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10.10.2012
PADERBORN
Die rechte Fanszene im Fokus
Landesweiter Jahresbericht listet auch den SC Paderborn auf
VON HARTMUT KLEIMANN

Paderborner Fangemeinde | ARCHIVFOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. Der Fußballsport, oft als die eigentlich schönste Nebensache der Welt tituliert, hat nicht nur seine schönen Seiten. Auch der Fußball-Zweitligist SC Paderborn sieht sich nicht selten mit einer politisch rechten Szene in Zusammenhang gesetzt. So sind im Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS) der Polizei des Landes Nordrhein Westfalen die Bundesligisten aufgelistet, die Probleme mit rechtsextremen Fans haben. Genannt wird dort neben dem MSV Duisburg auch der SC Paderborn.

Erst vor wenigen Tagen hatte Kreisdirektor Heinz Köhler bei einem Referat in Bad Wünnenberg über die Neonazi-Szene auf Nachfrage eine Vernetzung von Rechtsextremen mit Fußball-Fan-Gruppen beim SC Paderborn noch ausgeschlossen. Nach seinem Kenntnisstand gebe es solche Entwicklung in der Domstadt noch nicht, hatte er ausgeführt.

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Verein zeigt sich wachsam

Das Problem mit rechtsgerichteten Personen ist in Deutschland ohne Zweifel kein fußballtypisches, sondern ein allgemein gesellschaftliches. Je mehr Menschen, desto größer ist die Gefahr, dass auch welche mit rechten Tendenzen dabei sind. Da unterscheidet sich der Fußball nicht von anderen Bereichen. Auch beim SCP ist die Fangemeinde gewachsen, gleichzeitig auch die Problematik. "Ein Fußballverein kann schwerpunktmäßig keine Sozialarbeit leisten. Wir können die aber hilfreich begleiten", so Vizepräsident Hornberger.

Jürgen Siebel, Polizeidirektor in Paderborn und in seiner Funktion zuständig für alle Polizeieinsätze bei Spielen des SC Paderborn, legt jetzt Fakten vor. Zwar diene der Jahresbericht der ZIS nur für den Dienstgebrauch, er könne aber bestätigen, dass "wir in der Szene einige Fans haben, bei denen wir sicher sind, dass es einen rechtsextremen Hintergrund gibt." Dies sei durch Straftaten mit einem rechten Spektrum, aber auch durch für den Fußball typische Straftaten belegbar.

Der Polizeidirektor bezeichnet die Gruppe zwar noch "als überschaubar", nennt aber auch Zahlen. 20 bis 25 Personen seien bekannt, in einem Alter von 18 bis 28 Jahren und gesellschaftlich "quer Beet" einzuordnen. Da unterscheide sich die Fußballszene nicht von anderen rechtsgerichteten Bereichen, so Siebel.

Zum Thema rechte Szene gebe es mittlerweile eine enge Kooperation mit dem Verein, auch das geplante Fanprojekt Paderborn sei zu begrüßen. Das in der Trägerschaft der Caritas stehende Projekt wartet in diesen Tagen noch auf den endgültigen Bewilligungsbescheid vom Land. Dann geht es mit Projektleiter Philip Krüger auch schnell los. "Sozialarbeit im Umfeld eines Fußballvereins" ist das Hauptanliegen, auch um möglichen, neuen Tendenzen aus der rechten Szene präventiv zu begegnen. Denn die Zielgruppe der Rechten seien laut Siebel junge, Orientierung suchende Menschen. Dem müsse gemeinsam entgegengewirkt werden.

Martin Hornberger, geschäftsführender Vizepräsident des SC Paderborn, legt großen Wert darauf, das Thema rechte Szene im Fußball nicht nur mit einzelnen Aktionen anzugehen. "Wir müssen auch mit den Fanklubs in einem ständigen Dialog bleiben", nimmt er auch den Verein selbst in die Pflicht und fordert gleichzeitig zum Thema "sicheres Stadionerlebnis" und den jetzt neu aufzustellenden Sicherheitsrichtlinien eine bundesweit einheitliche Regelung. "Jeder Fan muss wissen, wenn er mit rechtsgerichteten Aktionen in einem Stadion auffällig werden sollte, er in keinem deutschen Stadion erwünscht ist."

Bei der von Politikern und anderen Offiziellen immer wieder eingeforderten Zivilcourage, ein Reinigungsprozess von innen heraus also, gestalte sich das im Fall von rechten Tendenzen möglicherweise noch problematischer als beim ebenso heißen Thema Pyrotechnik. Dass dort Ross und Reiter genannt würden, "kommt nicht oft vor", bedauert Hornberger.

Ähnlich sieht das der SCP-Fanbeauftragte Christian Just. Er umschreibt die Problematik mit den Worten, dass "dieser Personenkreis leider eine 2. Halbzeit hat. Beim Fußball stehen die neben dir und fallen nicht auf." Damit meint er das ganz normale Leben, in denen die rechte Szene, wie schon in Dortmund geschehen, im Alltag gerne Angst verbreitet. "In Paderborn ist das wohl eher noch eine kleinere Nummer, aber wir dürfen die Augen nicht verschließen", fordert Just. Auch er greift die Forderung nach einheitlichen Regeln in deutschen Stadien mit einem recht einfachen Beispiel auf. In Paderborn seien die Ordnungskräfte angewiesen, Fans mit der bei Rechten beliebten Klamotten-Marke Thor Steinar den Eintritt zu verwehren. "Das ist nicht in allen Stadien der Fall", weiß der Fanbeauftragte. Der sieht aber auch eine positive Entwicklung. Nach den fatalen Fehlern, die in vielen Bereichen im Fall der Zwickauer Terrorzelle gemacht worden seien, schaue die Allgemeinheit nun intensiver hin.

Versteckte Codes, Abkürzungen auf Zaunfahnen, oder allgemeine Sprüchen würden schneller erkannt.


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