Paderborn. Für Paderborns Trainer Pavel Dotchev war die Dienstreise nach Aue mit einem echten Déjà-vu verbunden. Genau 189 Tage nach der 0:6-Klatsche beim FC Erzgebirge am vierten Rückrunden-Spieltag der vergangenen Zweitliga-Saison 2007/2008 saß er wieder im Pressecontainer neben dem Erzgebirgsstadion. Dieses Mal aber nicht als abgestrafter Verlierer, sondern als Sieger.
Entsprechend der Gastfreundschaft durfte Dotchev auch am Samstag als Erster Stellung nehmen zu einem Spiel, das eine ganz andere Paderborner Elf gezeigt hatte. Nicht nur personell besetzt, sondern auch kämpferisch eingestellt, präsent auf dem Platz und gewillt, der heimstarken Auer Elf die Stirn zu bieten. Rollentausch auch für die Gastgeber, obwohl Teamchef Heiko Weber am 24. Februar noch nicht auf der Auer Bank gesessen hatte, stattdessen seinerzeit der Ex-Paderborner Fußball-Lehrer Roland Seitz die Lorbeeren absackte. Umso gezeichneter stellte sich Weber den bohrenden und kritischen Fragen der Medien "nach einer Leistung, für die ich voll die Verantwortung übernehme."
Mitunter auch etwas ratlos, als er eine Frage zur Beantwortung an seinen Kollegen Dotchev weiterreichte, "schließlich ist der ein erfahrener Trainer." Dies war nicht als geschickter Schachzug Webers zu werten, sondern er handelte wie ein in die Enge getriebenes Wild. Dies merkte wohl auch Dotchev, der seinem Kollegen flugs verbal zu Hilfe eilte. Er könne die Situation sehr gut verstehen, aber die aktuell sehr schwere sportliche Lage werde für Aue nur dann eine Wende zum Positiven nehmen, "wenn man Trainer und Mannschaft in Ruhe weiterarbeiten lässt. Wenn Aue heute gewonnen hätte, müsste mein Kollege doch die Fragen erst gar nicht beantworten."
Wie ratlos Aues Trainer Weber im Spiel gegen Paderborn war, zeigte sich in der zweiten Halbzeit. Mit Wiederbeginn brachte er mit Mohamed El Berkani, Marokkaner mit holländischem Pass, nach Insider-Aussagen endlich den "einzigen Spieler des FC, der Fußball spielen kann." El Berkani war dann aber nur eine halbe Stunde auf dem Feld. Bis dahin war er zwar an zwei Aufregern des FC Erzgebirge im Paderborner Strafraum beteiligt, leider aber nicht mit erfolgreichem Ausgang. Zuerst schoss Arne Feick seine Flanke volley am Kasten von Torhüter Jensen vorbei (63.), dann zielte er selbst freistehend neben das Paderborner Tor (73.).Dazu Teamchef Heiko Weber wörtlich: "Er kam irgendwie nicht ins Spiel. Die Auswechselung war sicher keine schöne Sache für ihn. Aber das gehört im Fußball dazu. Er wird es schon überleben."
Ob Dotchevs Kollege Weber die kommenden Wochen in Aue überlebt, wird sich zeigen. Das Verhältnis zwischen Sportlicher Leitung und dem Präsidium ist bereits angespannt. So quasi im Hinausgehen teilte Weber seinem überraschend sprachlosen Präsidenten Uwe Leonhardt in wenigen Worten das mit, was ihm an diesem Verein FC Aue überhaupt nicht gefalle. "Hier kaufen Sponsoren Spieler und die stellen Zuschauer die Mannschaft auf", sagte er kopfschüttelnd.
Knackpunkt aber wird für Weber sein, dass die Leistungskurve seiner Elf gegen Paderborn weiter nach unten zeigte. "Da ist doch überhaupt kein System drin", merkten auch die kritischen Fans an und machten ihrem Unmut oft lautstark Luft.














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