Frankfurt. Eigentlich weiß Nick Proschwitz manchmal schon gar nicht mehr, was er aktuell sagen soll. Die Zahl der Interviews ist angesichts der Paderborner Erfolgsgeschichte in der 2. Fußball-Bundesliga enorm gestiegen. Und an dieser Serie hat der Torjäger einen großen Anteil. Auch in Frankfurt stand er am Freitagabend im Mittelpunkt. Dort erzielte der gebürtige Weißenfelser seine Treffer acht und neun und sicherte seiner Elf damit zumindest ein 2:2-Remis. Spätestens beim Abpfiff war ihm klar: Jetzt sind wieder eine Menge Fragen zu beantworten.
Aber auch diese Pflicht absolvierte der lange Offensivspieler ganz im Stil eines Profis. Nein, er antworte sogar sehr gern, "weil es im Moment für mich sehr gut läuft", sagte er, um sich gleich zu verbessern. "Für uns alle läuft es gut, obwohl wir heute kein gutes Spiel gezeigt haben", sagte er aus Sicht des Teamplayers. Mit seiner eigenen Leistung war er sehr wohl zufrieden und deshalb nach 90 Minuten im Nieselregen besonders froh, noch einen Punkt mitgenommen zu haben. So blieb ihm das Schlimmste für einen Stürmer erspart: Zwei Tore zu schießen und als Verlierer vom Platz gehen.
Für den aus der Schweiz zum SC Paderborn gewechselten Fußballer waren die beiden Treffer in der 6. und 73. Minute auch so eine Art vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Am kommenden Montag wird Nick 25 Jahre jung. "Ich bin eigentlich einer, der keine großen Geschenke erwartet", verriet er. Aber am Montag sei ja die Jahreshauptversammlung seines Vereins. "Mal sehen, was die sich einfallen lassen", brachte er das Präsidium mit einem Schmunzeln ein wenig in Zugzwang.
Für Paderborns Trainer Roger Schmidt sind die Treffer seines gesetzten Offensivspielers keine Überraschung. "Nick ist nicht erst seit heute mit seinen beiden Toren eine feste Größe. Er arbeitet immer sehr viel für die Mannschaft und hat mit dem SC Paderborn offensichtlich einen Verein gefunden, bei dem er sich sehr wohl fühlt", glaubt der Trainer.
Proschwitz selbst geht alle Fragen nach den Zielen seiner ganz privaten Ausbeute weiter sehr bescheiden an. "Ich setzte mich bei der Anzahl der Tore nicht unter Druck. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben. Mal sehen, was am Ende dabei heraus kommt", sagte er. Da lassen ihn auch die 15 Saisontreffer eines Mahir Saglik aus der Serie 2009/2010 erst einmal kalt. "Was früher war, ist vorbei. Ich schaue nur auf mich selbst", stellte er nach der Partie klar. Dann aber wurde ihm doch bewusst, dass er auf dem Weg, den wirklich guten Wert von Saglik vielleicht doch zu toppen, schon ein gutes Stück gegangen ist. Neun Tore hat er jetzt auf seinem Konto. "Das sind dann nur noch sechs", merkte er völlig richtig an.
Übrigens ging dann in Frankfurt doch eine Serie der Ostwestfalen zu Ende. Bisher war das Schmidt-Team neun Mal in Führung gegangen und hatte stets gewonnen. Auch in Frankfurt führte der SCP früh, aber das reichte nur zum Remis. Dank Torjäger Nick Proschwitz.