SC PADERBORN: DFL möchte bei der Lizenzierung der 36 Erst- und Zweitligisten noch einmal die Zügel anziehen
Paderborn. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) rühmt sich gern für ihr Lizenzierungs-Verfahren. Dies sei enorm streng und geradezu vorbildlich. In der Tat musste in der Geschichte der Fußball-Bundesliga noch kein Verein während der laufenden Saison Insolvenz anmelden. Nun plant die DFL eine weitere Verschärfung des Lizenzierungs-Verfahrens. Und so wäre auch der SC Paderborn noch mehr zum konsequenten Sparen angehalten.
Die jeweils 18 Erst- und Zweitligisten haben von der DFL ein 186 Seiten starkes Antragspaket erhalten, über das bei der Generalversammlung des Ligaverbandes am 18. August in Berlin beraten werden soll. Die entsprechenden Pläne sehen vor, dass alle verschuldeten Bundesligisten künftig ihre Verbindlichkeiten abbauen müssen. Erstligaklubs müssen demnach ihren Schuldenberg pro Saison um mindestens zehn Prozent reduzieren. Zweitligisten müssten eine Fünf-Prozent-Hürde meistern. Ansonsten werden Bußgelder fällig. Im Wiederholungsfall droht sogar ein Punktabzug.
Die Verantwortlichen des SC Paderborn sehen den DFL-Plänen aber gelassen entgegen. "Das ist der richtige Weg, um die Ligen langfristig in ihren Gesamtzusammensetzungen zu sichern", sagt der geschäftsführende SCP-Vizepräsident Martin Hornberger. Die Vereine seien damit künftig noch weitaus intensiver gefordert, ihre Etatplanungen einzuhalten.
Exakt dies gelang dem SC Paderborn in den vergangenen Spielzeiten aus diversen Gründen jedoch nur selten. So wurde die Zweitliga-Abstiegssaison 2007/2008 mit einem Minus von 1,11 Millionen Euro abgeschlossen. Das folgende Geschäftsjahr 2008/2009 wies sogar einen Fehlbetrag von 1,18 Millionen Euro auf. Und so wuchs der SCP-Schuldenberg zum Stichtag 30. Juni 2009 auf rund 3,37 Millionen Euro.
Zum aktuellen Defizit will Martin Hornberger (noch) keine Auskunft geben. "Wir müssen das abgelaufene Geschäftsjahr erst einmal exakt abrechnen. Die genauen Zahlen werden wir dann bei der Jahreshauptversammlung präsentieren", erklärt der geschäftsführende Vizepräsident. Fest steht jedoch, dass der Verein in den nächsten Jahren einen strikten Sparkurs fahren werde.
So hat der SC Paderborn einen Fünfjahres-Plan aufgestellt, der einen konsequenten Schuldenabbau vorsieht. Auch hier möchte Hornberger keine konkreten Zahlen nennen. "Doch die Summe, die wir pro Saison einsparen wollen, wird sicher über den fünf Prozent liegen, die die DFL künftig fordern könnte", betont der SCP-Vize. Zur Veranschaulichung: Bei einem Schuldenstand von 3,37 Millionen Euro müsste Paderborn sein Defizit pro Jahr um rund 170.000 Euro reduzieren.Die eigenen Ansprüche sind jedoch höher. So hatte Präsident Wilfried Finke im Dezember das hehre Ziel verkündet, das der Verein bis 2013 sogar schuldenfrei sein soll. Andre Schubert bekommt den neuen Sparkurs als Cheftrainer und Sportlicher Leiter bereits zu spüren. Der Kader wurde verschlankt, große Investitionen in Neuzugänge blieben aus. "Doch wir jammern nicht rum, denn wir haben weiter eine richtig gute Truppe mit richtig tollen Jungs", so Andre Schubert, der seine Transferplanungen zumindest vorerst abgeschlossen hat.
Beim SC Paderborn ist also Sparen angesagt - unabhängig davon, was die 36 Bundesligisten am 18. August bei der Generalversammlung des Ligaverbandes entscheiden. Dann ist eine einfache Mehrheit erforderlich, um die DFL-Pläne abzusegnen. Martin Hornberger glaubt jedoch nicht, dass die verschärften Lizenzbedingungen bereits zur neuen Saison zum Tragen kommen werden. "Schließlich haben die Vereine bereits ihre Etats aufgestellt", erläutert der SCP-Vizepräsident.
Erfolglose Suche
Die heutige Partie gegen Bayer Leverkusen (18 Uhr, Energieteam-Arena) wird definitiv der letzte Test vor dem ersten SCP-Pflichtspiel im DFB-Pokal beim FSV Frankfurt (Freitag, 13. August) sein. Zwar hätte Paderborn am kommenden Wochenende gerne eine weitere Testpartie bestritten. "Doch wir haben keinen adäquaten Gegner gefunden", erklärt Trainer Andre Schubert.
Zwei Nationalspieler fehlen
Bayer Leverkusen wird heute fast in Bestbesetzung an die Pader reisen. Zwei prominente Rekonvaleszenten fehlen jedoch: Michael Ballack und Simon Rolfes verzichten auf die Fahrt nach Paderborn. Die beiden Nationalspieler haben zwar gestern erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert. Doch an einen Einsatz ist nicht zu denken. Ballack und Rolfes bleiben daher in Leverkusen, um am Comeback zu arbeiten.
Heynckes vor Unterschrift
Auf dem überdimensionalen Fußball, der das Foyer der Energieteam-Arena ziert, könnten sich heute die nächsten Welt- und Europameister verewigen. Leverkusens Trainer Jupp Heynckes (Europameister 1972, Weltmeister 1974) soll auf jeden Fall seine Unterschrift auf die SCP-Kugel setzen. Ob Bayer-Sportchef Rudi Völler (Weltmeister 1990) mit nach Paderborn kommt, ist noch unklar.
Mosquera auf Reisen
Jorge Mosquera wird vor dem Zweitliga-Saisonstart noch einmal ins heimatliche Kolumbien reisen. Grund: Paderborns fünfter und vorerst letzter Neuzugang muss noch Visa-Angelegenheiten klären. "Wenn’s gut läuft, dürfte die ganze Aktion aber nur zwei, drei Tage dauern", so SCP-Trainer Andre Schubert.
Bertram nach Erfurt