Paderborn (lnw/nw). Drittliga-Spitzenreiter 1. FC Union Berlin hat den massiven Polizeieinsatz am Hauptbahnhof von Paderborn am Sonntag angeprangert und das Vorgehen der eingesetzten Beamten entschieden zurückgewiesen. Bei der Ankunft des Sonderzuges mit rund 800 Union-Anhängern war es aus Sicht des Vereins zu "strafbaren Übergriffen" der Beamten gegen die Berliner Fußball-Fans gekommen.
Nach Augenzeugenberichten wurden Schlagstöcke vielfach gezielt in Kopfhöhe eingesetzt, ebenso wurde Pfefferspray Personen direkt in die Gesichter gesprüht, heißt es in der Erklärung des 1. FC Union. Diese Schilderungen werden durch vorliegendes Bildmaterial bestätigt. "Auf dem Bahnhof gab es lange Staus, die Fans haben skandiert, aber es kam zu keiner Sekunde zu Handgreiflichkeiten der Fans gegen Polizisten", berichtete der Fan-Beauftragte des 1. FC Union, Lars Schnell, der ebenso wie der Berliner Polizeibeamte Michael Kühl von der Einsatzgruppe Hooligans des Landeskriminalamtes durch Knüppelschläge der Polizei verletzt wurde und im Krankenhaus behandelt werden musste. Beide haben inzwischen Anzeige erstattet.
Die Paderborner Polizei teilte mit, dass bei Ausschreitungen sechs Berliner Fans und fünf Polizisten verletzt worden seien und in Kliniken ambulant versorgt wurden. Beim Warten auf die Pendelbusse sei es zu Übergriffen auf die Beamten gekommen, es seien Flaschen und Steine geflogen, hieß es in einer Presse-Erklärung. Die Polizei weist die Vorwürfe eines überharten Einsatz gegen die Faußball-Fans entschieden zurück: "Der Einsatz des Schlagstocks war dabei immer gegen den Oberkörper oder die Beine des Angreifers gerichtet. Vorwürfe, wonach Beamte gezielt gegen Köpfe von Fans geschlagen haben, entbehren jeglicher Grundlage."
"Dieses Beispiel darf nicht Schule machen"
"Da es keine besondere Fan-Rivalität zwischen unseren Vereinen gibt und auch kein Paderborner Anhänger am Bahnhof war, haben sich uns die Maßnahmen der Polizei nicht erschlossen", sagte Lars Schnell am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im Vorfeld des Spitzenspiels habe man mit dem SC Paderborn hervorragend zusammengearbeitet. Die Paderborner Polizei sei durch die szenekundigen Beamten im Sonderzug exakt darauf vorbereitet worden, dass nicht mit besonders aggressiven Fans zu rechnen sei.
Die Situation sei eskaliert, als ein Berliner in einem Pendelbus eine Scheibe eindrückte und die Polizei danach den Bus unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gewaltsam räumte. "Dieses Beispiel darf nicht Schule machen", forderte der Fan-Beauftragte und rief über die Homepage des Vereins alle Geschädigten auf, Belege für den harten Polizei-Einsatz zu liefern, damit eine Sammelklage erstellt werden könne.
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