Paderborn. Eine unscheinbare Halle mit einem flachen Bürogebäude am Rande des Gewerbegebietes Paderborn-Sennelager. Von außen ist die Heimat von Fischer Racing kaum zu unterscheiden zu den Handwerksbetrieben oder Werkstätten der Nachbarschaft. Ein Blick ins Innere überrascht: Eine hochmoderne Werkstatt und vier Hightech-Rennwagen sowie riesige Auflieger zum Transport der Rennwagen. Zwei Ford GT40 mit 550 PS, zwei Aston Martin DBR9 mit V12-Motor mit 650 PS. Zum Einsatz kommen die Ford in der Sportwagen-Europameisterschaft (FIA GT3), die Aston Martin kämpfen in der Sportwagen-Weltmeisterschaft (GT1 World) um Ruhm und Ehre.
Gerade rollen zwei Trucks auf den Hof, direkt aus dem französischen Le Mans. In der Partnerstadt von Paderborn hat Fischer Racing unter dem Namen Young Driver AMR als erste Mannschaft aus Paderborn am legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans teilgenommen. Platz drei in der Klasse für stark modifizierte Seriensportwagen war die Ausbeute mit einem Aston Martin vor 240.000 Zuschauern. "Wir hatten sogar alle Chancen unsere Klasse zu gewinnen, doch leider ist zwei Mal eine Antriebswelle gebrochen, das hat uns etwas zurückgeworfen", erzählt Hardy Fischer (46). Hardy Fischer heißt eigentlich Erhard und ist der Inhaber von Fischer Racing. Der gebürtige Paderborner macht seit neun Jahren Rennsport.
Young Driver Team | FOTO: STEPHENS
Paderborn ist der Dreh- und Angelpunkt seines Teams. Zwischen den Rennen werden die Sportwagen hier gewartet, Einsätze und Reisen geplant. Zehn Mechaniker aus Paderborn und Umgebung bereiten die Rennboliden auf den nächsten Einsatz vor. "Wir sind ein sehr familiäres Team," so Fischer, "die meisten unserer Mechaniker sind schon jahrelang mit an Bord." An der Rennstrecke wird die Kernmannschaft von bis zu 20 zusätzlichen Spezialisten unterstützt.
Sofort mit dem Rennsportvirus infiziert
Der Anfang eines der mittlerweile größten Sportwagenteams Deutschlands vor neun Jahren war unspektakulär "Ein Freund, der mit einem Renault Clio Rennen fuhr, hat mich gefragt, ob ich ihn unterstützen kann", erinnert sich Fischer, der Motorsport bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. Fischer sah sich ein Rennen an und war sofort mit dem Rennsportvirus infiziert. Beim nächsten Rennen brachte er gleich ein eigenes Team an den Start. Drei Jahre lang tummelte sich der Paderborner erfolgreich in der Renault-Szene. Dann sattelte er um und stieg in einen Seat Markenpokal im Rahmenprogramm der DTM ein. "In fünf Jahren haben wir da drei Mal den Meister gestellt", berichtet der Rennsportunternehmer nicht ohne Stolz. Im letzten Jahr ging es einen Schritt weiter. Fischer Racing schaffte zwei Ford GT an und startete bei der Sportwagen-Europameisterschaft sowie im ADAC GT Masters.
In diesem Jahr erklomm Fischer schließlich die letzte Stufe und startet mit zwei Aston Martin DBR9 unter dem Namen Young Driver AMR in der GT1-Weltmeisterschaft, der Champions League der Sportwagenrennen. Das Kürzel AMR hinter Young Driver steht für Aston Martin Racing. Fischer ist offizieller und einziger deutscher Partner der britischen Sportwagenschmiede, die seit Jahren die Dienstwagen von James Bond stellt. Gesteuert werden die Aston Martin von internationalen Top-Piloten wie dem tschechischen Ex-Formel-1-Fahrer Tomas Enge, Ex-DTM-Pilot Stefan Mücke aus Berlin oder dem von Fischer geförderten Nachwuchstalent Christoffer Nygaard (Dänemark). In den ersten Rennen der noch jungen WM-Saison war das Young Driver-Team schon erfolgreich: Beim letzten Lauf in tschechischen Brünn im Mai belegte einer beiden Paderborner Aston Martin den zweiten Platz.
Der Rennsport hält Hardy Fischer auf Trab, seit Februar hat er seine Heimat nur selten gesehen. Südfrankreich, Portugal, Spanien, Abu Dhabi, England und Tschechien standen bisher schon auf dem Reiseplan. Wenn die Saison im Dezember vorbei ist, war Fischer mit seinen Rennwagen auch in Südafrika, Argentinien und Brasilien. Und zwischendurch immer wieder Paderborn. Denn zur akribischen Vorbereitung verschwinden die Rennwagen immer wieder in einer unscheinbaren Halle in Sennelager.