Paderborn. Nur wenige Sekunden nach Spielschluss eilte Lukas Kruse am Freitagabend schnurstracks in die Kabine. Völlig angesäuert über das späte und gleichwohl abwendbare Schicksal des in der Nachspielzeit kassierten 1:1-Ausgleichstores wollte der Torhüter des SC Paderborn nach dem unglücklichen Remis gegen den FC St. Pauli zunächst ganz offenkundig mit sich und der Welt allein sein.
Von der just am eigenen Leibe erfahrenen Version des "unglücklichsten Spielverlaufs, den es gibt", haderte auch SCP-Innenverteidiger Sören Gonther anschließend mit dem Verlust zweier an sich schon sicher geglaubten Punkte. Leider fehle jetzt die Kirsche auf der Sahnetorte, befand der Defensivstratege, "aber wir haben dem FC St. Pauli absolut Paroli geboten und etliche Nadelstiche gesetzt." Klar, dass das Wörtchen bitter nach dem Schlusspfiff in der ausverkauften Energieteam-Arena die im Lager der Platzherren wohl am häufigsten verwendete Vokabel war. Nick Proschwitz ("Die Situation war dumm und ist kaum in Worte zu fassen") hatte die Fassung aber schnell wiedergewonnen.
Paderborns Führungstorschütze, dessen insgesamt zehnter Saisontreffer diesmal keine drei Zähler wert war, haderte zwar auch mit dem Fluch des späten Gegentreffers, dennoch freute sich der Goalgetter viel mehr über "unsere tolle Serie von 13 Spielen ohne Niederlage und eine souveräne Hinrunde". Darauf dürfe das Team stolz sein, rückte Proschwitz statt dessen die wesentlichen Fakten der jetzt 17 absolvierten Saisonspiele in den Vordergrund.
Den sicheren Sieg längst im Hinterkopf abgespeichert, hatte auch Markus Krösche im Nachhinein noch einige Verdauungsprobleme. "Du brauchst einfach ein bisschen Zeit, um damit klarzukommen", hatte auch die Euphorie des SCP-Kapitäns in der Schlussphase ein wenig gelitten. Insbesondere der Zeitpunkt des Gegentreffers sei sehr ungünstig gewesen, so Krösche, "weil du anschließend nicht mehr reagieren kannst".
"...dann fällt er dem Glücklichen auf die Birne"
Angesichts der besten Hinrunde in der Zweitliga-Vereinsgeschichte, die für den SCP beinahe ohne Hindernisse über die Bühne ging, überwogen nach dem Schlusspfiff auch bei Roger Schmidt die schönsten Momente der vorausgegangenen Monate. Auch das Unentschieden gegen die Hanseaten wertete Paderborns Cheftrainer trotz allem als ein positives Abschneiden seines Teams. "Unser Ziel, den Zuschauern ein großartiges Spiel zu zeigen", sei mit der jüngst präsentierten Leistung vollends erfüllt worden, resümierte der Fußball-Lehrer.
Durch den finalen Ausgleich, den Fabian Boll nach einer Freistoßflanke von Max Kruse erzielte, ließ sich Schmidt auch gar nicht erst großartig aus der Fassung bringen. Von Schuldzuweisungen keine Spur, nur eine ganz einfache Erklärung: "Zweiundzwanzig Spieler springen zum Ball, dann fällt er dem Glücklichen auf die Birne", der in diesem Falle leider ein St. Paulianer gewesen sei.
Schade, am Freitag wäre natürlich die Riesenüberraschung möglich gewesen. Aber da fehlte dann doch die Cleverness einer Spitzenmannschaft.