Vereinsspitze dementiert, dass der Erwitter am morgigen Donnerstag sein Amt niederlegen soll
Paderborn. Noch am vergangenen Mittwoch kündigte Peter Evers an, Namen zu nennen. Namen von Staatsanwälten, die ihn, so sein O-Ton, "anbaggern" würden, um VIP-Karten für die Spiele des SC Paderborn zu bekommen. Zu Wochenbeginn ruderte der Vizepräsident der Paderborner Kicker, wie berichtet, zurück. Die Vorwürfe seien nicht wahr, ließ der 44-Jährige vermelden. Vielleicht kam diese Einsicht zu spät.
Wie Dienstag aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, soll die Führungsriege des SC Paderborn bei ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag einen wichtigen Tagesordnungspunkt auf der Agenda haben: Die "Lösung des Problems Evers" entweder durch Rücktritt oder Amtsenthebung, zitieren kundige Beobachter der Szene aus einer Email.
Die Vereinsspitze indes dementierte. Einen Tagesordnungspunkt, der sich mit der Absetzung Peter Evers’ beschäftige, gebe es am Donnerstag nicht, teilten Martin Hornberger, gleichfalls Vizepräsident des SCP, sowie der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Rüdiger Völkel mit. Eines jedoch ließ sich Hornberger dann doch noch in Bezug auf seinen temperamentvollen Vorstandskollegen entlocken. Man werde sich "zeitnah zusammensetzten und schauen", sagte er.
In den gestrigen Nachmittagsstunden hielt die Vereinsspitze dem Erwitter, der sich zurzeit vor dem Amtsgericht wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verantworten muss, noch die Stange. Zu dem Gerichtsverfahren wie auch zu den jüngsten Ereignissen um Peter Evers wolle man sich seitens des Vereins nicht äußern, betonte SCP-Pressesprecher Matthias Hack auf Anfrage. Da handele der 44-Jährige als Privatperson.
Evers mache seine Sache gut
Aber als "Vereinsmensch" mache Evers seine Sache "gut", sagte Hack und verwies darauf, dass der Erwitter sein Amt als Vizepräsident "hervorragend und mit Leidenschaft wahrnimmt." Seine Aufgabe, mit Mannschaft und Trainer Kontakt zu halten, sei dem 44-Jährigen eben auf den Leib geschrieben. Der Verein habe Peter Evers viel zu verdanken, meinte der SCP-Pressesprecher, der zudem den diplomierten Kaufmann als erfolgreichen Betreiber des Fanshops zu schätzen weiß.
Und natürlich auch als Sponsor. Mit welchen Beträgen der Spross einer alten Erwitter Zementdynastie die Paderborner Kicker unterstützt und ob er tatsächlich, wie in gut unterrichteten Kreisen immer wieder diskutiert wird, dem Spieler Daniel Brückner sein Gehalt zahlt, dazu wollte Matthias Hack nichts sagen. Zu den Großsponsoren des SCP, deren Zuwendungen der Pressesprecher gleichfalls nicht beziffern wollte, zähle Evers allerdings nicht.
Keine strafrechtlichen Konsequenzen
Dass der Erwitter in der vergangenen Woche am Rande seiner Gerichtsverhandlung die Paderborner Staatsanwaltschaft in Misskredit gebracht hat, bleibt ohne strafrechtliche Konsequenzen. Das teilte gestern Oberstaatsanwalt Horst Rürup mit. Schließlich habe Evers keine Namen genannt. "Man steht hier über dem Thema", so Rürup.
Während Peter Evers gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, stellte sein Anwalt Dr. Olaf Schilasky grundsätzlich klar: "Es wird keine Anzeige erstattet werden. Wir werden davon absehen, irgendwelche Namen zu nennen."
Zu den Hintergründen, die seinen Mandanten zunächst zu den Anschuldigungen und so dann zu deren Rücknahme bewogen, mochte Schilasky nichts sagen.