Borgentreich. Er ist mit 42 Jahren der älteste Spieler auf dem Platz, zwischen Jungspunden wie Florian Hoffmann (20), Edgar Luft oder Timur Sander (beide 18), dessen Vater er gut und gerne sein könnte. Doch er fällt nicht auf. Er steht seinen Teamkollegen in puncto Athletik, Spritzigkeit und Spielwitz in nichts nach. Oldie Jürgen Voss geht im Dress des VfR Borgentreich seit dem fünften Spieltag der Kreisliga A auf den Fußballplätzen im Warburger Land wieder auf Torejagd.
Getreu dem Motto "Oldie, but Goldie" scheint Voss wie ein guter Wein zu reifen. Für den Angreifer schließt sich mit dem erneuten Engagement beim VfR der Kreis einer bewegten Karriere: Voss begann seine Laufbahn im Seniorenfußball 1985 beim VfR Borgentreich, für den er auch schon in der Jugend aktiv war. Nach zwei Jahren A-Liga-Fußball zog es den jungen und talentierten Stürmer zur Spielvereinigung nach Brakel, wo er jedoch nur ein halbes Jahr in der Verbandsliga spielte, bevor es ihn in der Winterpause 1987 zurück nach Borgentreich zog. Nach zwei Bezirksligaaufstiegen startete Voss 1994 einen zweiten Versuch in Brakel. Dort spielte er in der Amateuroberliga, bevor er wiederum zurück zum VfR ging, den er vier Jahre lang als Spielertrainer in der Bezirksliga betreute.
Vier Jahre bei den Sportfreunden Warburg aktiv
Das Amt als Coach auf dem Spielfeld übernahm Voss 2002 dann bei den Sportfreunden aus Warburg für vier Jahre, in denen er zwei Serien in der Landesliga spielte. Im Anschluss heuerte Voss beim FC PEL an, den er ebenfalls als Spielertrainer bis zur Winterpause der vergangenen Saison betreute, bevor es für ein halbes Jahr als Spieler zurück nach Warburg ging.
Nach der vergangenen Saison wollte Voss eigentlich nur noch für die Alte-Herren-Mannschaft des VfR Borgentreich auflaufen, jedoch konnte ihn Dieter Cloidt, Coach der ersten Mannschaft, davon überzeugen, noch einmal für eine Halbserie die Stiefel in der A-Liga zu schnüren. "Eigentlich wollte ich kürzer treten, jedoch kam Dieter auf mich zu und bat mich, bis zum Winter auszuhelfen. Ich hoffe, dass sich die Personalsituation bis dahin wieder verbessert hat", erläutert Voss, warum er noch einmal angreift.
Das Geheimnis der ewigen Jugen" sieht Voss in der akribischen Trainingsarbeit: "Ich habe nicht in einer einzigen Vorbereitung gefehlt und auch seit 27 Jahren keine ernsthaften Verletzungen erlitten. Da gehört auch eine Menge Glück dazu. Besonders wichtig ist jedoch das regelmäßige Training, denn man muss immer im Saft bleiben. Es ist entscheidend, wie man die Sachen angeht."
In Sachen Einstellung glaubt Voss, seinen jungen Teamkameraden einiges mitgeben zu können: "Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Man darf sich nicht ausruhen und muss immer an sich arbeiten. Wenn man keine Lust hat, sich zu quälen, dann hat man auch keinen Erfolg." Auch Coach Dieter Cloidt sieht einige Vorzüge seitens seines ältesten Akteurs, der in dieser Serie schon dreimal getroffen hat: "Jürgen gibt viele taktische Anweisungen von innen. Er motiviert die Leute und sie können sich an ihm hochziehen." Die Spielweise des jungen Jürgen Voss unterscheidet sich etwas von der jetzigen. So sei Voss nach eigenen Angaben in jungen Jahren oftmals etwas zu eigensinnig gewesen. "Heute ist das nicht mehr so. Das ist der Erfahrung zuzuschreiben", so Voss. Eines hat sich jedoch seit der Jugend nicht geändert: "Ich will immer Gas geben und habe immer alles rausgeholt - über die gesamten 90 Minuten."
Auch der Altersunterschied sei laut Voss kein Problem, zumal er Unterstützung von weiteren "betagten" Männern erhält: "Natürlich haben die jungen Leute andere Interessen, aber Benno Herbold und Dieter sind ja auch in meinem Alter." Besonders Herbold lebt mittlerweile von seiner langjährigen Erfahrung. "Einen Jungbrunnen gibt es bei uns in Borgentreich jedoch nicht", so Cloidt. Nach der Winterpause soll dann endgültig Schluss sein für Jürgen Voss, der in Zukunft mehr Zeit für die Familie haben möchte und deshalb auch ein Traineramt vorerst ausschließt. Dann könnte auch der junge Tobias Cloidt, der nach einem unglücklichen Bezirksligajahr auf eigenem Wunsch in der zweiten Mannschaft spielt, wieder zu einer Alternative werden. Dass der Sohn des Trainers ein riesiges Potential hat, steht außer Frage. Ein Hintertürchen lässt sich Voss jedoch noch auf. "Es ist schwer zu sagen, aber ich glaube doch, dass im Winter Schluss ist", antwortet der Oldie schmunzelnd auf die Frage, ob es nicht doch ein wenig länger gehen würde.