Paderborn. Rund fünf Jahre lang war Karl Rocker beim SC Paderborn 07 der Mann mit dem Megafon. Bei Heim- und Auswärtsspielen saß er zumeist auf dem Zaun vor der Fankurve, um Sprechchöre anzustimmen und für Stimmung in den Blöcken zu sorgen. Doch beim Pokalspiel des SC Paderborn gegen den TSV 1860 München gab’s am Samstag die offizielle Wachablösung: Rocker reichte das Megafon an Fabian Westermann weiter.
Der 19-jährige SCP-Anhänger vom Fanklub "Süd-Crew" ist fortan als so genannter "Capo" im Einsatz. Denn mit diesem italienischen Wort für "Kopf" werden die Einpeitscher in den Fankurven bezeichnet. "Allerdings ist der Begriff mitunter irreführend", erklärt Westermann, "ich selbst sehe mich jedenfalls nicht als Kopf einer Gruppe, sondern als Vorsänger, der für Stimmung sorgt."
Bei seinem neuen Job nimmt der 19-Jährige auch den Nachteil in Kauf, dass er vom eigentlichen Spiel nicht mehr allzu viel mitbekommt. Denn der Capo sitzt oder steht meist mit dem Rücken zum Spielfeld, um direkten Blickkontakt zu den Fans zu haben. "Aber mir geht es insgesamt auch vor allem um gute Stimmung. Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass das Team nach vorne gepeitscht wird. Ob das Spiel nun gut oder schlecht läuft", betont Westermann, der im Pokal gegen 1860 lediglich seine offizielle Heimpremiere als "SCP-Vorsänger" feierte.
Erste Erfahrungen gesammelt
Denn in der vergangenen Saison war er schon bei einigen Auswärtsspielen eingesprungen, wenn Karl Rocker terminlich verhindert war. Zudem hatte Fabian Westermann als eine Art "Co-Capo" in der Vergangenheit bereits seinen Teil zur Verbesserung der Stimmung in den SCP-Fanblöcken beigetragen.
Das Einpeitscher-Amt sei dabei nicht einfach, wie Westermanns Vorgänger Karl Rocker erklärt. "Es ist schier unmöglich, es jedem recht zu machen", sagt der 30-Jährige, der zugleich zweiter Vorsitzender des Fanklubs "Pader Patrioten" ist. "Ich habe jedenfalls versucht, den Job stets für eine möglichst breite Masse zu erledigen", ergänzt Rocker. Aus einzelnen Kreisen gab’s dennoch oder vielmehr gerade deshalb hin und wieder Kritik.
Auch Fabian Westermann könnte ab und an der Gegenwind ins Gesicht blasen. Dennoch will der 19-Jährige ein ähnliches Konzept wie sein Vorgänger verfolgen. "Ich möchte möglichst viele Fans erreichen und versuchen, dass in der Kurve alle an einem Strang ziehen", betont er. Karl Rocker wird derweil auch ohne Megafon sein Team lautstark anfeuern. Und der 30-Jährige freut sich darauf, dass er die Kickerkünste der Paderborner nun nicht mehr nur aus den Augenwinkeln heraus verfolgen muss. "Endlich kann ich ein Spiel in voller Länge genießen", sagt Rocker.