Paderborn. Ein Mann, ganz in Weiß gekleidet, steht auf einer kleinen Mauer und gestikuliert mit den Armen. Ein Streckenposten gegenüber ruft "Vor dem Stroh links" – damit die herannahende Schar von Skatern trotz Tempo richtig abbiegt.
In Paderborn ist wieder (fast) alles im Osterlauf-Fieber. Der Mann mit dem weißen Hut ist einer von vier Schiedsrichtern. In der neutralen Zone stehend, muss er aufpassen, dass auf schmalen Streckenabschnitten nicht überholt und Tempo rausgenommen wird. "In Paderborn ist das heute meine Premiere, alles läuft bisher friedlich ab", sagt Mirko Feesche aus Hannover.
In der Hillebrandstraße stapeln sich bereits die Biergläser auf den Stehtischen. Die Sonne lacht wider Erwarten vom Himmel. Der Gerstensaft schmeckt. "Wir stehen hier seit rund zehn Jahren mit Nachbarn und Freunden und feuern natürlich auch die Sportler an," sagt Werner Linnemann. Ob er auch schon mal mitgemacht habe? "Nein", sagt er, "mir reicht es, wenn ich es sehe", sagt der 49-Jährige.
Läuferfeld ist so bunt wie der Frühling
Im Schlepptau hat er Franko und Bärbel Spitzenberg aus Ludwigsfelde bei Berlin. "Wir treffen hier einmal im Jahr viele Leute, und Libori nehmen wir auch immer mit," sagt Franko Spitzenberg.
Das vorbeiziehende Läuferfeld ist so bunt wie der Frühling – und hat manchmal Sinn für Humor. Da laufen Menschen mit Krawatten, manche haben Hasenohren am Kopf. "Ich sehe das für mich hier mehr als Joke. Als Paderborner Mädel muss ich einmal mitgemacht haben", sagt Gisela Lohmann. Die 51-Jährige stammt aus einer Läuferfamilie und hat nun auch zum ersten Mal auf Asphalt die Nordic-Walking-Strecke gut überstanden.
In der Nähe der Greiteler Gärten gibt es derweil ein bisschen Stress. Ein Autofahrer aus Bielefeld ist verärgert und diskutiert mit den beiden jungen Streckenposten. "Ihr könnt doch nicht die ganzen Straßen sperren", schimpft er und weiß nicht mehr ein noch aus. Der Mann scheint unter Zeitdruck zu stehen. Doch durchlassen können ihn Michelle Kaiser und Monique Schmelzer aus Paderborn nicht. Denn schon rauscht ein großer Pulk von Inline-Skatern heran. "Manche Leute sind halt genervt, aber wir müssen immer freundlich bleiben", sagt Michelle Kaiser. Im vergangenen Jahr hatten sie im Start- und Zielbereich mitgeholfen. Da sei es dieses Jahr schon entspannter," sagt Monique Schmelzer.
Bratwurst-Duft im Tegelweg
Mitten zwischen den Zuschauern ertönt eine Kuhglocke. Daniel Lemke wäre gerne mitgelaufen. "Das war leider nicht möglich. Jetzt feuere ich meine Freunde halt von der Strecke aus an," sagt der frühere Paderborner und scheint sich mit seiner Zuschauerrolle bereits prima abgefunden zu haben.
Im Tegelweg zieht den Läufern, Hand-Bikern und Inline-Skatern der Duft von frischer Bratwurst in die Nase. Wie jedes Jahr treffen sich hier viele Paderborner und Gäste aus ganz Deutschland, um gemeinsam zu feiern und die Sportler anzufeuern. Menschen, die stehenbleiben, um sich das Spektakel am Rande der Strecke anzuschauen, werden spontan eingeladen, um mitzufeiern und Spaß zu haben. Und die Sonne lacht immer noch vom Himmel. Anja Kawska ist extra aus dem polnischen Krakau angereist. Die große Laufenthusiastin besucht gerade einen Freund in Paderborn.
Für Jens Christiansen aus Ostenland ist bereits Feierabend. Der 38-Jährige hat seine Tochter Hannah beim Ein-Kilometer-Lauf begleitet. "Nächstes Jahr peilen wir die 1,5 Kilometer an," sagt er und will schnell nach Hause. Denn jetzt fange Ostern an.
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