Schloß Holte-Stukenbrock. Das Logo auf dem Rücken von Thomas Jurkschat scheint von Wundersamem zu künden. Ein Behinderter erhebt sich Stück für Stück aus seinem Rollstuhl, hechtet Richtung Wasser - und wird zum Taucher. Dass das Logo des "Handicaped Scuba Diving" des Tauchclubs Aquatica nicht zu viel verspricht, können viele nicht glauben. Auch eine Gruppe Behinderter aus Hamburg, die gestern im Gartenhallenbad zu Gast war, zeigte sich zunächst skeptisch.
Jurkschat und seine Mitstreiter vom Tauchclub brauchten jedoch nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um den Gästen aus der Hansestadt die wohl wichtigste Nachricht zu vermitteln. "Jeder kann tauchen", sagt der Tauchlehrer bestimmt. Als lebendiger Beweis war dafür Aquatica-Mitglied Matthias Klei mit von der Partie. Der körperbehinderte Wassersport-Fan ist seit über vier Jahren im Club aktiv und genießt jeden Tauchgang wie einen Abstieg in eine völlig andere Welt. "Für ihn ist das Wasser wie eine Therapie", sagt Thomas Jurkschat. Matthias Klei ist Spastiker, weshalb seine Muskulatur nahezu permanent unter Spannung steht. "Wenn er taucht, kann man ganz genau sehen und spüren, wie er sich entspannt und lockert", sagt Jurkschat.
Doch während Matthias Klei bereits ein erfahrener Taucher ist, der sich mit Hilfe zweier weiterer Taucher routiniert in der Schwerelosigkeit des Wassers bewegt, blickten die Mitglieder der zur Zeit in Augustdorf urlaubenden Norddeutschen zuvor mit vorsichtiger Zurückhaltung auf die Ausrüstung, die ihnen im Schulungsraum des Gartenhallenbades präsentiert wurde. Nach und nach legten die Tauchschüler jedoch ihre Scheu ab, stellten Fragen oder probierten Taucherbrille und Atemregler aus.
Am Becken des Gartenhallenbades kann man die Aufregung der Gruppe förmlich spüren, als Thomas Jurkschat sowie Michael und Anke Heiden Matthias Klei aus seinem Rollstuhl in das 1,40 Meter tiefe Becken bewegen. Kleis strahlendes Gesicht verschwindet unter einer Vollgesichtsmaske, anschließend verschwinden die Taucher unter der Oberfläche. Die inzwischen ebenfalls im Becken schwimmenden Mitglieder der Gruppe sind begeistert und beobachten mit Taucherbrillen gebannt, was unter der Wasseroberfläche geschieht. Andere löchern Jurkschat und die weiteren Aquatica-Mitglieder mit Fragen.
Das Projekt "Tauchen lernen für Menschen mit Behinderung" wird vom Tauchclub immer intensiver betrieben. "Wir haben inzwischen drei eigens dafür ausgebildete Tauchlehrer im Verein", sagt Jurkschat. Zudem stehen zwei Physiotherapeuten und vier geschulte Tauchpartner, sogenannte "Dive Buddies" den Schülern zur Seite.
Einen richtigen Tauchgang durften die Hamburger noch nicht absolvieren. Doch das Interesse und die Faszination an dem Wassersport ist bestimmt geweckt worden.