Warburg. Springreiterin Anna-Maria Jakobs aus Diemelstadt hat den mit 60.000 Euro dotierten "Großen Preis" beim Maimarkt-Turnier in Mannheim gewonnen. Die 26-Jährige setzte sich mit dem 14-jährigen Oldenburger Hengst Lausejunge vor 7.000 begeisterten Zuschauern im Stechen fehlerfrei in 38,79 Sekunden gegen den viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum (Riesenbeck) auf Couleur Rubin (0/40,03 Sek.) durch. Beerbaum entschied damit das interne Stallduell, sein Angestellter Marco Kutscher kam mit Clintus nach einem Abwurf auf Platz vier. Dritter wurde der Ire Cameron Hanley mit Southwind (0/40,39 Sek.).
Die 26-jährige Vize-Meisterin der Springreiterinnen des Jahres 2005 hatte bei der so genannten "Badenia" die Zuschauer auf ihrer Seite, die sie im Umlauf durch Zurufe auf eine falsche Wendung aufmerksam machten. Nach ihrem Sieg wandte sich die für den RV Warburger Land gemeldete Reiterin denn auch direkt an die Zuschauer: "Sie haben mir so tatkräftig geholfen hat, als ich ein wenig desorientiert war", erklärt die Springreiterin. Nach einer schwierigen Linie über Wassergraben und Doppel-Oxer war Jakobs nach rechts abgebogen. "Links", schallte es aber aus tausenden Kehlen. "Da ist mir bald das Herz stehen geblieben", erinnert sich Anna-Maria Jakobs mit einem Schmunzeln an diese kollektive Hilfe.
2007 gewann Anna-Maria Jakobs mit Lausejunge in Münster ihren ersten Großen Preis. "Dieser Wettbewerb war von der Schwierigkeit genauso einzustufen", meinte Vater Hermann Jakobs. Der Parcours und die Konkurrenz waren nach seiner Ansicht schon große Klasse. "Lausejunge ist zwei Jahre älter, aber Anna-Maria hat auch zwei Jahre mehr Erfahrung. Das hat in Mannheim perfekt gepasst", bilanziert der Unternehmer, der sich auch über die Anerkennung der Konkurrenz freut. Die Telefone standen gestern den ganzen Tag nicht still, per SMS gratulierte auch Markus Ehning.
Nur nicht Vierte werden, dass war für die Diemelstädterin vor dem Stechen die Devise. "Ich wusste, dass die drei Männer schnell reiten können, da musste ich eine gute Zeit vorlegen, das ist mir auch super gelungen. Lausejunge liebt diese schnellen Ritte. Er hat eine enorme Grundschnelligkeit und verliert auch in der Luft nicht viel Zeit", erklärt die Springreiterin. Als die von Hans-Thorben Rüder trainierte Reiterin nach dem letzten Hindernis im Galoppsprung die Lichtschranke durchquerte hatte, wusste sie gleich: das ist eine Superzeit, die die Konkurrenz unter Druck setzt. Hanley und Kutscher waren das Stechen etwas vorsichtiger angegangen, wobei Kutscher nach einem Abwurf sowieso aus dem Rennen war. Ludger Beerbaum ging als Vierter in den Parcours. Enorm schnell ging er das Springen an, um sich nach 1992 und 2001 zum dritten Mal den Großen Preis zu sichern, aber bei einer Abkürzung hatte sich Beerbaum verschätzt und musste damit alle Siegchancen begraben.
Anna-Maria Jakobs hatte sich derweil auf dem Abreiteplatz abgelenkt und den Turnierverlauf durch die Publikumsreaktionen verfolgt.
"So ein Erfolg gibt Sicherheit, jetzt müssen die Pferde nur locker bleiben"
Die Diemelstädterin hatte sich mit dem achtjährigen Hengst Credo in der Qualifikation für den Großen Preis ebenfalls hervorragend präsentiert. "Das hat der förmlich mit links gemacht", berichtet die Betriebswirtin stolz, immerhin war dies der erste richtig große Auftritt der beiden. Dieses Risiko, ein weniger erfahrenes Pferd einzusetzen, ist die Familie Jakobs bewusst eingegangen.
"Lausejunge hätte sonst acht Prüfungen gehen müssen", sagt Hermann Jakobs. So kam denn auch Quito (7) zum Einsatz, mit dem Anna-Maria Jakobs zwar stürzte, aber dennoch zufrieden war. "Der hat in Mannheim viel gelernt". Überhaupt war das Turnier in Mannheim in den Augen der Familie Jakobs ein tolles Turnier. "Ich war in allen großen Prüfungen platziert und die Organisation war wirklich perfekt", freut sich die junge Reiterin über die Erfolge im eigens für die EM gebauten Reitstadion.
Jetzt erhalten Quito, Credo und Lausejunge erst einmal eine Pause, während Anna-Maria Jakobs am Wochenende in Bad Arolsen reiten wird. In zwei Wochen steht Pforzheim auf dem Programm. Die Betriebswirtin, die nach ihrem Studium im väterlichen Betrieb halbtags als Assistentin der Geschäftsleitung arbeitet, richtet ihren Blick aber auch schon auf die Deutschen Meisterschaften in Balve in sechs Wochen, wo sie mit Credo und Georgenhofs Lausejunge nach dem Mannheimer Erfolg Chancen hat. "So ein Erfolg gibt Sicherheit, jetzt müssen die Pferde nur locker bleiben", meint die Diemelstädterin ganz entspannt.