Lauenförde. Nervenkrieg in Lauenförde. "Der Verein zerstört meine Familie", sagt der eine. "Der Verein ist existenziell bedroht", sagt der andere. Rechtsanwälte sind tätig. Der Kreis Holzminden ist eingeschaltet. Wird bald kein Fußball mehr in Lauenförde gespielt? Es geht um den Spielbetrieb und um einen Nachbarn, der dagegen angeht.
Noch sind die Gerichte nicht eingeschaltet, noch findet zwischen den Parteien ein Dialog zumindest in eingeschränkter Form statt. Deshalb sehen beide Parteien das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen. Doch das Ganze eskaliert und wenn Trainings-und Spielbetrieb nach dem Winter wieder aufgenommen werden, könnte es zu neuen Auseinandersetzungen kommen.
Behörde kann Zeiten festlegen
Innerhalb des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BimschG) regelt die Sportstättenlärmverordnung das rechtliche Nebeneinander von Sportlern und Anwohnern. Für den Gesamtlärmpegel sind konkrete Grenzwerte vorgegeben. Dabei spielt der Gesamtlärm der Region ebenfalls eine Rolle. Die zuständige Behörde kann Betriebszeiten für eine Sportanlage festlegen, soll aber möglichst davon absehen. Die Behörde ist auch gehalten, bei angeordneten Maßnahmen entsprechende Fristen zu setzen, die bis zu zehn Jahren gehen können.
Heinrich W. ist die Sache leid. Er ist Nachbar des SC-Geländes. Der Klub hat inzwischen zwölf Mannschaften und weiß so schon nicht mehr, wie er Training und Spiel aufrecht erhalten soll, wenn demnächst noch durch Supermarkt-und Sporthallenbau bisher genutztes Gelände wegfällt. Aber genau darum geht es Heinrich W. "Das ging alles bis vor ein, zwei Jahren. Doch der Lärm wird immer mehr und seit dem der neue Vorstand tätig ist, wird keine Rücksicht mehr genommen. Das Sportheim wird als Gaststätte geführt, ständig wird Rasen gemäht und das Torschusstraining findet extra auf unserer Seite statt", nennt Heinrich W. nur drei Gründe, warum es ihm reicht. "Es geht schlicht und einfach um meine Familie, die daran kaputt geht."
Nachbarn fühlen sich genervt - und schweigen
W. ist zwar der einzige Beschwerdeführer - sieht sich aber nicht allein." Die ganzen Nachbarn fühlen sich genervt- sagen aber offiziell nichts." W. sieht sich zudem provoziert. "Die sitzen auf diesem lauten Rasenmäher, fahren extra in der Runde und winken mir noch zu", schildert er eine Szene. "Wenn er mit der Kamera hinter dem Fenster liegt, kann das schon mal vorkommen, dass gewunken wird", kommt es aus dem Verein. Dessen Vorsitzender Frank Knolle allerdings versucht alles, um das Ganze auf sachliche Ebene zu bringen.
"Natürlich sehe ich die Existenz unseres Vereins bedroht, wenn das so weitergeht. Ich sehe die Wünsche und Forderungen des Beschwerdeführers und wir werden alles tun, um dem entgegenzukommen. Ich denke nur, danach kommen wieder neue Sachen auf den Tisch. Wir haben jetzt jedenfalls auch einen Anwalt eingeschaltet, um uns sachkundig zu machen, was wir dürfen und was nicht."
Dabei bietet Knolle schon einiges an: Das Vereinsheim wird nur noch bis 22 Uhr betrieben (draußen jedenfalls), Rasen wird zu korrekten Zeiten gemäht und das Torschusstraining findet zur anderen Seite statt. Vorschläge des SC. "Jetzt kommt er aber noch mit seinem Anwalt und will die Emissionen der Flutlichtanlage untersuchen", begründet Knolle seine Befürchtung , dass Forderungen ohne Ende gestellt werden könnten. Die sonntäglichen Lautsprechernutzungen sind dabei fast nur ein Randthema.
Gutachter-Kosten können in die Höhe schießen
Der zuständige Sachgebietsleiter beim Landkreis Holzminden, Ulrich Kleine, ist eingeschaltet und hatte die Parteien auch schon an einem Tisch. "Ich sehe die Rechte, die die Anlieger haben, aber auch die Rechte des Vereins, der seine Sportanlage dort nutzen darf", sagt Kleine. "Es gibt auch Forderungen, denen der Verein mit relativ geringem Aufwand schnell nachkommen kann. Was teuer und schwierig werden könnte, ist die Feststellung von Lärm. Da kann man nicht einfach messen, da müssen Gutachter eingeschaltet werden und die Kosten gehen schnell in einen hohen vierstelligen Bereich", erklärt Kleine weiter, der gerade wegen dieser Kosten hofft, dass sich die Parteien einig werden. "So lange miteinander gesprochen wird, so lange besteht die Hoffnung, dass keine Gerichte eingeschaltet werden.
Nach der letzten Gesprächsrunde liegen den Parteien nun die Vorschläge der jeweils andere Seite vor. Ende offen. "Wenn die Parteien sich nicht einigen, dann werden wir eine Entscheidung treffen", sagt Ulrich Kleine. Damit wäre dann aber der Rechtsweg für alle eröffnet, mit allem, was dazu gehört.