Paderborn. Wenn die Steuerfahndung eine Durchsuchung macht, dann kann das unangenehme Spätfolgen haben. Das bekommen momentan zahlreiche Sponsoren und Verantwortliche des SC Paderborn zu spüren.
Gegen den Vizepräsidenten des Bundesliga-Zweitligisten, Peter Evers, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Nötigung und Bedrohung, weil er die Steuerfahnder am 6. Mai dieses Jahres bei ihrer Razzia in der Geschäftsstelle massiv attackiert haben soll. Gegen den Geschäftsführer Martin Hornberger (47) und den ehemaligen Mitgeschäftsführer Michael B. (40) läuft ein Steuerstrafverfahren wegen des "Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung". Die beiden Letztgenannten sollen einer "unbekannten Anzahl von Haupttätern" in der Zeit von 2003 bis 2007 geholfen haben, den Fiskus auszutricksen. So geht es aus internen Schreiben hervor.
Elmar Volkmann, Aufsichtsratsvorsitzender des SC Paderborn, beantwortet in dem Fall alle Anfragen. Aus seiner Sicht sind die Vorwürfe der Steuerfahnder "überzogen". Auch zahlreiche andere Bundesligavereine würden derzeit überprüft, sagt Volkmann. In Kern geht es um Verträge zwischen Sponsoren und Vereinen. In ihnen werden in der Regel unterschiedliche Leistungen, wie beispielsweise Bandenwerbung oder Lautsprecherdurchsagen, aber meistens auch sogenannte VIP-Karten im Gesamtpaket verkauft. Der Sponsor zahlt dafür nicht selten fünf- oder sechsstellige Summen.
Allgemeinheit zahlt die "Business-Seats"
Firmen dürfen zwar normale Werbeleistungen als Betriebskosten absetzen. Aber bei den VIP-Karten, von denen eine pro Saison in Paderborn 2.380 Euro kostet, ist das weitaus komplizierter. Je nachdem, ob der Sponsor die VIP-Karten seinen Arbeitnehmern oder seinen Geschäftspartnern zur Verfügung stellt oder sie für sich privat verwendet, hat das jeweils eine andere steuerliche Behandlung zur Folge.
Klar geregelt ist, dass Kosten für VIP-Karten, die von Gewerbetreibenden privat genutzt werden, keine (absetzbaren) Betriebsausgaben sind. Die Steuerfahnder vermuten, dass viele Sponsoren trotzdem privat genutzte VIP-Karten "über ihren Betrieb" laufen ließen. Letztlich zahlte dann die Allgemeinheit die bequemen "Business-Seats". Zahlreiche Sponsoren werden von der Steuerfahndung um Auskunft ersucht.
Im Fall Paderborn wird zudem vermutet, dass Scheinverträge geschlossen wurden, um den Eindruck von Werbung zu erwecken – wo in Wahrheit nur VIP-Karten den Besitzer wechselten. "In Einzelfällen" gehen die Fahnder auch dem Verdacht nach, dass der SC Paderborn privaten VIP-Karten-Käufern Spendenquittungen über Vereinsförderung ausgestellt habe. Elmar Volkmann weist die Vorwürfe zurück: "Unsere Sponsorenverträge sind in Ordnung", sagt er.
Auch Vizepräsident Peter Evers ist noch entspannt. Er soll bei der Razzia einen Fahnder bis zu einem Bluterguss traktiert und einen anderen mit dem Auto in die Enge getrieben haben. Nach Recherchen der Neuen Westfälischen hat Evers schon häufiger den Rambo gegeben. Am 7. Oktober 2007 randalierte er beim FC St. Pauli und erhielt Stadionverbot. Am 9. Dezember 2008 leistete er nach einer Verkehrskontrolle in Paderborn Widerstand gegen Polizisten. Folge: 2.000 Euro Geldauflage. Steuernachzahlungen in ähnlicher Größenordnung dürften wohl auch auf zahlreiche Sponsoren zukommen.