Osnabrück. "Dieser Aufstieg ist höher einzustufen, als der aus dem Jahr 2005", machte schon wenige Sekunden nach dem Schlusspfiff Mannschaftskapitän Markus Krösche die enorme Wichtigkeit der sofortigen Rückkehr des SC Paderborn in die 2. Bundesliga deutlich. Mit zwei 1:0-Erfolgen über den Zweitliga-Drittletzten VfL Osnabrück hat der Sportclub ein Jahr nach dem Betriebsunfall aus dem Jahr 2008 den Schaden begrenzt und gehört ab sofort wieder der 2. Bundesliga an. Für die Ostwestfalen ist es der dritte Aufstieg nach 1982 und 2005.
Nach Wolfsburg, Bremen und Nürnberg eröffneten die Fans des SC Paderborn schon mit dem Schlusspfiff vor dem Paderborner Rathaus die vierte Feiermeile der aktuellen Saison. Immer wenn keiner mehr damit rechnet, feiert es sich nämlich besonders schön. Denn gut zwei Wochen zuvor sah es rund um den Paderborner Dom überhaupt nicht nach Feierstimmung aus. Paderborn lag am Boden, war auf Platz vier abgerutscht und vor allem die Fans sahen sich um den Lohn einer langen Saison betrogen.
"Dann aber hat die Mannschaft in den letzten vier Spielen genau den Charakter gezeigt, der uns davor oft abgesprochen worden war", textete ein stolzer Krösche in die Notizblöcke der Journalisten, während im Hintergrund seine Teamkollegen einen Tanz nach dem anderen aufführten. Die zuletzt gezeigte Einstellung lobte dann auch ein betont sachlicher Trainer. Es sei eine Relegation "mit vielen Emotionen" gewesen, "mit zwei Mannschaften, die an ihre Grenzen gegangen sind", lobte er. Und gerade deshalb habe sich das Team diesen Aufstieg auch verdient.
Dr. Felix Brych zeigte auf den Punkt
Was war passiert in den 90 Minuten zuvor? Osnabrück trat nach dem 0:1 in Paderborn auch vor eigenem ausverkauftem Haus völlig verunsichert auf und hatte vor der Pause bis auf einen Distanzschuss von Thomas Reichenberger (4.) nichts zu bieten. Paderborn spielte besser, ließ allerdings bei den eigenen Angriffen die letzte Konsequenz vermissen.
Dann folgten die letzten 45 Minuten dieser spannenden Relegation, in der fast wieder ein Schiedsrichter spielbestimmend Einfluss genommen hätte. Nach einem völlig normalen Zweikampf zwischen Matthias Holst und Stürmer-Oldie Thomas Reichenberger zeigte Dr. Felix Brych zum Entsetzen aller Paderborner auf den Elfmeterpunkt.
Der andere Fußball-Dino, der 33-jährige Thomas Cichon, schnappte sich das Leder, scheiterte aber am gut parierenden Kasper Jensen. Diesen ersten Niederschlag steckte das Wollitz-Team noch recht gut weg, denn in den weiteren 15 Minuten der zweiten Hälfte erhöhte das Team den Druck. "Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann das Tor fällt", sah VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz sein Team trotz des vergebenen Strafstoßes immer noch im Spiel. Das Tor fiel dann auch, aber auf der anderen Seite.
Nur auf die Ecke gezielt
Mit zunehmender Spielzeit bekam der SCP wieder mehr Spielkontrolle und ein gefährlicher Konter nach dem anderen rollte gen Tor von Tino Berbig. In der 61. Minute fing er das Zuspiel von Frank Löning zu Sören Brandy noch ab, aber zwei Minuten später war es der Vorlagengeber selbst, der einen Pass von Daniel Brückner zum Tiefschlag gegen Osnabrück nutzte. Leicht abgefälscht sei der Ball gewesen, sagte er später in der Rückschau. "Ich habe dann nur noch auf die Ecke gezielt und gesehen, dass er an den Pfosten geht – und dann gebetet, dass er rein geht."Ging er auch, mitten ins Herz der Osnabrücker. Bei den Spielern ebenso wie bei den Fans, die noch über eine Stunde nach Spielschluss vor dem Stadion wütend ihre Mannschaft beschimpften. Die SCP-Fans dagegen waren schlichtweg aus dem Häuschen und frohlockten lauthals: "Nie mehr zweite Liga!"
"Der Aufstieg ist absolut verdient. Wir wussten, dass wir irgendwann unser Tor machen", analysierte Paderborns Coach André Schubert die 90 spannenden Minuten. Für die Paderborner begann eine lange Partynacht. "Wir werden feiern, bis wir nicht mehr können", sagte ein erschöpfter aber überglücklicher Siegtorschütze Frank Löning nach dem Abpfiff. Die Fußball-Fans in der Region können sich inzwischen schon auf das Ostwestfalenderby in der kommenden Saison zischen dem SC Paderborn und Arminia Bielefeld freuen.
VfL Osnabrück - SC Paderborn 0:1 (0:0)
Osnabrück: Berbig - Engel, Cichon, Omodiagbe, Schäfer - Surmann (65. Grieneisen), Heidrich, Frommer (46. Braun), Geißler (46. Peitz) - Reichenberger, Sykora.
Paderborn: Jensen - Wachsmuth, Mohr, Holst, Gonther - Krösche - Guie-Mien (56. Brandy), Alushi, Brückner (87. Strohdiek) - Damjanovic (36. Güvenisik), Löning.
Tor: 0:1 Löning (63.)
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Gelbe Karten: Damjanovic, Holst, Guie-Mien, Wachsmuth
Bes. Vorkommnis: Jensen hält Foulelfmeter von Cichon (47.)
Zuschauer: 16.250 (ausverkauft)