Kara hat Durst auf die 2. Liga
Herzlake. Mehmet Kara ist eher ein bescheidener Mensch. Sein Ehrgeiz ist sicherlich unverkennbar, dennoch stellt er keine großen Ansprüche. In Paderborn jetzt erstmals bei einem deutschen Fußball-Zweitligisten Fuß gefasst zu haben, das ist für ihn persönlich schon eine große Ehre. Mehr noch: Damit hat sich sogar ein "Kindheitstraum" erfüllt.
Ein Profi müsse die Stufen in seiner Laufbahn halt "langsam hochklettern", sagt der 27-Jährige, während er mit seinen neuen Teamkollegen vom SCP während des Trainingslager ins Herzlake täglich etliche Stunden vor sich hinschwitzt. Sicherlich will der Neuzugang für den investierten Schweiß kurz über lang einen Platz in der Startelf ernten, aber darüber werde schlussendlich sein Cheftrainer Roger Schmidt entscheiden.
Seinen sportlichen Sprung an die Pader sieht der Neuzugang von Preußen Münster jedenfalls als einmalige Chance "mit großem sportlichen Reiz". Vor acht Jahren hat er schon einmal die Riesenmöglichkeit gewittert, sich in diesem Geschäft durchsetzen zu können. Nach seinem ersten Seniorenjahr beim damaligen Landesligisten SpVg Holzwickede unterschrieb er einen Fünfjahresvertrag als Profi in der Türkei. Dafür brach er nach zweieinhalb Jahren sogar eine begonnene Ausbildung zum Industriemechaniker ab. Aber nicht der finanzielle Anreiz habe ihn dazu bewogen, sagt Kara, allein seine große Liebe zum Fußballsport sei damals ausschlaggebend gewesen.
Doch 2005 warf ihn ein Kreuzbandriss zunächst mal aus der Bahn. Es folgte eine rund anderthalbjährige Zwangspause, bevor der Türke während der Winterpause 06/07 in sein Geburtsland Deutschland zurückkehrte, um beim Oberligisten Hammer SpVg. einen neuen Anlauf zu nehmen. Diesem Schritt hat er möglicherweise sogar seinen aktuellen Arbeitsplatz in Paderborn zu verdanken. SCP-Coach Schmidt, der seinerzeit den Oberligisten Delbrücker SC trainierte, wurde nachhaltig auf Kara aufmerksam und behielt den Offensivstrategen im Hinterkopf. Nach seinem Wechsel zu den Preußen holte Schmidt den Türken prompt nach Münster.
"Dort habe ich eine echt erfolgreiche Zeit verbracht", bilanziert Kara. Zwei Meisterschaften und Aufstiege, drei Westfalenpokalsiege sowie die drei jeweils folgenden DFB-Pokalteilnahmen machen ihn mächtig stolz. Während seiner vier Münsteraner Jahre verpasste er lediglich zwei Pflichtspiele. Jetzt folgte Kara dem Ruf seines sportlichen Ziehvaters erneut, um seine Karriere möglichst ähnlich erfolgreich voranzutreiben. Eine wirkliche Wunschposition hat er nicht. Vielmehr sieht sich der gebürtige Türke als "echten Offensiv-Allrounder", der sich sowohl auf den beiden Außenbahnen als auch in der Spitze wohl fühlt "und eigentlich auch überall schon mal gespielt hat".
Obwohl er Paderborn als "schöne und gemütliche Stadt" bezeichnet, will Kara seinen langjährigen Wohnort Bergkamen vorerst nicht verlassen. Die täglichen 200 Pendel-Kilometer nimmt er gern in Kauf, weil der stolze Besitzer eines nigelnagelneuen 1-er BMW "auch sehr gerne Auto fährt". Außerdem soll seine Ehefrau Derya, mit der er seit zwei Jahren verheiratet ist, zunächst mal in aller Ruhe ihr erstes gemeinsames Kind in der gewohnten Umgebung zur Welt bringen, sagt Kara.
Der freut sich zurzeit "riesig" auf eine Tochter, die etwa Mitte August geboren wird. In der Familie fühlt sich der 27-Jährige ohnehin am wohlsten. Großartige Hobbys hat er nicht. Wenn das Leder ruht, ist er "eigentlich am liebsten zum Relaxen zu Hause". Natürlich pflegt er dann auch alte Freundschaften per Handy. Beispielsweise zu den Ex-SCP-Spielern David Fall oder Sercan Güvenisik, mit denen er bei den Preußen kickte. "Wir haben nach wir vor sehr guten Kontakt", erklärt Kara. Auch vor seinem Wechsel zum SCP habe er sich mit den Beiden spezifisch ausgetauscht. Einhelliger Tenor: Paderborn sei im Profi-Fußball "eine gute Adresse".