Brakel. Die Funktionäre bei der Spvg. Brakel sind wirklich nicht zu beneiden. Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Die Mannschaft bröckelt, die Kassen sind leer und jeder hofft auf ein ganz, ganz schnelles Ende dieser Saison. Das allerdings könnte neuen Ärger mit sich bringen.
An der Nethe wird aus Mannschaftskreisen neues Öl ins Feuer gegossen. Das Team wolle am letzten Spieltag nicht mehr antreten. Nur ein Gerücht? Gestreut von drei, vier Spielern? Jedenfalls kontaktierte Vereinschef Helmut Briel bereits den Trainer der zweiten Mannschaft, Jakob Frank. Grund: Er wollte abklären, ob sein Team im Notfall bereit sei, das letzte Spiel gegen Union Minden zu bestreiten.
Helmut Briel selbst reagiert barsch, auf dieses Thema angesprochen. ,,Ich habe weder Zeit noch Lust, mich um solch einen Quatsch zu kümmern", sagt er. ,,Das kommt von einigen, wenigen Spielern und ich weiß auch nicht, was solch ein Verhalten soll. Wir lassen uns nicht erpressen."
Briel, erst ganz auf Dementi eingestellt, wollte dann aber auch keine Namen der Spieler nennen, die versuchen, diese Revolte anzuzetteln. ,,Ich weiß auch gar nicht, was die damit erreichen wollen", ergänzt Briel und deutet darauf hin, dass im Falle eines solchen Verhaltens erst recht alle Vorhänge fallen. ,,Wer so etwas anzettelt, sollte ganz vorsichtig sein und auch das Echo vertragen", droht Briel.
Mannschaftskapitän Fabian Tewes, ansonsten lautstarker Schreihals seines Teams, war gestern nicht bereit, an den Telefonhörer zu gehen und ließ nur ausrichten, dass er keine Auskünfte geben werde.
Fußballobmann Erich Kling weiß nach eigenem Bekunden von solchen Strömungen nichts. Er arbeitet nach absolviertem Urlaub akribisch am Aufbau einer Mannschaft für die kommende Saison. Dabei musste der neue Brakeler Manager schon Lehrgeld zahlen und Erkenntnisse sammeln.
"Das Geschäft ist unsauber und viele Spieler sind nicht ehrlich", beschwert sich Kling. ,,Das hätte ich so nicht gedacht und ich muss den Hut vor Helmut Briel ziehen, der das schon mehrere Jahrzehnte mitmacht."
Während Kling zumindest die ersten Neuzugänge (siehe ,,Persönlich" ) zu vermelden hat, glaubt er noch gar nicht daran, dass so viele Spieler gehen werden.
,,Bisher habe ich offiziell nicht eine Absage auf dem Tisch liegen", erklärt Erich Kling, der aber genau weiß, dass das noch kommen wird. Beide Malenas haben sich bereits frühzeitig für einen Abgang entschieden und die von Waldemar Huhn liegt auch schon vor. ,, Das ist auch so eine Sache, dass ein Spieler wie Huhn mir vorher zusagt, dass ich einen Wechsel als Erster erfahre - und dann nicht den Mumm hat, sich daran zu halten", sagt Erich Kling, der von diesem Abgang besonders enttäuscht ist.
Kling arbeitet weiter, hält aber von einem Boykott überhaupt nichts. ,,Ich sehe da auch gar keinen Grund. Natürlich sind die Zahlungen die ganze Saison über schleppend gelaufen. Wir werden aber in dieser Woche den April bezahlen und sind dann auf dem Laufenden. Außerdem braucht niemand Angst zu haben, im Falle seines Abganges bei der Spvg. Brakel auf sein Geld verzichten zu müssen. Wir haben im Vorstand noch einmal eindeutig gesagt, dass alle Verpflichtungen erfüllt werden."
Trainer Andreas Grützner hält sich ebenfalls stark bedeckt. ,,Selbst wenn ich von solch einer vermeintlichen Revolte wüsste, würde ich in der Öffentlichkeit nichts dazu sagen", erklärte er gegenüber der Neuen Westfälischen. ,,Ich denke, manche Spieler werden von der Presse sowieso zu sehr hofiert. Da wird viel zu viel geschrieben über Leute, die eben mal geradeaus laufen können."