Belek. Die Heimat hat ihn wieder. Allerdings nur für kurze Zeit. Für Sercan Güvenisik, einziger waschechter Türke im Kader des SC Paderborn, ist das laufende Trainingslager in Belek gleichzeitig mit der Rückkehr zu seinen wahren Wurzeln verbunden.
Am 1. März 1980 als Sohn eines Lehrer-Ehepaares in Ankara geboren, ist der Stürmer nach wie vor im Besitz des türkischen Passes. Internationale Einsätze für den Verband seine Heimatlandes hat es auch schon gegeben. Zwei Mal vertrat er die Farben der Türkei im U19-Dress, später folgten weitere acht Einsätze im U21-Nationalteam. Für den weiteren Schritt nach ganz oben hat es jedoch nie gereicht. Den Grund dafür habe er sich wohl eher selbst zuzuschreiben, ist Güvenisik durchaus selbstkritisch. Da seien gewisse Fehler im Spiel gewesen. "So richtig professionell habe ich damals nicht gelebt", erklärt der SCP-Stürmer. Inzwischen sind diese Jugendsünden indes Schnee von gestern. "Ich bin wirklich reifer geworden", beteuert Güvenisik.
Dass ihm so mancher Zeitgenosse aus der Szene auch heutzutage noch die alten Zeiten vorhält, das stört ihn aktuell "schon ein bisschen, "weil ich mit knapp 29 Jahren jetzt ein erwachsener Mann bin, der weiß, worum es im Profigeschäft geht." Zwischen seiner damaligen und heutigen Einstellung "liegen wirklich Welten", versichert er.
Während seine Eltern nach wie vor in Deutschland leben, ist das Gros seiner Verwandtschaft in der Türkei geblieben. "Auch ich fühle mich inzwischen eigentlich mehr als Deutscher", sagt Güvenisik, dem der augenblickliche Kurztrip mit dem Ensemble seines neuen Brötchengebers keinesfalls ungelegen kommt. Der Goalgetter, dessen Spezialität eigentlich das Toreschießen ist, steht nach wie vor auf "türkische Küche mit ihren vielen Spezialitäten". Der kulinarische Standard des derzeitigen SCP-Mannschafts-Hotels "Sirene Golf" wird seinem Gaumen in diesen Tagen erklärtermaßen auch vollends gerecht.
Während der Chefkoch in Güvenisiks Augen also so manchen Volltreffer landet, ist auch der Goalgetter mit der Ausbeute seiner bisherigen acht Saisontreffer "grundsätzlich zufrieden". Dass da in der zweiten Hälfte des abgelaufenen Kalenderjahres noch so manches Törchen mehr möglich gewesen wäre, "ärgert mich selbst am meisten", sagt "Güve".
Für den Rest der Rückrunde habe er daher den festen Vorsatz gefasst, "diese ausgelassenen Dinger jetzt auch noch reinzumachen". Die laufende Saison am Ende mit "rund 20 persönlichen Toren abzuschließen", das sei bei entsprechendem Abschluss-Glück schon eine vorstellbare und gleichwohl passable Quote. Allerdings sei der angestrebte direkte Wiederaufstieg des Drittliga-Spitzenreiters in die 2. Bundesliga partout "kein Selbstläufer", sagt Güvenisik, der jetzt inständig hofft, dass "wir künftig nahtlos ans Potenzial der Hinrunde anknüpfen können."
Dann könne dieses Ziel auch "wirklich umgesetzt werden". Schließlich sei er mit exakt dieser konsequenten Vorgabe von Essen nach Paderborn gewechselt, betont der Goalgetter mit einigem Nachdruck.
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