Chemnitz. Die deutsche Popmusik steht Kopf. Seit ein paar Tagen führt eine Band aus Chemnitz die Album-Charts an. "Mit K" von "Kraftklub" stieg kometengleich von Null auf Eins. So verhelfen die fünf Jungs aus dem früheren Karl-Marx-Stadt der nach der Wende doch arg gebeutelten ehemaligen Industriemetropole zu frischem Glanz. Am Samstag bekamen auch die Paderborn Baskets die neue Energie der Sachsen zu spüren. Das Webmoebel-Team führte im Zweitligaspiel bei den BV 99ers schon mit 16 Zählern (31:15) und unterlag doch noch 65:71.
Der Spielausgang war auch einem Publikum geschuldet, das bei Thomas Glasauer einen bleibenden Eindruck hinterließ. "Die Kulisse war unglaublich. Ohne diese verrückten Fans hätte Chemnitz wohl nie gewonnen", beschrieb Paderborns Trainer die Atmosphäre in der Paul-Hartmann-Halle, wo knapp 2.000 Zuschauer die Baskets-Freiwurfquote (10/20) in zuvor nicht gekannte Tiefen drückten und wohl auch die Unparteiischen beeindruckten. Die bewerteten ein Stommes-Foul an Gary Johnson kurz vor dem Ende des dritten Viertels beim Stand von 52:52 zum allgemeinen Erstaunen der Gäste als "Unsportlich". Johnson verwandelte zwei Freiwürfe und traf anschließend den einzigen von insgesamt elf Dreierversuchen.
So gingen die Hausherren mit einem 57:52 in den Schlussabschnitt und brachten die Partie über die Zeit. "Das Momentum lag dann bei den Chemnitzern. Für uns ging es nur noch darum, den direkten Vergleich zu retten", betonte Glasauer, der dieses Minimalziel unter dem Verzicht auf taktische Fouls dann auch noch realisierte.
"Ich habe mehr positive als negative Dinge gesehen", zog der Coach nach der achten Saisonniederlage letztlich keine unzufriedene Bilanz. So habe sein Team in den ersten zehn Minuten, die Paderborn 28:15 gewann, überragend gespielt. Als die Gäste ab Minute 11 eine knüppelharte Defense auspackten, habe auch das Halbfeldspiel phasenweise gut funktioniert.
In dem mussten die Paderborner auf Justin Stommes weitgehend verzichten. Der etatmäßige Topscorer war kein Faktor. "Ich muss Justin kritisieren. Er war zu passiv"", sagte Glasauer über den Shooting-Guard, der in mehr als 30 Minuten Einsatzzeit nur ganze fünf Würfe nahm.
So fehlte den Ostwestfalen im Schlussviertel die entscheidende Option. "Justin war nicht da. Ben Spöler, Michael Jost und Michael Fleischmann waren hoch foulbelastet", beschrieb der Coach die letzten Minuten in Chemnitz, wo Jamar Diggs in die Bresche springen wollte und an seiner schwachen Wurfquote scheiterte. "Uns fehlte der eine erfahrene Akteur, der es in der Schlussphase rausreißt", betonte Glasauer. Kraftklub hat das passende Stück für die Situation. Die erste Single-Auskoppelung heißt "Zu jung".