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17.09.2011
Paderborn-Fans hadern mit dem Verein und mit sich selbst
Und schon wieder keine Stimmung, SCP
VON HARTMUT KLEIMANN

Saison 2011/2012 | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. Der SC Paderborn spielt seit wenigen Wochen die sechste Zweitliga-Saison seit 2005 und belegt aktuell nach sieben Spielen Rang neun. Seit 2008 hat der ranghöchste Klub in Ostwestfalen mit der Energieteam-Arena auch die lang ersehnte neue Spielstätte. Aber dennoch herrscht Frust. Vor allem unter vielen Fans. Denn eine schmucke Arena ist die eine Seite - was dann dort stattfindet eine andere. Und nicht selten hört man den Satz: "Was war das früher im Lönsstadion für eine geile Stimmung!"

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So sieht es der Verein

Grundsätzlich, so sagt der geschäftsführende SCP-Vizepräsident Martin Hornberger, stehe man jedem Wunsch der Fans aufgeschlossen gegenüber. Allerdings komme derzeit aus Richtung der Anhänger nichts. "Vieles wäre machbar, wenn die Aktionen angemeldet und wenn die Rahmenbedingungen sichergestellt sind", so Hornberger.
Wichtig sei die Absprache mit der Feuerwehr "und dass dabei Brandlasten ausgeschlossen werden können und müssen". Auch gegen Aktionen, möglicherweise wie früher ganze Tribünenbereiche abzudecken, werde man sich nicht wehren.
Allerdings sei die Betrachtungsweise der Polizei und Feuerwehr im Lönsstadion durchaus eine andere gewesen. Zum Thema Prämie für das Nichtzünden von Feuerwerkskörpern hält er an seiner Marschroute fest. Hornberger fordert mehr Zivilcourage von den Anhängern. "Auch in Ahlen haben viele Fans, die mit im Bus waren, viel gesehen, aber nichts gemeldet", sagt der SCP-Vize.

Die Paderborner Karl Rocker, Klaus Fieber und Dirk Disselberger sind drei Fans, die schon seit Jahren ihre Leidenschaft zum Fußball und zum SC Paderborn leben. "Derzeit macht sich aber eine gefährliche Routine namens Stillstand breit", beschreiben sie die Situation aus ihrer Sicht. Der 40-jährige Dirk Disselberger nennt als Grund dafür, dass "wir als Fans keine Informationen vom Verein bekommen und nicht wissen, woran wir uns orientieren können", spricht er im Gespräch mit der NW das Thema Choreographien an. Alle drei kritisieren eine Entwicklung der Fanszene, in der ein kleiner Prozentsatz vor allem durch Zündeln und Krawalle auf sich aufmerksam mache. Der Rest - "und das ist noch viel schlimmer" (O-Ton Karl Rocker) - verfalle in pure Passivität.

Von mittlerweile 17 Fanklubs koche jeder nur noch sein eigenes Süppchen. Seit Jahren bleibe die Forderung nach einer Art Dachverband für alle Fanklubs unerfüllt. "Und die offiziellen Fanabende des Vereins kannst du ohnehin vergessen", fügt der 47-Jährige Klaus Fieber an. Der Verein sei am Zug. "Er muss ehrliche Schritte in Richtung Fans machen", fordert Karl Rocker, der selbst ein wenig müde geworden ist. "Denn mir tut die Stirn weh vom gegen die Wand laufen", sagt der 33-Jährige.
Saison 2006/2007 | FOTO: MARK KÖPPELMANN

Den heutigen Klubs gehe es nur noch ums Geld

Die Fanszene des SC Paderborn teilen die drei Anhänger in verschiedene Gruppen ein. "Es gibt Fanklubs, die wollen sich engagieren. Das sind aber höchstens drei oder vier, wenn es hochkommt", rechnet Rocker vor. Und dann seien da diejenigen, "die nur einen Fanklub gegründet haben, um sich vor, während und nach der Partie zu besaufen." Übrig blieben noch die, "die sich irgendwann gegründet haben, aber gar nicht stattfinden", kritisiert Rocker. Dem Verein sei dies aber alles egal. Den heutigen Klubs gehe es nur noch ums Geld. "Dieses elendige Sitzplatz-Getue geht auch mir auf den Nerv", sagt Klaus Fieber. Die fehlende Nähe zwischen Verein und Fans führe nicht zuletzt zu der Gewalt, die vielerorts wieder verstärkt in den Stadien Einzug hält. "Viele Fans wollen sich einfach wieder mit ihrem Verein identifizieren", so Fieber.
Gesprächsbereit | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Eine gute Möglichkeit, wieder mehr Einigkeit in die Anhängerschar zu bekommen, sehen die drei eingefleischten Fans in gemeinsamen Aktionen. Damit könne man auch der Entwicklung hin zum Krawalltum entgegenwirken. "Wenn 17 Fanklubs etwas gemeinsam organisieren, machen die Spinner vielleicht auch noch mit", ist Fieber überzeugt. Aber Zusagen des Vereins, technische Vorkehrungen im Stadion für früher so beliebte Choreographien zu installieren, seien bis heute nicht erfüllt worden. SCP-Vizepräsident Martin Hornberger räumt bei diesem Thema ein, dass dies Kostensachen seien, "die im Moment im Budget nicht enthalten sind."

