Belek. Grundsätzlich ist Tom Bertram ein bodenständiger Mensch. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren begann er bei Rot-Weiß Erfurt mit dem Kicken. Bis 2005 durchlief er dort alle Jugendmannschaften, war ebenfalls für sämtliche Junioren-Auswahlteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Ball.
Als sein neuer und alter Trainer Pavel Dotchev zur Saison 2005/06 zu den Thüringern stieß, berief er den zu diesem Zeitpunkt 18-jährigen Abwehrspieler in den Regionalligakader. Dort eroberte er sich auf Anhieb einen Stammplatz und absolvierte satte 33 Saisonspiele in der Innenverteidigung. Trotz zahlreicher Alternativ-Angebote fällte er die Entscheidung, den Erfurtern zunächst noch für ein Jährchen die Treue zu halten. Prompt wurde er mit dem Debüt in der U21 des DFB belohnt. Zwei weitere Berufungen hat es seither gegeben.
Trotz seiner nicht alltäglichen sportlichen Vita sieht sich Bertram aber nicht "als Riesentalent, denn dann wäre ich ja schon ganz woanders." Als er seinem Heimatverein RWE vor anderthalb Jahren endgültig den Rücken kehrte, setzte ihn eine Verletzung zunächst mal außer Gefecht. "Gleich beim ersten Training in Fürth zog ich mir einen Kapsel- und Bänderriss zu", anschließend habe er sechs Wochen pausieren müssen und den Anschluss verloren, erinnert er sich immer noch mit Grauen an seinen "bisherigen Tiefpunkt".
Erst am 17. Spieltag der Saison 07/08 durfte er in der Partie gegen Hoffenheim sein Zweitliga-Debüt feiern. Vielmehr sollte im Fränkischen nicht mehr passieren, "obwohl ich eisern kämpfte." Just während der laufenden Winterpause kam jetzt die Anfrage vom SC Paderborn. Ohne lange überlegen zu müssen, unterschrieb er zwei Tage vor der Abreise ins Trainingslager einen Zwei-Jahresvertrag beim Drittliga-Spitzenreiter. Offerten aus Aue und Aalen hatte es zwar auch gegeben, aber jetzt will er halt in Ostwestfalen vorwärts kommen. "In einem ganz jungen Team mit viel Potenzial", rechnet er sich fortan Chancen aus.
Mit Paderborns Innenverteidiger Matthias Holst versteht er sich seit der gemeinsamen Zeit in Erfurt "blind". Außerdem spielte er mit Holst und auch dem neuen Teamkollegen Toni Wachsmuth etliche Male für die Thüringen-Auswahl. Aber nicht nur die neue Nähe zu Dotchevs Erfurt-Fraktion sorgt bei Bertram für neue Wir-Gefühle. Nach dem gemeinsamen Trainingslager an der türkischen Riviera könne er mit Fug und Recht behaupten, mit jedem seiner neuen sportlichen Weggefährten schon nach kurzer Zeit "wirklich gut" zurecht zu kommen.
Am Wiederaufstieg des SCP in die 2. Liga will der Youngster künftig "mit aller Macht" mitwirken. Ein wenig hat er dabei auch seine eigene Karriere im Kopf, denn auf der nationalen Fußball-Bühne konnte der Defensivstratege zuletzt nicht gerade für Furore sorgen. Deshalb steht wohl auch Bertrams vierte U21-Berufung noch aus. Das soll sich ändern. Daran arbeitet er. In erster Linie für den SCP, aber auch für sich selbst.
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