Paderborn. Mentale Streicheleinheiten vor dem Anstoß. Die 1:5-Niederlage sei ausgeblendet, "Fürth hat nicht stattgefunden", versuchte sich Paderborns Stadion-Moderator Jürgen Lutter bereits vor dem Anstoß des Heimspiels gegen Dynamo Dresden als Hobby-Psychologe beim Team und seinen Fans.
Rund 90 Minuten später feierten diese beiden Parteien nach dem 2:2 (1:1) zwar nicht den siebten Heimsieg des SC Paderborn, aber immerhin die vierte Punkteteilung während der laufenden Zweitligasaison vor eigenem Publikum.
Kollektives Aufatmen im vereinten SCP-Lager, keine Frage. Schließlich sind langfristig bleibende Schäden wegen der eklatanten Schlappe im Frankenland nach diesem recht turbulenten Match gegen die Sachsen nicht zu befürchten. Auch, wenn eine frühe Paderborner Führung (Jens Wemmer, 3. Spielminute) inzwischen zum Fluch zu geraten scheint. "Wir haben heute eine Riesenreaktion unserer Mannschaft gesehen", rückte auch Innenverteidiger Florian Mohr die positiven Begleiterscheinungen dieser Partie nach dem Schlusspfiff ins Rampenlicht.
Andererseits sprach der Defensivstratege wegen der umgehend verpassten Wiedergutmachung in Form eines Dreiers aber auch von einer "Riesenenttäuschung" nach einem "komischen Spielverlauf". Mohr selbst hatte in dieser tatsächlich kuriosen Begegnung eine gewisse Schlüsselrolle gespielt. Zunächst führte sein vermeintlich regelwidriges Einsteigen gegen Dresdens Zlatko Dedic (80.) zum Strafstoß, den der Gefoulte selbst verwandelte, und zum 1:1-Ausgleich.
In der Schlussminute bediente Mohr dann seinen eingewechselten Teamkollegen Matthew Taylor, der die zwischenzeitliche 2:1-Gästeführung (Dedic, 80.) schlussendlich in buchstäblich letzter Sekunde egalisierte. Wenn das Team an diesem Sonntag in einer Woche im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt erneut mit einem solchen Engagement auftrete, sei ihm um erneut Zählbares nicht bange, verbreitete Mohr ("Ich habe selten ein solch drückend überlegenes Spiel von uns gesehen, wie heute in der zweiten Halbzeit") schon am Freitagabend für die in einer Woche folgende Aufgabe einigen Optimismus.
Auch Paderborns Ausgleichstorschütze Taylor war anschließend mit sich und der Fußballwelt nicht so ganz im Reinen, weil "wir unsere Heimspiele eigentlich gewinnen müssen." Der US-Amerikaner (14 Saisoneinsätze) wurde gegen Dresden zum neunten Mal eingewechselt. Nachdem er zuletzt überhaupt nicht zum Zuge gekommen war, sei ihm die Verpflichtung, dass "ich jetzt unbedingt ein Tor schießen muss", durchaus bewusst gewesen", so Taylor.