Rocker und Co. geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie an das Heimspiel in der Saison 2006/2007 gegen den MSV Duisburg denken. Bei dem hatte sich vor dem Anpfiff die gesamte Fantribüne als ein riesengroßer Zoo präsentiert. Da sei im Vorfeld mit vielen Klubs und mit viel Spaß gewerkelt und gemacht worden. "Da hat uns Stadionsprecher Jürgen Lutter unheimlich unterstützt. Mittlerweile ist er bei vielen Fans aber auch unten durch", erklärt Karl Rocker, der trotz seiner gefühlten Lethargie "aber Bock darauf hätte, im Heimspiel gegen Braunschweig mal wieder eine richtig geile Choreo zu machen."

Keine Lust mehr auf den Fanblock

Zuvor aber geht es an diesem Sonntag nach Bochum. Klaus Fieber will hinfahren, wird sich aber einen Sitzplatz kaufen. "Weil ich keine Lust mehr auf den Fanblock habe", gibt er zu. In Bochum sei alles sehr eng. "Und da wird garantiert wieder gezündelt. Dann stehst du zufällig daneben und bist auch dran", nennt er seine Beweggründe.
Schlechte Erinnerungen hat Fieber an eine Zugfahrt nach Hamburg, wo er den SCP im Spiel gegen den FC St. Pauli unterstützen wollte. "Da sind ältere Personen von Paderborner Fans angepöbelt worden. Ich habe mich geschämt, habe mein Trikot ausgezogen und bin mit Bekannten mit dem Auto zurückgefahren", erzählt er von diesem Negativerlebnis.

In einem sind sie sich sicher: "Wir müssen alle näher zusammenrücken und mehr kommunizieren", sagt Dirk Disselberger und meint damit die Kommunikation zwischen den Fans, aber auch zwischen Anhängern und Verein. Eines haben sie sich geschworen - und sie hoffen dabei auch, dass viele ebenso denken: "Wir distanzieren uns von den Fans, die Pyrotechnik abfackeln. Und wir werden in Zukunft alles Auffällige melden."


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Kommentare
Find die Probleme mit den "wir brauchen" mehr Fans ist zum Teil aber auch der Infarstruktur geschuldet. Zu wenig Parkmöglichkeiten ums Stadion. Hält man irgendwo kurz an ist das Ordnungsamt da mit einem 15 € Knöllchen. Zumal die B1 relativ früh meist von der Polizei dicht gemacht wird und es an alternativen Parkplätzen fehlt kommen viele von auswärts erst gar nicht zu den ScP spielen!!

@ MB
Ich sehe jetzt kein Problem darin, wenn man " Kühe, Schweine, PAderborn". Normal singen das die gegnerischen Fans um sich über uns lustig zu machen. Wenn wir das aber selbst singen, geht das nichtmehr, Und Lieder wie z.B. DIe NR 1 in OWl werden doch immer von solchen Leuten wie den Pader Patrioten angestimmt...
NUr weil der Capo ein ULtra ist wo ist das Problem? Das ist fast überall so ...andere haben damit kein Problem. Er singt doch die normalen Gesänge die jeder Capo singen würde also könnten ja auch einfach mal alle mitsingen...

@SCLer:
nur zur Info: Beim letzten Heimspiel der Saison 2010/2011 war bei den genannten Songs Karl Rocker der Capo.

Ob Herr Storch seine Sache als Cappo gut oder schlecht macht ist eher eine persönliche Ansichtssache.
Die Tatsache, das er aus dem Bereich der Ultra-Szene kommt wird durch viele Fans der Südtribüne offenbar nicht possitiv gewertet und führt zu einen weitestgehenden Verzicht auf einen gemeinsamen Support. Ist halt keine Abstimmung nicht mit den Füßen sondern mit der Stimme.
Vielleicht einfach mal die Tatsachen akzeptieren und den Stab des Handelns ( zumindest zeitweise) weiterreichen.
Bleibt es weiterhin be ieiner "Führung" durch die schwarze Fraktion wird sich die Stimmung bei den Heimspielen vermutlich weiterhin verschlechtern.

Aber mal was anderes: also der Storch macht das schon ganz gut. Über Gesänge kann mit sich natürlich sicher streiten, aber an sich ist der schon in Ordnung.

Für mich wäre wichtiger, dass Gesänge aus anderen Teilen der Südtribüne (nicht nur hinter dem Tor) auch unterstützt würden, damit auch die sich durchsetzten können, wenn von "außen" was angestimmt wird...

Und man sollte mehr auf den Spielverlauf reagieren, statt z.B. bei einer krassen Fehlentscheidung des Schiri stumpf sein Liedchen zu ende zu singen... Da muß auch mal die Hütte brennen, indem alle auf sowas reagieren!



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