SC PADERBORN: Ein enttäuschter Präsident Finke findet nicht nur lobende Worte für seinen Ex-Trainer
Paderborn. Ob Spiel der Spiele oder Spiel des Jahres. Dem Superlativ sind hierzulande in diesen Tagen Tür und Tor geöffnet. Fakt ist: Zwischen dem SC Paderborn und dem FC St. Pauli kommt es heute Abend zum kleinen Gipfeltreffen in der Zweiten Fußball-Bundesliga (18 Uhr, Energieteam-Arena). Immerhin erwartet der überraschende Tabellenfünfte den Kult-Klub vom Kiez, der vor diesem 17. Spieltag in der Tabelle nur um drei Punkte besser auf dem dritten Rang platziert ist.
Längst ist auch Paderborns Präsident vom Virus einer "ganz besonderen Begegnung" erfasst worden. Jedenfalls freut sich Wilfried Finke auf einen "dollen Fußballabend" und die "tollen Fans" beider Kontrahenten, die dem SCP pünktlich zum Hinrundenschluss erstmals in dieser Saison ein proppevolles Haus bescheren. "Auch die Spieler-Scouts werden scharenweise ins Stadion strömen", weiß der Möbel-Multi. Seit ihrer Inbetriebnahme ist die Energieteam-Arena erst zum insgesamt vierten Mal ausverkauft. Paderborns Ex-Trainer und St. Paulis Stanislawski-Nachfolger Andre Schubert macht’ s offensichtlich möglich.
Trotz nach wie vor großer Wertschätzung gegenüber dem ehemaligen Coach, hält der SCP-Präsident dennoch einen gewissen Wermutstropfen parat, wenn er seine ganz persönliche Gefühlswelt nach der Schubert-Ära in Paderborn befragt. Dessen "großer Fußball-Sachverstand" stünde natürlich außer Frage, sagt Finke, "aber ein gutes Auge" für die Qualität von Neuverpflichtungen habe er nun mal nicht bewiesen. Sowohl Nejmeddin Daghfous ("Ein durchschnittlicher Drittligaspieler mit desaströsem Stellungsspiel"), Nico Klotz, David Jansen als auch ein Philipp Heithölter hätten kaum Nennenswertes bewirkt, urteilt der SCP-Boss.
"Und Edmond Kapplani und Daniel Masuch waren beispielsweise meine Personalentscheidungen", so Finke. Nicht begeistert sei er auch von Schuberts einzigem Grund, der im Sommer 2011 zur Trennung geführt hätte, ergänzt der SCP-Boss, schließlich sei dem aktuellen St.-Pauli-Coach in Paderborn eine Karriere vom Jugend-Koordinator bis hin zum Zweitliga-Trainer ermöglicht worden. Als ihn das Präsidium dann im Vorfeld der laufenden Spielzeit mit der beabsichtigten 10- bis 15-prozentigen Etatkürzung konfrontiert habe, "war er nicht bereit, mit uns auch diesen schwierigeren Weg zu gehen", kritisiert Finke, "das hat mich schon enttäuscht." Auf Anhieb sei die Trennung sicher "ein Verlust" gewesen. "Aber wir haben uns ja auf gar keinen Fall verschlechtert", spart der SCP-Präsident nicht mit Fleißkärtchen für Schuberts Nachfolger Roger Schmidt. Der sei "äußerst jovial" und habe menschlich eine "hohe Qualität", die sich nun mal bei der Spielfreude des kompletten Teams widerspiegele, ist Finke auch mit seiner jüngsten Wahl des Cheftrainers inzwischen "mehr als zufrieden".