Paderborn. "Ich wünsche mir mehr Dreckschweine", hatte Thomas Finck vor dem Gastspiel des abstiegsbedrohten Zweitligisten FC Hansa Rostock beim SC Paderborn 07 erklärt. Der Wunsch des Hansa-Trainers ging in Erfüllung. Vor 9.373 Zuschauern in der Energieteam-Arena zeigten seine Spieler gestern viel Aggressivität, Einsatz und Leidenschaft. Rostock fehlte jedoch ein Glücksschwein. Denn durch ein spätes Jokertor (86.) von Stürmer Sven Krause sicherte sich Paderborn ein schmeichelhaftes 2:2 (1:2).
Schon nach sieben Minuten jubeln die Gäste
"Uns hat heute die Intensität in den Zweikämpfen, die Laufbereitschaft und die nötige Entschlossenheit gefehlt", resümierte SCP-Trainer Andre Schubert. Die Rostocker, die nach zuletzt neun sieglosen Spielen in Folge bis auf den Relegations-Abstiegsplatz abgerutscht waren, legten dagegen exakt diese Tugenden an den Tag und wirkten alles andere als verunsichert.
Schon nach sieben Minuten hatten die Gäste Grund zum Jubeln: Der quirlige Stürmer Fin Bartels schoss nach einer Hackenablage von Gardar Johansson auf das Paderborner Tor, um nach 505 torlosen Minuten die Offensivflaute der Hansa-Kogge zu beenden. SCP-Keeper Kasper Jensen sah bei diesem Gegentor nicht allzu gut aus.
Die Antwort der Hausherren folgte prompt: Torjäger Mahir Saglik schickte Sturmpartner Frank Löning gegen weit aufgerückte Rostocker auf die Reise – und der nervenstarke Löning überwand Hansa-Keeper Alexander Walke. Das Spiel der Paderborner wurde nach dem Ausgleich jedoch nicht besser. Als sich die Zuschauer schon darauf eingestellt hatten, dass es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, schlugen die Ostseestädter unter gnädiger Mithilfe der Paderborner Defensive doch noch zu. Ein missglückter Befreiungsschlag von SCP-Verteidiger Sören Gonther landete bei Hansa-Mittelfeldspieler Andreas Dahlén, der den Ball zum 1:2 (44.) ins linke Eck beförderte. Auch dieser Schuss war nicht unhaltbar.
Unterhaltungswert der Partie sank merklich
Nach dem Wechsel zeigten die Hausherren mehr Engagement. Chancen blieben dennoch Mangelware. Die besten Gelegenheiten vergaben Saglik (60./61.) und Löning, der bei einem Heber (76.) nur knapp seinen zweiten Treffer verpasste.
Und da Rostock fast gar keine Entlastungsangriffe mehr startete, sank der Unterhaltungswert der Partie merklich. Kurz vor dem Ende erhielt die Party-Laune der Rostocker Anhänger einen großen Dämpfer. Der zur zweiten Hälfte eingewechselte Sören Brandy spielte den Ball auf Sven Krause – und der SCP-Joker, der zu diesem Zeitpunkt ganze 60 Sekunden auf dem Platz gestanden hatte, netzte aus kurzer Distanz zum 2:2-Endstand (86.) ein. "Wenn du so spät den Ausgleich erzielst, musst du mit dem Punkt leben können", sagte Andre Schubert. Mit der Leistung seines Teams konnte der SCP-Coach dagegen nicht zufrieden sein. "Nur wenn wir defensiv gut arbeiten, spielen wir auch gut in der Offensive. Und heute haben wir als Mannschaft einfach nicht gut gearbeitet", so Schubert.
"Wir hätten den Sieg verdient gehabt", betonte derweil Hansa-Akteur Fin Bartels, dessen ursprünglich weißes Dress nach den 90 Minuten auf dem tiefen Paderborner Geläuf mehr als einen Hauptwaschgang nötig hatte. Mit Verlaub, er sah aus wie ein Dreckschwein.
SC Paderborn - Hansa Rostock 2:2 (1:2)
SC Paderborn: Jensen - Wemmer, Gonther, Holst, Schachten - Krösche (85. Krause) - Guié-Mien (46. Brandy), Alushi, Brückner (89. Mohr) - Löning, Saglik
Hansa Rostock: Walke - Langen, Bülow, Orestes, Dahlén (81. Fillinger) - Schlitte, Danielsson, Retov, Carnell - Johannsson, Bartels (89. Jänicke)
Schiedsrichter: Thielert (Buchholz) -
Zuschauer: 9.373
Tore: 0:1 Bartels (7.), 1:1 Löning (12.), 1:2 Dahlén (44.), 2:2 Krause (85.)
Gelbe Karten: - / Danielsson (2), Retov (3)