Teistungen. 6. August 2007 im Burghausener Wacker-Stadion: Die Erstrundenpartie des DFB-Pokals zwischen den Platzherren und Bayern München steht nach der Verlängerung weiter 1:1. Elfmeterschießen: 3:3 - soeben hat Wacker-Schlussmann Riemann gegen Demichelis pariert. Im nächsten Versuch scheitert Markus Palionis an Kahn, dann verwandelt Lell für den Rekordmeister, während Kahn den nächsten und letzten Elfer dieser Partie von Mayer hält. Das war’s.
Der FC Bayern blamiert sich zwar gegen den Regionalligisten, gewinnt letztendlich aber mit 5:4 und wird zum Saisonende sogar DFB-Pokalsieger, während Markus Palionis für die nächsten beiden Spielzeiten zu Dynamo Dresden in die neue 3. Liga wechselt. Und künftig wird der Litauer das Trikot des SC Paderborn tragen.
Seinen Fehlschuss von damals hat der SCP-Novize, der in der Jugend kurzfristig auch mal bei den Bayern spielte, allerdings bis heute nicht vergessen. "Einfach ärgerlich", sagt er, denn "die Sensation sei zum Greifen nah gewesen". Palionis spielte in dieser Partie in Wackers Innenverteidigung, fühlt sich grundsätzlich aber als Sechser im defensiven Mittelfeld wohler. Auf dieser Position könne er seinen Vorwärtsdrang einfach besser ausleben, sagt der Defensiv-Allrounder.
Aufgrund seines Gardemaßes von 1,93 Meter sei er in seiner bisherigen Karriere jedoch oft in der Viererkette aufgestellt worden. "Du bist groß, du musst nach hinten", mit dieser Trainer-Philosophie müsse er halt leben. Palionis ist gebürtiger Litauer, kam im Alter von acht Jahren in die Bundesrepublik und besitzt die doppelte Staatsangehörigkeit.
In der WM-Quali gescheitert
Der Traum von der Weltmeisterschafts-Teilnahme in Südafrika ging für Markus Pallionis nicht in Erfüllung. Unter anderem mit den später qualifizierten Mannschaften aus Frankreich und Deutschland-Bezwinger Serbien in einer Gruppe, wurde Litauen am Ende nur Vierter. Dieses Programm sei für sein Heimatland einfach zu schwer gewesen, sagt der Neuzugang des SC Paderborn. Gegen seinen neuen Brötchengeber hat er übrigens auch schon gespielt. So auch am 20. Mai 2007, als die bereits aus der 2. Liga abgestiegenen Burghausener den SCP, der den Klassenerhalt längst sicher hatte, am letzten Saisonspieltag mit 5:1 besiegten.
Grundsätzlich fühle er sich aber seinen ursprünglichen Wurzeln ganz eng verbunden, sagt der Sohn einer deutschen Mutter. "Ich sehe mich eigentlich als Litauer", so Palionis. Deutsche Tugenden wie Disziplin und Pünktlichkeit habe er sich jedoch angeeignet, weil er die für "sehr wichtig" erachte.
Die alte Liebe zu Litauen hat sich für Palionis inzwischen auch sportlich ausgezahlt. Von der U17 bis zur U21 hat er sämtliche Nationalmannschaften seines Heimatlandes durchlaufen. Im November 2008 bestritt er sein bis dato einziges A-Länderspiel gegen Mazedonien. Auch aktuell zählt er zum Kader.
Als in seiner Geburtsstadt Kaunas kürzlich der Baltic-Cup über die Bühne ging (14. bis 21. Juni), saß er während der beiden Spiele gegen Estland und Lettland allerdings nur auf der Bank. Inzwischen ist er sowohl sportlich als auch mental in Paderborn angekommen, wo er künftig mit seiner Ehefrau Erika und dem erst zehn Wochen alten Sohnemann Damian leben wird.
Im ersten SCP-Testspiel gegen Siddinghausen-Weine spielte er am vergangenen Sonntag 45 Minuten lang als Sechser und erzielte beim 8:0-Erfolg auf Anhieb zwei Treffer. Darauf wolle er jetzt aufbauen, sagt der Rechtsfuß. "Ich will der Mannschaft bei Standards helfen und schon ein paar Törchen machen", erklärt Palionis und hofft inständig, sich in Paderborn durchsetzen zu können. "Ordentliche Chancen" habe er wohl. Bundessportseite 4