Aue. Wortlos marschierte der sonst immer auskunftsbereite Daniel Masuch kurz nach dem Schlusspfiff an allen Mikrophonen vorbei in Richtung Kabine. Das Gesicht des Torhüters vom SC Paderborn sprach Bände. Ein Mal hatte sich in der Hintermannschaft der Ostwestfalen beim Zweitliga-Nachholspiel in Aue nach einer Standardsituation eine Unordnung eingeschlichen. Schon waren alle guten Paraden, die der Schlussmann zuvor gezeigt hatte, Makulatur. Wie schon im Hinspiel unterlag der SCP dem starken Aufsteiger Dienstagabend im Erzgebirgsstadion mit 0:1 (0:0).
Und erneut hatte Erzgebirge Aue erst in der Schlussphase zugeschlagen. Die Entstehung des Gegentores verursachte im Paderborner Lager wieder einmal Kopfschütteln. Die große Enttäuschung wäre vermeidbar gewesen. Doch wie schon beim Hinspiel im Sommer war Aue auch gestern die Mannschaft, die die Entscheidung wollte und die sich keineswegs mit einer Punkteteilung zufrieden geben wollte. "Meine Spieler haben gebissen bis zur letzten Sekunde", unterstrich Aues Trainer Rico Schmitt das Engagement seiner Elf. Kurz zuvor musste dessen Kollege Andre Schubert in seiner Spielanalyse bedauern, dass besonders im ersten Abschnitt in der Vorwärtsbewegung nicht viel lief. "Da konnten wir die Bälle selten gut festmachen", beklagte er schnelle Ballverluste.
Die aber nutzte Aue auch nicht zu gefährlichen Momenten, was mit zunehmender Spieldauer den SCP zu einem Flirt mit einer Punkteteilung verleitete. Aus diesem Flirt sollte aber keine dauerhafte Zuneigung werden, denn vier Minuten vor dem Ende war es Pierre le Beau, der die Hoffnungen der Gäste auf ein Remis zerstörte. "Das ist typisch Aue", fühlte sich SCP-Akteur Florian Mohr nach einer kämpferisch starken, aber letztlich glücklosen Vorstellung um den Lohn der Arbeit gebracht.
Mit solchen Gedanken wollte sich Enis Alushi, der in der 74. Minute für Markus Krösche vom Feld musste, nicht befassen. Der SCP habe einfach schlecht gespielt, sprach er Klartext. Paderborn habe nun mal Spieler, die gut Fußball spielen könnten. "Aber warum tun wir es dann nicht", hinterfragte er. Dies habe seiner Meinung nach schon im Spielaufbau angefangen. "Da wurden die Bälle zu oft einfach nur noch vorne gepölt", bemängelte Alushi. Das Gute an einem verkorksten Abend war wohl, dass der SCP schon an diesem Freitag die Chance bekommt, es besser zu machen. Im Heimspiel gegen Augsburg.
Erzgebirge Aue - SC Paderborn 1:0 (0:0)
Erzgebirge Aue: Männel - le Beau, Lachheb, Paulus, Klingbeil (46. Birk) - Hochscheidt - Müller, Kempe, Curri (88. Kos), Milchraum (61. Ramaj) - Glasner
SC Paderborn: Masuch - Gonther, Strohdiek, Palionis, Raitala - Mohr, Alushi (74. Krösche) - Wemmer, Heithölter - Brandy (80. Jansen), Kapllani
Tor: 1:0 le Beau (86.)
Zuschauer: 8.050
Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
Gelbe Karten: Birk (1), Klingbeil (2) / Mohr (4)