Bielefeld/Paderborn. Wie in jeder Sportart stehen die Schiedsrichter auch beim Handball oft im Fokus der beiden wettstreitenden Parteien. "Eigentlich sage ich ja grundsätzlich nichts zu den Schiris", eröffnet bei der sonntäglichen Berichterstattung der Trainer manches Mal einen düsteren Rapport über das vermeintliche Unvermögen der Referees.
Dabei wird oft vergessen, dass die Spielleitung beim Aufeinandertreffen erfolgshungriger Ballwerfer nur selten einfach ist. Andererseits schwingen sich auch Unparteiische gelegentlich auf ein zu hohes Regel-Ross, von dessen Rücken ihnen eine normale Kommunikation mit den Sportlern nicht mehr gelingt.
Seltener als Beschwerden über Referees kommt das andere Extrem vor: Die Schiris werden nicht oft gelobt. Deshalb war es auffällig, dass in der jüngeren Vergangenheit ein Gespann gleich zwei Mal positiv von den Trainern hervorgehoben worden. Christian Heidemann von den Frauen des TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck II sowie Schildesches Uwe Hundhausen waren sehr zufrieden mit dem Zwillingsgespann Burkhard und Roland Feige. Wenn man bedenkt, dass die beiden erst seit dieser Saison gemeinsam pfeifen und bisher lediglich acht Spiele leiteten, ist das eine unglaubliche Quote.
Dabei ist der ältere Burkhard ("15 oder 20 Minuten") ein Grünschnabel. Er machte erst vor dieser Serie seinen Schiedsrichterschein. "Da war ich einer der Ältesten", erklärt Burkhard. Bruder Roland ist schon länger an der Pfeife und war früher bis zur Frauen-Verbandsliga und Herren-Landesliga dabei. Im Hauptberuf ist der als Koordinsator für das Vereinswesen bei Klingenthal Sport übrigens fest in Paderborn verwurzelt.
Nachdem Burkhard dann sein Traineramt bei den Frauen von TuRa 06 Bielefeld aufgegeben hatte, nervte der Jüngere den Älteren damit, dass man doch gemeinsam pfeifen könne. "Wenn du jahrelang etwas im Handball gemacht hast, kannst du doch nicht aufhören. Das ist doch wie eine Sucht. Meine Schwägerin hatte ich jedenfalls sofort auf meiner Seite", meint Roland grinsend, während sein Zwilling ein positives Zwischenfazit zieht. "Es macht wirklich Spaß."
Dass die Mannschaften bisher mit den Feiges zufrieden gewesen sind, mag auch daran liegen, dass die Zwillinge nur schwer zu unterscheiden sind. Gängige Handballer-Vorurteile ("Der kleine Dicke hat nur gegen uns gepfiffen") fallen da ziemlich schwer. Wahrscheinlich liegen die Brüder aber auch auf einer besonderen Wellenlänge. Die Eingewöhnungszeit, die neue Gespannpartner normalerweise benötigen, fällt jedenfalls in diesem Fall weg. "Die haben wir ja lange genug gehabt. Für Absprachen genügt ein Blick", sagt Roland Feige.
Dabei läuft es bei den Feiges auch schon mal wie bei einem alten Ehepaar. Der jüngere Roland übernimmt den Part der Ehefrau und ist im Zwillings-Gespann zuständig für die Organisation. "Burkhard kann gut delegieren", umschreibt Roland Feige noch recht blumig, was sein Pendant auch sofort zugibt. "Ich bin bei der Planung der Termine ein bisschen faul."
Derzeit lassen sich die beiden sogar beobachten. "Ob wir wirklich aufsteigen wollen, weiß ich nicht", sagt Burkhard Feige, wenngleich er sich mit seinem Bruder "Herren-Bezirksliga oder Frauen-Landesliga schon zutrauen" würde. "In dem jungen Alter, dass es noch höher gehen könnte, sind wir ja sowieso nicht mehr."
Ihr erstes Highlight hatten die Brüder, die im Mai ihren 50. Geburtstag feiern, beim Kreispokal. Die Leitung des Frauen-Endspiels war ein erstes Etappenziel, das sich die Zwillinge gesetzt hatten. Mal sehen, was in der Zukunft noch folgt.