Teistungen. Eine Unterschrift mit Ansage. Seit Januar 2010 trainiert Ardian Jevric mit den Profis des SC Paderborn. So ganz nebenbei erzielte der 24-Jährige in der abgelaufenen Westfalenliga-Saison auch noch 20 Treffer für die U23 des Vereins. Während der Übungseinheiten mit dem Zweitliga-Kader wusste der Angreifer auf Anhieb zu überzeugen.
Wenn es so weiterliefe, dann habe er seinen Profivertrag in Kürze in der Tasche, lieferte ihm Cheftrainer und Sportlicher Leiter Andre Schubert bereits zu Anfang des Jahres die passende Motivationshilfe.
Im Mai war es dann endlich so weit: Der SCP bot dem Eigengewächs einen Zweijahres-Vertrag an und der Offensivstratege nahm dankend an. Im laufenden Trainingslager in Teistungen zählt der im heutigen Kosovo geborene Angreifer längst zu den Bewerbern für einen Stammplatz in der Startelf. Im Alter von vier Jahren kam der Sohn einer montenegrinischen Mutter und eines aus dem Kosovo stammenden Vaters im Jahr 1990 nach Deutschland. Schon seit 2001 ist er jetzt im Verein. Die Karriere begann bei den B-Junioren, bevor sich Jevric anschließend kontinuierlich nach oben arbeitete. Jetzt hat er ein erstes Etappenziel zunächst mal erreicht. Zwar habe er schon seit Januar im Training so richtig Gas gegeben. Doch der sichere Kontrakt, den er jetzt in der Tasche habe, liefere ihm "noch ein bisschen mehr" Ansporn. Auch die sportlichen Planungen seines Heimatlandes steigern seine Arbeitslaune. Der Kosovo will künftig eine eigene Nationalmannschaft ins Rennen schicken und sichtet zurzeit den Spielermarkt. "Noch ist keiner auf mich zugekommen", sagt Jevric, aber sein Freund und Teamkollege Enis Alushi sei schon angesprochen worden.
Zurzeit ist der 24-Jährige zwar nur in Besitz des deutschen Passes. Nachdem die politischen Verhältnisse auf dem Balkan aber weitestgehend geklärt sind, würde er den heimischen sofort nachgereicht bekommen.
Die ehemaligen Kriegswirren in seiner Heimat haben Jevric’ sportliche Karriere übrigens um ein paar Jährchen verzögert. Schon 2006 hatte ihn Paderborns damaliger Coach Jos Luhukay im Alter von 18 Jahren als Perspektivspieler mit ins Sommer-Trainingslager genommen. Auch damals winkte der begehrte Profivertrag. Die Unterschrift scheiterte indes an der politischen Lage auf dem Balkan. Jevric hatte zu dieser Zeit keine ordentliche Aufenthaltsgnehmigung und somit auch keinen Pass. Seitens der deutschen Behörden hatte er lediglich den Status der Duldung, wie das im Amtsdeutsch heißt.
Jetzt hat er den Kopf von solchen Dingen endlich frei und will sich fortan voll und ganz auf seine Karriere konzentrieren. Eigentlich sei er ja "ein gelernter Zehner", sagt Jevric, aber Schubert sehe ihn wohl eher als Stürmer. Auch auf dieser Position fühlt sich der Goalgetter pudelwohl. Wenn allerdings mal Not am Mann sei, dann könne er sicherlich auch im zentralen Mittelfeld aushelfen", ordnet sich Jevric selbst in die Kategorie "Offensiv-Allrounder" ein.