Belek. Florian Mohr sagt im Sommer adé. Nach vierjährigem Engagement kehrt der Innenverteidiger dem SC Paderborn den Rücken. Endgültig. Mit 27 Jahren sucht der Defensivstratege jetzt händeringend "eine neue Herausforderung".
"Seit ich hier bin, erlebe ich eine super-schöne Zeit in diesem Verein", sagt Mohr im Trainingslager des Fußball-Zweitligisten im türkischen Belek, "aber irgendwie muss in meinem Alter jetzt noch was passieren". Mohr stieß seinerzeit vom SV Werder Bremen II zu den Ostwestfalen, die just in die 3. Liga abgestiegen waren. Seither zählt er zu den nahezu unverzichtbaren Stammkräften in der Viererkette. Laut Hinrunden-Rangliste des Fachmagazins Kicker ist der SCP-Spieler hinter Düsseldorfs Assani Lukimya der zweitbeste Innenverteidiger der Liga.
Auch dafür ist er dem SC Paderborn dankbar. "Schließlich weiß ich zu schätzen, was man hier für mich getan hat", erklärt Mohr, für den es kein leichter Abschied werden wird. Dass der gebürtige Hamburger seine Karriere dem Vernehmen nach todsicher beim FC St. Pauli fortsetzen wird, mag er persönlich noch immer nicht bestätigen. "Noch habe ich nirgendwo einen Vertrag unterschrieben", sagt er. Und so lange gebe es halt über seine sportliche Zukunft nichts Offizielles zu vermelden.
Paderborner Angebot "war sehr gut"
Dass er über kurz oder lang auch gegen eine Fortsetzung seiner Karriere in der 1. Liga überhaupt nichts einzuwenden hätte, daraus macht er keinen Hehl. Ganz im Gegenteil. Mohr ist neugierig, ob "da vielleicht bei mir noch mehr geht". Aus finanziellen Gründen beende er sein Fußball-Engagement für die Ostwestfalen übrigens nicht. Das ihm von seinem jetzigen Klub unterbreitete Vertragsangebot "war sogar sehr gut", sagt er und nennt ausnahmslos die bereits erwähnte neue Herausforderung als Wechselgrund.
Keine Frage, die hinter Fürth (14) mit 15 Gegentreffern in 19 Spielen zweitstärkste Abwehr-Fraktion der 2. Liga wird mit Mohr einen ihrer Hauptdarsteller verlieren. Zumal der Allrounder auch schon den zwischenzeitlich verletzten Kapitän Markus Krösche im defensiven Mittelfeld vertreten hat und dort das Paradebeispiel sämtlicher Tugenden eines modernen Sechsers ablieferte.
Trotz des "Vorteils, auf dieser Position öfter mal vor dem gegnerischen Tor auftauchen" zu können, sieht er seine Zukunft als Fußball-Profi dennoch im Abwehrzentrum. "Da fühle ich mich am wohlsten", sagt Mohr, der am 16. Dezember mit seinem Tor zur Paderborner 3:1-Führung beim 3:2-Erfolg in Düsseldorf noch einen richtungweisenden Treffer abgeliefert hatte. Als Innenverteidiger glänzt der 27-Jährige auch in der Fairness-Tabelle. Nach gut der Hälfte der absolvierten Saison ist sein Karten-Konto noch immer völlig blank.
Hamburger Herausforderung
Angesichts der heißen Spekulationen um seine Zukunft steht Mohr für seinen aktuellen Brötchengeber am 6. Mai 2012 ein letztes Mal vor einer brisanten Herausforderung. Dann bestreitet der SCP den Schlussakkord der Spielzeit 2011/12 ausgerechnet beim FC St. Pauli.
Ein persönliches Horror-Szenario ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedenfalls nicht völlig auszuschließen. Die Ostwestfalen gewinnen und rücken ins Oberhaus vor, während der Kiez-Klub um den ehemaligen SCP-Trainer Andre Schubert zweitklassig bleibt. Dann hätte Mohr wohl mit Zitronen gehandelt – und er würde sich ganz gewiss schwarz ärgern.