eine Art Fazit anhörten. "Dass soll jetzt noch kein Abgesang sein. Wir haben noch ein Spiel und noch eine Möglichkeit auf ein weiteres Fußballfest", leitete er hinüber zum letzten Meisterschaftsspiel auf St. Pauli.