FUSSBALL: Personelle Lage bei der Spvg. Brakel wird immer dramatischer
Brakel. Dass die SpVg Brakel personell auf äußerst dünnem Zahnfleisch geht, wird von den Verantwortlichen immer oft und gern betont. Wie dramatisch die Brakeler Situation tatsächlich ist, zeigte sich den Besuchern beim letzten Heimspiel der Brakeler Landesliga-A-Jugend. Die Brakeler Trainer müssen ein Flickenloch nach dem anderen stopfen. Das nimmt inzwischen groteske Züge an.
Letzten Sonntag, 13 Uhr: Die Brakeler Erste schaut sich das Spiel ihrer A-Jugend gegen Fichte Bielefeld an. Sie wartet. Auf Frank Seltrecht und Kevin Malena. Beide hatten 90 Minuten A-Jugend in den Knochen, fuhren im Shuttle direkt ins 85 Kilometer entfernte Bad Oeynhausen. Seltrecht spielte 45, Malena sogar 90 Minuten - nachdem sie vormittags bereits in der A-Jugend gekickt hatten.
Kein Wunder, dass die A-Jugend im wichtigen Spiel gegen Fichte Bielefeld nicht den frischesten Eindruck machte - zumal ein gerade 36 Stunden altes Nachholspiel gegen Eintracht Rheine zusätzlich in den Knochen steckte.
A-Jugend, zweite Mannschaft, erste Mannschaft - alles sollte enger verzahnt werden. Allein die durchlöcherte Personaldecke macht es nötig. Den Trainern fehlen einfach die Alternativen. "Zur Situation in Brakel kann dir nur noch wenig einfallen. Da steht der Trainer der ersten Mannschaft zwei Stunden vor einem Auswärtsspiel bei uns auf dem Platz und hofft auf Spieler", schüttelt auch A-Jugend-Coach Micky Wollitz mit dem Kopf. Er sieht verheizte Spieler. Zwölf Spieler hatte Andreas Grützner, Brakels Chefcoach, in Bad Oeynhausen im Kader. Zwei davon - Seltrecht und Malena - hatten 90 Minuten vom Vormittag in den Knochen.
Kaum besser als der ersten Elf geht es der Brakeler Reserve in der A-Liga. Die reiste mit neun Spielern nach Fürstenau, trieb unterwegs die Aushilfen Marco Kuschel und Oliver Ester auf - und gewann mit elf Spielern sogar sensationell. "Ich habe daran gedacht, das Spiel verloren zu geben, das heißt, nicht anzutreten und Fürstenau kampflos gewinnen zu lassen. Dann hätten wir zwei Spieler nach Bad Oeynhausen nachschicken können", sagte Jakob Frank, Trainer der zweiten Elf, der mit Mini-Kader eine ungeheuer erfolgreiche Rückrunde spielt.
"Die Bedingungen sind nicht gut. Ich hatte in der Woche zwei Mann beim Training. Die Mannschaft, die Fürstenau besiegt hat, hat so noch nie zusammengespielt", betont Frank. Angesichts dieser massiven personellen Widrigkeiten grenzen die einigermaßen vernünftigen Platzierungen der Brakeler Mannschaften ans Wunderliche. Die Seniorenteams haben den Klassenerhalt (fast) geschafft. Die A-Jugend hat weiter (Mini-)Chancen in einer bärenstarken Liga. Ob es beim finanziell angeschlagenen Traditionsverein in Brakel ab nächstem Jahr besser wird, bleibt abzuwarten und eher anzuzweifeln. Brakels Dilemma: Die eigenen Spieler wecken Begehrlichkeiten bei der zahlungskräftigen Konkurrenz. Aktuell geht das Gerücht, dass die Malena-Brüder einem finanzstarken Paderborner Bezirksligisten ihre Zusage gegeben haben.
Den dortigen Trainer kennen sie aus ihrer Jugendzeit beim SC Paderborn. Gehen die Malenas, wäre es ein weiterer gewaltiger Rückschlag für die Nummer eins im Kreis, die bereits jetzt ein bedauernswertes Personal-Jonglieren zwischen A-Liga, Landesliga und A-Jugend betreiben muss.