Paderborn. Der ehemalige Präsident und aktuelle Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn 07, Peter Evers (43), wird sich in Kürze vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Unternehmer Anklage wegen Widerstandes gegen einen Vollstreckungsbeamten sowie Körperverletzung erhoben.
Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Horst Rürup soll Evers am 6. Mai dieses Jahres im Zuge einer Razzia in der Geschäftsstelle des Fußballvereins "gegenüber einem Steuerfahnder tätlich geworden" sein. Im Verlauf der Durchsuchung, die die Aufklärung von möglichen Steuersünden sogenannter VIP-Karten-Inhaber zum Ziel hatte, soll der betroffene "Fahndungsprüfer" gegen Mittag das Gebäude der Geschäftsstelle für kurze Zeit verlassen haben, um zu seinem Auto zu gehen.
Als er bei der Rückkehr feststellte, dass der Haupteingang zur Geschäftsstelle wegen Handwerksarbeiten blockiert war, ging der Fahnder durch den benachbarten und von Evers betriebenen Fanshop, um durch eine Zwischentür wieder in die Geschäftsstelle zu gelangen. In diesem Moment soll Evers den Fahnder zunächst verbal und dann körperlich angegriffen haben. Laut Anklage stieß er den Beamten mit den Händen ins Freie. Das Opfer soll einen Bluterguss davongetragen haben. In der Anklageschrift seien "fünf Zeugen benannt", sagte Rürup. Der Beschuldigte habe sich über seinen Verteidiger eingelassen. Evers wolle "in Notwehr gehandelt haben", sagte der Oberstaatsanwalt.
Mehrfach in die Schlagzeilen geraten
Der Vizepräsident des SC Paderborn 07 war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Wie berichtet, war Evers wegen seiner Impulsivität auf dem Fußballplatz in der Vergangenheit schon mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Auch bei einer Verkehrkontrolle in der Paderborner Innenstadt leistete er Widerstand gegen Polizeibeamte. Allgemein nehmen Widerstandsdelikte unter Fußballfans stark zu. Evers hat in seinem Amt aber eine Vorbildfunktion.
Der Präsident des SC Paderborn, Wilfried Finke, brach gestern für Evers eine Lanze. "Ich möchte ihn nicht als Mitstreiter verlieren", sagte Finke. Evers, der beim SC Paderborn 07 auch einer der Hauptsponsoren ist, habe "sehr viele Verdienste". So hatte er sich in einer angespannten Situation im Frühjahr dieses Jahres für einige Wochen als Präsident des SC Paderborn zur Verfügung gestellt.
Evers habe inzwischen auch eingesehen, dass er in der Vergangenheit den einen oder anderen Fehler gemacht habe, sagte Finke. Dies tue Evers auch aufrichtig leid. Im konkreten Fall müsse man aber das Ergebnis des Prozesses abwarten. Womöglich treffe den Steuerfahnder zumindest ein Mitverschulden. "Aus meiner Sicht hat er einen Hausfriedensbruch begangen, als er den Fanshop betrat", sagte Finke.