Johannesburg. Gerrit Meinke darf sich doppelt glücklich schätzen: Der Ex-Fußballprofi und Angestellte der Abteilung Finanzen beim Fußball-Zweitligisten SC Paderborn erlebt im Moment die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika live und hautnah in den Stadien. Dafür wird er von vielen beneidet. Beim Beobachten der Spiele darf der 42-Jährige aber zudem einen Kopfhörer tragen. Auch dafür wird er von vielen beneidet, weil dies doch ein wenig vom ohrenbetäubenden Lärm der Vuvuzelas wegnimmt.
Als Assistent von ARD-Kommentator Tom Bartels ist Meinke mal wieder für vier Woche in das Lager der Berichterstatter gewechselt. Unter anderem versorgt er am kommenden Mittwoch das Millionenpublikum an den Bildschirmen mit wichtigen Infos beim dritten und entscheidenden Spiel der deutschen Elf gegen Ghana.
Für Meinke ist dies nichts Neues. Schon seit einigen Jahren bildet er mit Tom Bartels im TV beim DFB-Pokal oder bei Länderspielen ein gut funktionierendes Duo. "Wir stammen beide aus Melle, kennen uns seit dem Kindergarten und haben uns eigentlich nie aus den Augen verloren", berichtet der Ex-Profi.
Beruflich allerdings gingen sie zunächst getrennte Wege, auch wenn es in beiden Fällen mit Fußball zu tun hatte. Während Meinke erst einmal selbst spielte – unter anderem für Arminia Bielefeld, VfL Osnabrück und später auch für den SC Paderborn – "hat Tom Journalismus in Köln studiert." Ernst Huberty gehörte zu seinen Lehrmeistern. "Und ich denke, der Tom gehört sicher zu den besseren Kommentatoren bei uns", wagt Meinke eine Wertung, "die nichts mit meiner Freundschaft zu ihm zu tun hat."
Im Flieger mit Netzer
Als dann im Jahr 2000 alle Kommentatoren der ARD Assistenten zugeteilt bekamen, war das Duo Bartels – Meinke perfekt. Während die meisten TV-Berichterstatter Kollegen zur Seite haben, die ebenfalls aus dem Bereich TV kommen, "wollte Tom unbedingt einen haben, der selbst schon auf dem Platz gestanden hat", erzählt der Paderborner.
Am Donnerstag der vergangenen Woche flog Meinke nach Südafrika, in der gleichen Maschine wie das Nationalteam der Schweiz und Günter Netzer. "Mit unserem Ex-Spieler Albert Bunjaku habe ich aber nur kurz sprechen können", musste der TV-Mann dann schnell zurück von der Business- in die Economy-Class.
Während der Liveberichterstattung sind Meinke und Bartels per Ton miteinander verbunden. "Ich spreche ihm auf den Kopfhörer, das kann der Zuschauer aber nicht hören", filtert der 42-Jährige die Fülle an Informationen, die vor und während eines Länderspiels bei den Kommentatoren ankommen. Insgesamt vier Wochen wird der ARD-Job in Südafrika an Zeit in Anspruch nehmen. Bartels wird auf alle Fälle noch von einem Halbfinale berichten. "Und ich hoffe, dass es dann ein Spiel der Deutschen Mannschaft sein wird", so Meinke. Dass die Elf das Zeug dazu hat, davon ist er überzeugt. Insgesamt sei das bisher gezeigte Niveau bei dem WM jedoch "erschreckend schwach". Die einzige Elf, die bisher eine gute Leistung gezeigt habe, sei nun einmal Deutschland. Meinke wörtlich: "Klar, Australien ist nicht Spanien oder Brasilien, aber auch keine Feuerwehrkapelle, die man so im Vorübergehen besiegt."
Erst Stress, dann Baden
Bis zum erhofften Halbfinale ist es aber noch ein weiter Weg, besonders nach dem 0:1 gegen Serbien. Der Stress mit weiten Wegen und Fußball rund um die Uhr wird anhalten. Erst vor dem Halbfinale haben Bartels und Meinke ein wenig Luft. Dann soll Fußball an die zweite Stelle rücken. Gemeinsam mit Freundin Britta, die später anreist, stehen dann der Krüger-Nationalpark und "ein wenig Badeurlaub in Durban" auf Gerrits Wunschliste, "in dem Land der wohltönenden Vuvuzelas."
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